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Günter Lamprecht Darsteller
Der am 21. Januar 1930 in Berlin geborene Günter Lamprecht startete nach dem Krieg mit Jobs in diversen Berufen, z.B. als Dachdecker, Bühnenarbeiter oder Taxifahrer. Es folgte eine Ausbildung als Orthopädiehandwerker.
Danach nahm er Schauspiel-Unterricht an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin. Seine Lehrerin Lucie Höflich (eine andere Quelle spricht von Else Bongers, rk). Mehr oder weniger durch Zufall bekam er ein Stipendium für das Max Reinhardt-Seminar, absolvierte dort zwei Jahre und ging bis 1970 an das Schiller-Theater in Berlin. Bis dahin hatte er schon an mehreren Theatern gespielt, hatte sich aber nie so richtig wohl gefühlt. Nach seinen eigenen Angaben hatte er in über 30 Filmen immer nur Nebenrollen in den Fünfzigern. Es seien Schnulzen gewesen. Seine erste "richtige" Rolle bekam er bei Ottokar Runze in dem 1975 gedrehten Film Das Messer im Rücken, hier spielte er einen Schöffen. 1977 erntete er mit der Rolle eines Alkoholikers in dem Fernsehspiel Rückfälle großen Beifall, wofür er zu Recht die Goldene Kamera erhielt. (Wirklich ein bemerkenswerter Film! rk)
"Kino war immer mein Wunsch gewesen, aber ich bin da nicht richtig herangekommen", erklärt er selbst das Phänomen, dass erst Erwin Keuschs autobiographische (und preisgekrönte, z.B. Ernst Lubitsch-Preis) Handwerkerstudie Das Brot des Bäckers dem inzwischen 46jährigen die erste Hauptrolle seines Lebens brachte. Zur Vorbereitung auf diese Rolle futterte er sich erst einmal 30 Pfund an und ging dann 14 Tage in die Backstube. Für seinen Franz Biberkopf in Fassbinders Berlin Alexanderplatz erhielt er den Darstellerpreis der Berliner Filmfestspiele und einen
Preis bei der Biennale in Venedig. Anlässlich der Uraufführung in den USA wurde er zusammen mit Barbara Sukowa dorthin eingeladen und frenetisch gefeiert. Während der Synchronarbeiten zu Alexanderplatz soll Fassbinder gesagt haben: "Ich möchte hiermit laut und deutlich betonen: Günter Lamprecht ist kein Fassbinder-Schauspieler. Er ist ein Mann, der alles aus sich selber geschaffen hat." 1973 arbeitete Lamprecht erstmals mit Fassbinder zusammen. In den Fernsehspielen Welt am Draht und Martha spielte er noch Nebenrollen. 1978 folgte der Kinofilm Die Ehe der Maria Braun. Doch zur eingeschworenen Fassbinder-Truppe gehörte er nie, wollte es auch nicht. Den Film Berlin Alexanderplatz bezeichnete Lamprecht noch 1992 als sein "Lebenswerk" (Neue Westfälische, Juni 92). Im Gegensatz zu anderen Schauspielern hatte er keinen Grund zur Klage, nach seinem großen Erfolg keine Angebote mehr zu bekommen. Im Gegenteil. Trotzdem lehnte er Angebote aus Amerika ab, weil ihm die Drehbücher nicht gefielen.
Hervorzuheben sind noch Das Boot (1981), Milo Barus, der stärkste Mann der Welt (1982), die kleine Serie Roncalli (1986) und seine Tätigkeit als Kommissar Franz Markowitz, den er von 1991 bis 1996 acht Mal im SFB-Tatort darstellte. Die Figur hatte er selbst entwickelt, an den Drehbüchern mitgearbeitet. "70 Prozent vom Markowitz sind Lamprecht", zitierte ihn die NRZ (Sept. 94). "Meine ganze Biographie steckt in dieser Figur. Den Hauptteil an seelischen Verletzungen und am sogenannten Durchmachen hat in Berlin stattgefunden. Meine Eltern haben schwer malocht, sich eigentlich nie richtig verstanden. Ich war ein absolutes Schlüsselkind und bei allem, was ich gemacht habe, bei aller Kraft, eher ein sensibler Typ. Kein Hau-Drauf."
