Winterreise 1975
Inhalt Brigitte Höll ist siebzehn. Sie war noch ein Kind, als ihre Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Seitdem lebt sie in Heimen. Immer wieder hat sie versucht zu fliehen, sich auch den gutgemeinten Versuchen staatlicher Fürsorge und Erziehung zu entziehen, wobei die Reaktion auf diese Fluchtversuche jedesmal nur eine weitere Einschränkung ihres Wunsches nach Freiheit und Geborgenheit war. Dennoch versucht sie es wieder, als sich bei einem Ausflug die Gelegenheit bietet. Ein Vertreter, "Versicherungsacquisiteur", wie er sich nicht ohne bittere Selbstironie nennt, nimmt sie mit, als sie ihm erzählt, sie sei Studentin und wolle nach München. Diesen Helmut Reichardt überrascht sie damit, dass sie seinen unzweideutigen Vorschlag, mit ihn in einem Gasthof zu übernachten und erst am nächsten Tag nach München weiterzufahren, ohne Zögern annimmt. Natürlich wollte er gar nicht nach München - aber weder mit dieser Erklärung noch durch alle möglichen Vorwände wird er sie am nächsten Tag wieder los. Mit äußerstem Unwillen nimmt er sie mit zu seinen Verkaufsgesprächen, merkt aber langsam, dass sie anscheinend von großem Nutzen sein kann, denn seit sie dabei ist, gehen die Geschäfte deutlich besser. Also hat er auch nichts dagegen. Im Gegenteil. Nachdem Brigitte von einer Verkehrsstreife identifiziert und ins Heim zurückgebracht worden ist, realisiert er die einzige Möglichkeit, sie wieder rauszuholen: Er heiratet sie. Mit dieser Heirat verbindet Brigitte die Hoffnung, dass sich ihre Träume von Unabhängigkeit und einer selbstständigen, gesicherten Existenz verwirklichen möchten. Helmut sieht seine Chance, mit ihrer Mitarbeit nach vielen Jahren wieder eine kleine Stufe beruflichen Erfolgs zu erklettern. Von Liebe ist nicht die Rede. Und ebenso wenig von einer Rücksicht auf Brigittes Wünsche und Bedürfnisse. Zwar wächst Helmuts Zuneigung zu ihr im gleichen Maße wie ihre beruflichen Fähigkeiten zunehmen, doch ebenso sehr verstärkt sich Brigitte Widerwille, aufs Neue einem fremden Willen unterworfen zu sein. Am Ende steht nicht eine neue Flucht, sondern eine kühle Trennung: Brigitte wird es allein versuchen. (Quelle: Fernsehspiele Westdeutscher Rundfunk, Ausgabe Januar bis Juni 1976. Herausgeber: WDR-Pressestelle)
Links fremder Seiten: www.agentur-huebchen.de (über Sabine von Maydell) wikipedia (über Alexander Kerst)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: August 2010
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