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Die Münze 1979
Inhalt
Das Spiel ist ein ironischer Spaß. - Theodor Schübel - dem ZDF mit zahlreichen erfolgreichen Arbeiten verbunden - stellt seinem Spiel spöttisch-beziehungsreich als Motto eine Sentenz aus Goethes "Faust II" voran: "Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr." Dazu entwickelt die Handlung eine groteske Variation. Irgendwo in Süddeutschland ist seit geraumer Zeit Falschgeld im Umlauf. Erstklassige Blüten. Die Fahndung glaubt, endlich die Quelle lokalisieren zu können, sind doch beträchtliche Mengen dieser falschen Scheine in dem kleinen, aufstrebenden Städtchen Malzach entdeckt worden. Bei der Suche nach Verdächtigen ist Kriminalrat Horn auf die Akte des einschlägig vorbestraften Anton Kapfinger gestoßen - just gebürtig aus Malzach! Also forscht Horn an Ort und Stelle nach. Für Bürgermeister Salvermoser kommt der Besuch sehr ungelegen, denn er steckt mitten in den Vorbereitungen zur Einweihung des neu gebauten Theaters, der Krönung seines rastlosen Wirkens, Malzach zur fortschrittlichen, modernen Stadt zu machen. So fasst er seinen Wählerauftrag auf, und in diesem Sinne hat er Neubauten von Schule, Sportstadien und Hallenbad schon realisiert. Straßenbau und eine Erweiterung der Kanalisation wurden in Angriff genommen, sollen finanziell abgesichert werden. Immer mehr ambitionierte Projekte müssen realisiert werden. Man lässt sich's was kosten! Nun ja, man übernimmt sich freilich - aber der Fortschritt ist unaufhaltsam. Der Bürger erwartet, ja, beansprucht das!
Kein Wunder also, Bürgermeister Salvermoser hat wirklich wenig Zeit und Lust, sich auch noch kriminalistischen Nachforschungen zu widmen - und gar bei solch unsinnigem Verdacht. Den vorbestraften Kapfinger kennt er, der bei der städtischen Müllabfuhr beschäftigt ist und seit Jahren ein braves, bescheidenes Leben führt. Der - und rückfällig?! Immerhin - man wird der Sache nachgehen. Aber vor allem Diskretion! Presseschlagzeilen wie "In Malzach wird Falschgeld gedruckt!" kann man nicht brauchen. Natürlich informiert Bürgermeister Salvermoser gleich Polizeikommissar Stöckl, Amtmann Schramml und vor allem seinen Stadtkämmerer Pfister. Allseitige Bestürzung - am meisten verständlicherweise beim Kämmerer. Wie sehr, das erfährt der konsternierte Bürgermeister bald.
Denn Pfister macht ihm eine schier unglaubliche Eröffnung, die mit dem verschämt-zaghafen Hinweis auf die Existenz der Hausdruckerei anhebt. Der Bürgermeister ist entsetzt, fassungslos. Pfister, ein korrekter, sparsamer Haushälter? Der führt ein luxuriöses Doppelleben? Oder? Dieser aber argumentiert im Bewusstsein seiber Selbstlosigkeit, seiner opferbereiten Findigkeit zum Wohle des Gemeinwesens. Woher aber sollen Wohlstand und Fortschritt, Erfüllung allgemeiner, nachdrücklicher Erwartungen sonst kommen? Oder wisse jemand aus dem Dilemma von öffentlichem Anspruch und tatsächlichem Vermögen einen praktikableren Ausweg? Er, Pfister, der verzweifelte, korrekte Sachwalter öffentlicher Ansprüche, sah nur ein Schlupfloch...
Bürgermeister Salvermoser raucht der Kopf! Nicht nur ihm! - Malzachs Einwohner aber sitzen frohgemut im neuen Theater, üben in der schönen neuen Turnhalle den großen Aufschwung am hohen Reck, plätschern im Behagen endlich erreichter Badefreuden, sprinten im stattlichen Stadionneubeu fernen Zielen entgegen und denken natürlich nicht in kühnsten Träumen an Riutte über den Bodensee.
(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Dez. 1978 bis Febr. 1979, Heft 23, herausgegeben vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung)
Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus Aktualisiert am 14.02.2026
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