Der Chinese 1979
Inhalt An
einem regnerischen Vormittag. Ein schweres Motorrad, auf dem eine tief vermummte
Gestalt sitzt, nähert sich schnell einem kleinen Dorf. Mit weitem Regenumhang,
großer Brille, Stiefeln und Handschuhen steigt der Fahrer am Eingang eines
kleinen Friedhofes vom Rad, schiebt die Brille hoch, öffnet den Umhang und
stapft zielsicher zu einer Gruppe in schwarz gekleideter Herren, die etwas
verloren um ein Grab stehen, auf dem eine männliche Leiche liegt. Der Fremde
wird zurückhaltend begrüßt, er ist den Herren kein Unbekannter: Wachtmeister
Studer von der Kantonspolizei Bern.
Pfründisberg,
ein ehemaliger Kurort, besteht eigentlich nur aus einer Armenanstalt, einer
Gartenbauschule, einem Wirtshaus und einem Friedhof. Der Tote, James Farney,
genannt der "Chinese", ein in der Welt viel gereister Schweizer, war
in seine Heimatgemeinde zurückgekehrt. Sehr herzlich war die Aufnahme nicht
gewesen, wie Studer bald ermittelt. Ein Außenseiter, der in der Gastwirtschaft
"Sonne" wohnte, bis man seine Leiche auf dem Grab der Schwester fand. Die
Frage Mord oder Selbstmord ist für Studer rasch geklärt, nicht aber, ob dieser
Fall möglicherweise sich deshalb so verkompliziert, da die zwischenmenschlichen
Beziehungen der Einwohner etwas undurchsichtig sind. Da ist der honorige
Armenhausvorsteher, der seine sozialen Zielvorstellungen als Theorie des "Pauperismus"
verbreitet, da ist der Direktor der Gartenbauschule, eine Kapazität im Gemüsebau,
und schließlich der Wirt, der sich durch den Verkauf von billigem Fusel an die
Armenhäuser zu bereichern pflegt. Und die Armenhäusler selbst? Wäre es
denkbar, dass der Mörder unter denen zu finden ist, die nichts mehr zu
verlieren haben? (Quelle:
Broschüre "ARD-Fernsehspiel",
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
der Bundesrepublik Deutschland, Heft: April bis Juni 1980)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 06/2010 |