Der Allerletzte 1979
Inhalt Cleo
ist Barfrau in Münchens Top-Disco "Sugar Shake". Für einen
erotischen Lottogewinn hält sie sich sowieso; und für die tatsächliche
Reinkarnation jener alt-ägyptischen Dame, die denselben Namen wie sie trägt. Ein
Herz hat sie auch. Sie hält sich zum Beispiel einen arbeitslosen Karatelehrer
samt Dogge, weil sie neben dem Orient auch noch auf Fernen Osten steht. Und dann
sollte man nicht vergessen: Das ist tatsächlich ein harter Job, wenn man hinter
der Bar steht. Dazu ist Dennis, der Disco-Besitzer, sein eigener Flop. Die ganzen Einnahmen des Abends wandern ins Spiel-Casino. Cleo nur weiter in ihrer Auffassung bestärkt, dass Männer entweder arbeitslos, vom Spielteufel besessen oder einfach schlicht nur unfähig und dazu noch unverschämt sind. Wie dieser Thomas aus Bremen. Der versaut ihr erstmal als Frisör die Haare, worauf sie ihn feuern lässt. Und der taucht immer wieder in ihrem Leben wie so ein übler Bazillus auf, den man nicht los wird. Cleo versucht nun also, dieses Gespenst aus Bremen wieder in die Mülltonne zurückzudrücken, wo es nach ihrer Meinung herkommt. Aber: erstaunlicherweise: und sie stellt zum erstem Mal in ihrem Leben fest: Da ist sie an jemand geraten, der genauso stur von sich überzeugt ist wie sie selbst. Obwohl
Cleo natürlich glaubt, weit über den Dingen zu stehen, beginnt dieser Bremer
langsam an ihren Nerven zu zerren. Das führt dazu, dass sie in seiner Gegenwart
sogar manchmal unter ihr Niveau geht. Der
Bremer Thomas hat natürlich auch eine Riesenangst vor diesem schwarzen Taifun
aus Niederbayern. Aber aufgeben tut er trotzdem nicht. Das ist er seiner Heimat,
dem Norden, schuldig. Am liebsten würde er die Bayern auf die Berge zurücktreiben,
wo sie seiner Meinung nach herkommen. Damit sind die fairen Voraussetzungen für
einen gnadenlosen Kampf Bayern gegen die Preußen endlich gegeben. (Quelle:
Broschüre ARD-Fernsehspiel,
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
der Bundesrepublik Deutschland, Heft: Juli bis September 1979)
"So reden die Leute in den Kneipen! Halb bizarrer bayerisch-Barock, halb hingerotzter Disco-Slang - der Blick in eine aktuelle Subkultur." (Hans C. Blumenberg)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: Sept. 2010 |