Der Boxer

1980

  

Filmliste Karl Fruchtmann

 

  

 

Regie

Karl Fruchtmann

Drehbuch

Karl Fruchtmann (nach dem Roman von Jurek Becker)

Produktion

Ufa-Fernsehproduktion Berlin

Kamera

Jörg-Michael Baldenius

Ur-/Erstaufführung

3. März 1980

Genre

Fernsehspiel

  

    

    

Darsteller

Rolle

Norbert Kappen

Aron Blank

Rüdiger Kirschstein

Interviewer

Patrick Estrada-Pox

Mark

Donata Höffer

Paula

Vérénice Rudolph

Irma

Stefan Wigger

Oswald

Hans Putz

Kenik

Günther Tabor

   

        

Inhalt

Aron Blank hat im Gegensatz zu seiner Frau und auch zu zweien seiner drei Kinder Naziherrschaft und KZ überlebt. 1945 kehrt er nach Deutschland, nach Berlin zurück, um einen Neuanfang zu versuchen. Alles, was ihn (aber auch andere) an die zurückliegende Schreckenszeit erinnern könnte, verändert er: Seinen Vornamen gibt er auf der Passstelle mit Aron an, er erscheint ihm  "weniger verräterisch", sein Geburtsdatum "verjüngt" er um sechs Jahre, eben die Kriegsjahre, seine in der Zeit ergrauten Haare lässt er schwarz färben.

  

Nachdem ihm eine Wohnung zugewiesen worden ist - wie sich später herausstellt, die eines ehemaligen Naziparteilers -, beginnt er die Suche nach seinem Sohn Mark, der zwei Jahre alt war, als er im Ghetto von seinem Vater getrennt wurde. Er wendet sich an die amerikanische Organisation Joint, die Nachforschungen nach vermissten Hinterbliebenen anstellt. Paula, mit dem Fall betraut, spürt schon bald einen Jungen im in Frage kommenden Alter, den einzigen mit dem Vornamen Mark, in einem Kinderheim in Bayern auf. Er wird zwar als Mark Berger in den Akten geführt, trotzdem ist Aron - zumal nach einem ersten Gespräch mit dem Kind - davon überzeugt, seinen Sohn gefunden zu haben.

  

Paula zieht zu Aron. Schon bald aber stellt sich heraus, dass ein Zusammenleben mit ihm sehr schwierig ist. Er ist innerlich zerrissen und misstrauisch, die Erfahrungen der Vergangenheit sind übermächtig. Sie vermutet, Aron wolle an allem und jedem Rache nehmen und kann sich auch damit nicht arrangieren, dass er ohne Bemühung um Arbeit in den Tag hineinlebt.

  

Als Joint eines Tages Paulas ehemaligen Verlobten ausfindig macht, trennt sie sich von Aron. Der hat inzwischen eine Arbeit als Prokurist einer Schwarzmarktorganisation angenommen, die ihn aber nicht befriedigt. Er beginnt zu trinken und wartet nur auf den Tag, an dem Mark aus dem Heim entlassen wird.

  

Niemand hat sich um Mark jemals gekümmert, er kann kaum richtig gehen, kaum richtig sprechen. Aron ist zwar sehr besorgt darüber, aber auch glücklich: Endlich hat er eine Aufgabe. Als Mark entlassen wird, widmet er sich ihm fast ausschließlich. Er wird zu dem Lebensinhalt, den er nirgendwo anders gefunden hat: wieder bei seinen jüdischen Bekannten, die er einmal als "lauter Fachleute im Leiden" bezeichnet, noch bei den Deutschen, zu denen er so gut wie gar keine Kontakte hat. Seine einzigen Bekannten, die fast Freunde waren, gibt es nicht mehr: Kenik, ein Schwarzmarkthändler, ist nach Palästina gegangen, weil der Unternehmer kleine Händler nicht mehr braucht. Oswald, ein ehemaliger politischer Gefangener, dann Fachmann für Naziverbrechen bei den Engländern (von denen er allerdings mit der Begründung entlassen wird, er habe im Amt persönliche Rache üben wollen) hat Selbstmord begangen.

  

Bleibt also Mark. Alle Liebe, alle Fürsorge gelten ihm; der Vaterstolz mischt sich mit der Furcht, dem Sohn könne einmal Ähnliches geschehen wie dem Vater; dies vor allem gilt es zu verhindern. Als Mark einst von Mitschülern verprügelt nach Hause kommt, wittert Aron fast ein neues Pogrom; um ihm die Möglichkeit (die er selbst nie hatte) zu geben, sich selbst zu verteidigen, und um ihn nicht der Gefahr auszusetzen, Opfer wie der Vater zu werden, erfindet Aron eine Boxerbiographie, die ihm einst angeblich geholfen hat, und motiviert auch Mark, boxen zu lernen.

  

Zu der Zeit lebt Irma noch bei Aron, die er zu sich holte, weil sie Mark im Heim betreut hatte und die von ihm fast als Mutter akzeptiert wird. Eine kurze Affäre zwischen Aron und Irma scheitert allerdings an seiner Unfähigkeit, sich auf sie einzustellen. Sehr abrupt trennt er sich von ihr.

  

Mark wird erwachsen, hat die Schule abgeschlossen und beginnt zu studieren. Vater und Sohn wohnen im Ostsektor Berlins. Eines Tages zieht es Mark nach Hamburg. Er verschwindet, ohne dem Vater Bescheid zu geben. Er schreibt zwar regelmäßig, doch zu einem Treffen zwischen Vater und Sohn kommt es nicht mehr. Eines Tages bleiben auch die Briefe aus. Der letzte, datiert vom Juni 1967, kommt aus Israel. Aron vermutet, dass sein Sohn im Sechs-Tage-Krieg gefallen ist. Allein und ohne Verbindung zur Außenwelt bleibt Aron zurück. Der Versuch, gegen die Erfahrung der Vergangenheit zu leben, ist gescheitert. "Ich war müde", sagt Aron. "Wer von so einer Müdigkeit befallen ist, der hat kaum Kraft genug, sich um sich selber zu kümmern. Der Kampf gegen die Müdigkeit ist mein schwerster gewesen. Ich habe ihn verloren."

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Heft 28, März - Mai 1980, herausg. vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung/Öffentlichkeitsarbeit)

 

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

  
    

   

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 20. Mai 2016

  

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