Die Leiden des jungen Werther

1977

  

Filmliste Egon Günther

 

 

Regie: Egon Günther, Helga Schütz

Drehbuch: n. d. Erzählung von J. W. von Goethe

Produktion: DEFA (Ankauf einer Gemeinschaftsproduktion des DEFA-Studios für Spielfilme und des Fernsehens der DDR durch den Hessischen Rundfunk)

Kamera: Erich Gusko

Länge: 100 Minuten

Genre: Literaturverfilmung

Sonstiges: Es wurde an Originalschauplätzen in der DDR gedreht

 

  

Darsteller ... spielt wen

Hans Jürgen Wolf ... Werther

Katharina Thalbach ... Lotte

Hilmar Baumann ... Albert

Heinz Dieter Knaup ... Amtman

Herwart Grosse ... Gesandter

Dieter Mann ... von Steinfeld

Barbara Dittus (25.06.2001)... Frau Heilmann

Angelika Mann ... Cousine

Juliane Korén ... Sägerin

Irmhild Wagner ... Fräulein von B.

Klaus Piontek ... Wilhelm

Kurt Goldstein ... Reinhard

Peter Hladik ... Graf

Gerhard Bienert ... Pfarrer

Anita Herbst ... Magd

  

  

Inhalt

Werther, ein junger Mann, den es aus der Stadt in die "unaussprechliche Schönheit" der Natur zieht, lernt bei einem "Ball auf dem Lande" Lotte kennen und verliebt sich in sie, obgleich man ihn warnt, dass Lotte "schon vergeben" ist. Allein ihre reine Gegenwart versetzt ihn in einen besinnungslosen Glückstaumel. Ein Schatten fällt auf Werthers Glück, als Albert, Lottes Mann, zurückkehrt. Werthers Leidenschaft für Lotte ist zu groß, als dass er diese Situation lange ertragen könnte. Er verlässt Lotte, um in seiner neuen Umgebung Abstand zu finden. Doch die Engstirnigkeit der Verhältnisse in der Kanzlei, in der er eine Arbeit angenommen hat, verbittert Werther zutiefst. Der skandalöse Vorfall, als Bürgerlicher aus einer adligen Tischgesellschaft verwiesen zu werden, ist ihm willkommener Anlass, wieder zu fliehen und in Lottes Nähe zurückzukehren. Sprunghaft steigert sich nun seine Eifersucht, als er Albert in immergleicher "Sattheit" und "Gleichgültigkeit" wiederfindet. Ein letztes Mal besucht Werther Lotte - in Abwesenheit Alberts. Wieder stellt sich zwischen ihnen ein Gleichklang des Empfindens dar. Werther umarmt Lotte leidenschaftlich, sie jedoch reißt sich von ihm los. Noch in derselben Nacht beendet Werther den seit langem begonnenen Abschiedsbrief an Lotte, entleiht bei Albert ein paar Pistolen und erschießt sich.

(ARD-Fernsehspiel, Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, Heft: Juli bis September 1977)

  

  

  

Fragen an den Regisseur Egon Günther zu seinem Film

 

Frage: Was hat sie an diesem Roman Goethes gereizt, ihn für eine Verfilmung zu wählen?

Egon Günther: Goethes "Werther", man las ihn irgendwann, machte mich beim Wiederlesen nach 20 Jahren betroffen. Die Sprache, die deutschen Zustände. Und was einen jungen Mann diesen Kalibers zur Strecke bringt, wollte ich wissen. Was einen umbringen kann. Bekäme man es heraus, man könnte besser auf Abhilfe sinnen. Die Bitte um Nachsicht ist in dem Film mit eingebracht und die Bitte, es für sich selber zu bedenken.

 

Frage: Was waren die wichtigsten Prinzipien bei der Realisierung?

Egon Günther: Nicht Werktreue, die gibt es nicht. Kein allzu großes Interesse an Literaturverfilmung, etwa ins Bild setzen, weil es keiner liest, oder weil viele es gelesen haben. Beim 25.mal durchlesen des Textes fällt einem auf, spätestens was man schon lange weiß: unzählige Varianten sind möglich. Da hier Sprache gleich Inhalt zu sein scheint, müsste man alles bringen, jedes Wort. Sichbescheiden oder sogar Behaupten der subjektiven Sicht. Von jetzt aus, von mir aus. Dem stärker werdenden Wunsch begegnen, das Ganze nun endlich hinüberzureißen ins Jetzt, alles hinzuhauen und einen Gegenwartsfilm zu drehen, einen, der ohne den "Werther" als Ergebnis nicht denkbar sei. Suchen nach Montage als Ausdrucksmittel. Immer wieder die Betroffenheit abwehren, dass das alles einen so angeht. Versuchen dies zu zeigen. Kühl bleiben. Als ob man mit jemand, der einen gern hat, über schwere Erlebnisse redet. Ruhig bleiben.

 

Frage: Sie haben in dem Film eine Bücherverbrennungsszene aufgenommen, die ist in Goethes Roman nicht enthalten. Was war der Grund dafür und auf welche Quelle stützt sich diese Szene?

Egon Günther: Das Frankfurter Stadtarchiv hat alle Bücherverbrennungen dieser Zeit notiert, einschließlich Rechnung des Henkers, der es besorgte, Holz, Stroh, sonstige Utensilien. Goethe schreibt über eine Bücherverbrennung aus seinen Frankfurter Jugendtagen in "Dichtung und Wahrheit", erster Teil, viertes Buch: "Es hatte wirklich etwas Fürchterliches, eine Strafe an einem leblosen Wesen ausgeübt zu sehen. Die Ballen platzten im Feuer und wurden durch Ofengabeln auseinandergeschürt und mit den Flammen mehr in Berührung gebracht. Es dauerte nicht lange, so flogen die angebrannten Blätter in der Luft herum und die Menge haschte begierig danach. Auch ruhten wir nicht, bis wir ein Exemplar auftrieben, und es waren nicht wenige, die sich das verbotene Vergnügen gleichfalls zu verschaffen wussten. Ja, wenn es dem Autor um Publizität zu tun war, so hätte er selber nicht besser dafür sorgen können." Und: Ungefährdete Literatur, das mag es wohl nie geben.

 

Frage: Auch die Schluss-Szene, sie zeigt Albert unverändert in seinem Amt, weicht vom Roman ab. Was war der Grund für diesen Schluss?

Egon Günther: Weil ich das so meine. Weil die Dinge so laufen. Weil soviel oder sowenig dabei herauskommt. Und: Ich habe in einem Film mit Helga Schütz zusammen in Die Schlüssel schon einmal das Recht auf Trauer behauptet. Hier wieder.

  

(ARD-Fernsehspiel, Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, Heft: Juli bis September 1977, Seite 72/73)

  

  

 

 

 

 

  

  

  

  

  

  

  

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 23. Mai 2016

  

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