Der Richter

1981

 

Filmliste Stephan Meyer

 

  

  

Regie 

Stephan Meyer

Drehbuch 

Stephan Meyer

Redaktion 

Helmut Rasp

Produktion 

Artus Film München

Kamera 

Jörg Seidl

Musik 

?

FSK 

?

Länge 

?

Sonstiges 

Info bei regieverband.de

FBW-Bewertung 

-

Ur-/Erstaufführung 

23.11.1981

Genre 

Fernsehspiel, Drama

  

  

  

Darsteller

Rolle

Christoph Bantzer 

Wolfram

Ingrid Andree  Maria
Hans Michael Rehberg  Heinrich
Jan Niklas  Ludwig
Marianne Hoppe  Mutter
Wolfgang Büttner  Vater
Felix von Manteuffel  Dr. Grillo
Hans Beerhenke  Chefarzt
Peter Pius Irl  Jimmy, Pfleger
Werner Stocker  Edwin

                  

 

 

Inhalt  

 

Der unmittelbar bevorstehende Tod seiner seit Jahren an Krebs leidenden Mutter stürzt Wolfram K., einen 37jährigen Amtsrichter, und seine übrige Familie in eine dramatische Krise. Um dem familieneigenen Unternehmen den Fortbestand zu sichern, hat die Mutter im Zweiten Weltkrieg eine hoffnungsvolle Opernkarriere aufgegeben und einen Chemiker geheiratet, der als der kommende Mann in der Firma galt. Für diesen Verzicht hat sie ihren Ehemann, vor allem aber die drei Söhne Wolfram, Heinrich und Ludwig leiden lassen, jeden auf seine Art, am meisten aber Wolfram. Weil er "der zum Leiden Begabteste" ist, hat sie ihn dazu ausersehen, ihr eigenes Versagen zu wiederholen. 

  

Wolfram, geschieden, mit nur mühsam unterdrückter Trunksucht, depressiv, nahezu unfähig, seinen Richterberuf auszuüben, ist als Mensch längst zerstört und seiner Erscheinung nach ein Sonderling. Sein einziges wirkliches Vergnügen scheint darin zu bestehen, in den abendlichen Opernaufführungen als Komparse mitzuwirken. Besonders in den Verdi-Figuren findet er eigenes Leid widergespiegelt.

  

Die Mutter stirbt. Und niemand kann verstehen, wieso sie ausgerechnet Wolfram als Alleinerben eingesetzt hat. Der sieht sich vor die Entscheidung gestellt, entweder, wie gehabt, die Leitung des Familienunternehmens dem Vater zu überlassen oder sie seinem ehrgeizigen Bruder Heinrich zu übertragen. Sein Versuch, zu vermitteln, scheitert grandios. Heinrich entlarvt sich als Spinner, der die Firma durch die Entwicklung chemischer Kampfstoffe zu neuer Blüte bringen möchte. Der Vater entpuppt sich als der tatsächlich so banale und liebesunfähige Charakter, als den ihn die Mutter immer hingestellt hat. Auch der jüngere Bruder Ludwig zeigt sich unversöhnlich. Er will Wolfram nicht verzeihen, dass die Mutter ausgerechnet ihn, Ludwig, ihren erklärten Liebling, in der Erbschaft übergangen hat. - Heinrichs freundlose Frau Maria begreift als einzige das Testament der Mutter als Chance: Sie hegt die Hoffnung, Wolfram könne vielleicht doch Ordnung stiften in dieser heillosen Familie. Doch Wolfram, der jetzt plötzlich ein reicher Mann ist, entzieht sich der für ihn unlösbaren Aufgabe und trifft überhaupt keine Entscheidung. Fürs erste bricht er alle Brücken hinter sich ab und flüchtet nach Busseto, dem Geburtsort Verdis.

  

Abgelöst von allen realen Lebenszusammenhängen bedeutet das für ihn die totale Isolation. Die Nachricht vom ebenso plötzlichen wie mysteriösen Herztod des Vaters führt ihn nach Hause. Da eröffnet er seinem Bruder Heinrich überraschend entschlussfreudig, dass er ihm zwar die Geschäftsführung der Fabrik überließe, aber nur unter Überwachung eines Treuhänders. Unmittelbar danach wird er Opfer eines nächtlichen Verkehrsunfalls, in der Nähe der elterlichen Villa, bei den der andere Unfallbeteiligte fahrerflüchtig ist.

Er überlebt, ist aber an den Rollstuhl gebunden und zieht ins ehemalige Elternhaus, wo seine Schwägerin Maria ihm fürsorgliche Pflege angedeihen lässt. Doch sein Realitätsverlust scheint zu eskalieren. Er phantasiert, die Brüder hätten den Vater umgebracht und trachteten nun auch ihm nach dem Leben, um sich in den Besitz der Fabrik und des elterlichen Vermögens zu bringen. Verschärfter Alkoholkonsum bewirkt das Übrige. Wolfram wird für alle tatsächlich unerträglich. Ludwig sorgt schließlich für seine Einweisung in die geschlossene psychiatrische Abteilung des Krankenhauses, in dem er selbst als Gynäkologe tätig ist. Die beiden Brüder wollen Wolfram entmündigen lassen. 

  

In der Psychiatrie fühlt sich Wolfram endgültig als Opfer eines Komplotts. Therapeuten und Pflegepersonal wähnt er als Ludwigs willige Organe, und sein als ärztlicher Kunstfehler getarnter Tod scheint ihm nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Ludwig, der als Angehöriger der Klinik jederzeit Zutritt hat, tut das Seine, um Wolframs Vorstellungen zu nähren.

In höchster Not bricht Wolfram aus, dringt nachts ins Elternhaus ein, um sich für die weitere Flucht heimlich Geld und Personalpapiere zu beschaffen. Dabei wird er zusammen mit Maria unfreiwillig Zeuge einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den Brüdern, aus der unzweideutig hervorgeht, dass sie tatsächlich den Tod des Vaters auf dem Gewissen haben und dass seine fortgeschrittene Verwirrung Teil ihres Konzeptes ist.

Wolframs "kranke Seele" ist nun der Wahrheit tatsächlich nicht mehr gewachsen. So unternimmt er einen letzten Versuch, "Gericht zu halten".

 

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, September - November 1981, herausgegeben vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung)

  

  

  

 

 

 


  

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 22. Dez. 2015

  

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