Der Krähenbaum 

1988

 

Filmliste Frank Guthke

 

 

  

Regie

Frank Guthke

Drehbuch

Mathias Schröder, Frank Guthke
Nach dem gleichnamigen Roman von Mathias Schröder

Ausstattung

-

Produktion

F.W.F-Fritz-Wagner-Film GmbH

Kamera

Horst Zeidler

Redaktion

Otto H. Schneider

Szenenbild

Gerd Staub

Länge

102 Minuten

Sonstiges

-

Auszeichnung

-

Ur-/Erstaufführung

-

Genre

Fernsehspiel

  

     

    

Darsteller

Rolle

Die Kinder: Florian Hartung Michael Rost
       Christ. Wendelmuth Günter Marin
       Florian Schmidt-Foß Gabriel Marin
       Sarah-Rikje Piazenski Gesa Thomsen
Die Mütter: Ilona Grübel Frau Marin
       Dorit Amann Frau Rost
       Hanna Thiele Frau Thomsen
Ruth Hausmeister die Großmutter
Manfred Reddemann General Marin
Claus Fuchs Ortsgruppenleiter Flimm
Robert Zimmerling Leuthold

    

     

     

Inhalt

 

Der Schriftsteller Michael Rost ist in das Dorf seiner Jugendzeit, nach Werflo, gekommen. Er ist gebeten worden, sein jüngstes Werk vorzustellen, seine Erinnerungen an eben dieses Werflo. Nachts splittern die Scheiben der Buchhandlung, in der sein Buch ausliegt. Naziparolen werden an die Wände geschmiert.

Für Michael Rost wiederholt sich das, was er im Kriegswinter 1942/43 hier erlebte. In einem etwas abgelegenen Gutshaus wohnen Frau Marin, Frau Rost und Frau Thomsen mit ihren Kindern. Der Krieg hat sie zufällig zusammen gebracht, aber sie haben es verstanden, sich zu arrangieren in diesem männerlosen Haushalt. Herr Marin ist als hoher Offizier an der Ostfront, ebenso der Mann von Frau Thomsen. Frau Rost ist Kriegerwitwe.

 

Für die Kinder ist die Wirklichkeit des Krieges noch fern, denn in der idyllischen Umgebung können sie sich unbeschwert austoben. Auch Streitigkeiten mit der Dorfjugend sind mehr alltägliche Auseinandersetzungen als ernsthafte Bedrohung von Außenseitern.

 

Unsichtbarer Schutzschild für Mütter und Kinder ist das Ansehen des Generals Marin. Aber Stalingrad wird eingeschlossen, die Zukunft ist ungewiss. Der Ortsgruppenleiter Flimm beginnt, der Familie Marin nachzuschnüffeln, und wird fündig: Gabriel ist ein adoptiertes, jüdisches Kind. Frau Marin wird rechtzeitig gewarnt, der Junge bei Nacht und Nebel weggebracht. Aber auch die Kinder merken, dass Gefahr droht. Unbefangenheit und Fröhlichkeit sind zerstört, sie erleben Bedrohung und Angst. Das Verhalten der Dorfbevölkerung ändert sich, man macht geschlossen Front.

 

Den moralischen Rückhalt im Hause Marin gibt jetzt die Mutter des Generals, die vor den Bombenangriffen auf Kassen hierher geflohen ist. Sie, die von den Kindern geliebte Großmutter, ist eine Persönlichkeit von tiefer Religiosität, die sie die Anfeindungen der Nazi-Umgebung ertragen lässt. Sie bewahrt auch Mut und Stärke, als das nächste Unglück hereinbricht: Der alte Leuthold, der Gabriel in Sicherheit bringen wollte, wird von der Gestapo erwischt. Er kann zwar entkommen, aber das Kind wird in ein KZ gebracht. Man versteckt Leuthold im Keller, aber nun geht sie nackte Angst im Haus um, die Angst vor Entdeckung.

 

Die 6. Armee bei Stalingrad kapituliert, das Prestige des Generals Marin kann die Familie nicht mehr schützen. Als versteckten Schikanen werden nun offene Feindseligkeiten und Terror. In einer dunklen Nacht wird der Liebling der Kinder, das kleine Pferd der Großmutter, abgestochen. Diese sinnlose, gemeine Tat lässt Frau Rost die Nerven verlieren. Sie zeigt den alten Leuthold an und belügt ihren Sohn, der sie zufällig dabei gesehen hat. Während eines Fliegeralarms, als man sich in Sicherheit wähnt, steht plötzlich die Gestapo im Luftschutzraum. Vor den Augen der Kinder wird Leuthold, der sich der Verhaftung widersetzt, erschossen, die Großmutter schwer misshandelt. Aber auch Frau Rost hat Schlimmes angerichtet: Sie hat das Vertrauen der Kinder untereinander zerstört.

 

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Das Fernsehspiel basiert auf dem gleichnamigen Roman des Münchner Arztes Mathias Schröder. Es schildert - wobei sich Autobiografisches mit Fiktivem mischt - aus der Sicht von Kindern die Zerstörung einer Familie und ihrer sozialen Verbindungen, ein Thema, das in der deutschen Nachkriegsliteratur kaum behandelt worden ist. Entsprechend war die Resonanz: Mathias Schröder erhielt 1977 den Förderpreis des Freistaates Bayern für Literatur, 1980 den Förderpreis der Landeshauptstadt München.

 


  

 

 

 

 

 

 

 

 

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus

Aktualisiert am 15. Oktober 2026

 

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