1995 spielt er im Tournee-Theater den Tischler Leroy in Arthur Millers Drama Der letzte Yankee, wo zwei Ehepaare im Wartezimmer einer Psychiatrie aufeinandertreffen.
Im Sommer 1996 nahm Lamprecht Verhandlungen mit dem ZDF auf. Dort wollte man mit ihm ab 1997 jährlich drei Folgen à 90 Minuten für den Krimi-Samstag drehen. Lamprecht soll einen Staatsanwalt spielen, einen unbequemen Juristen, dem die Menschen am Herzen liegen, der sich einsetzt und aneckt. Seine oft geäußerte Klage über die heutzutage zu knapp bemessenen Drehtage ist nicht ganz einleuchtend, wenn man bedenkt, dass die 14 Folgen Berlin Alexanderplatz in 154 Tagen gedreht wurden. Das sind im Schnitt 11 Drehtage je einstündige Folge!
Lamprecht versteht sich selbst "als guter Volksschauspieler und habe nicht den Anspruch, in irgendeinem intellektuellen Theater auftreten zu müssen. Da bin ich nicht zu Hause, das ist nicht mein Bier. In der Reihe, in der ich mich einordne, stehen Leute wie Karl Malden, Lino Ventura oder Jean Gabin. Das sind volksnahe Menschen. Und sie sind glaubwürdig." (BWZ, März 90) Volksnah heißt: ehrlich, direkt, ungekünstelt. Lamprecht hasst es, zu "markieren", die Figuren müssen lebensecht sein, und um dies überzeugend spielen zu können, geht er dorthin, wo das Leben spielt. Der Wahlkölner lebt in einer anonymen Hochhaussiedlung unter Normalos, die er schonmal auf ein Bier in der Kneipe trifft. Mit Jean Gabin und Emil Jannings ist er oft in einem Atemzug genannt worden. In einer Rangliste der besten Schauspieler der 80er Jahre wurde er von US-Kritikern neben Robert de Niro und Ben Kingsley auf Platz 3 gesetzt. Angebote aus Hollywood blieben nicht aus, doch die Drehbücher waren nicht nach seinem Geschmack. "In einem dieser Filme sollte ich den Göring spielen. Aber das war eher eine Knallcharge. Das habe ich abgelehnt." (Quelle: Die neuen Stars des deutschen Films von Siegfried Tesche (mit freundlicher Genehmigung des Autors), Heyne Filmbiobliothek Nr. 32/78, München, 1985)
Lamprecht, der zwei Mal verheiratet war und heute in Köln lebt, veröffentlichte im Oktober 2002 seine Erinnerungen unter dem Titel "Und wehmütig bin ich immer noch. Eine Jugend in Berlin". Er blickt mit diesem Buch auf seine frühe und dramatische Zeit seines Lebens zurück und entpuppt sich dabei als ein erstklassiger Erzähler voller Wehmut und echtem Berliner Humor.
Am 21. Januar 2010 wurde Günter Lamprecht 80 Jahre alt. Aus diesem Anlass zeigt RBB-Fernsehen am 16. Januar 2010 den überaus bemerkenswerten Dokumentarfilm über eine ebenso bemerkenswerte Karriere über Günter Lamprecht von Dagmar Wittmers mit dem Titel Da musste jetzt durch, Jünta.
In diesen Städten wird Günter Lamprecht Station machen, um aus dem Roman "Stellenweise Glatteis" von Max von der Grün und aus seiner Biografie vorzulesen:
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Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 21.04.2011 |