Depressionen 

1975

 

Filmliste Herbert Vesely

 

  

  

Regie

Herbert Vesely

Drehbuch

Herbert Vesely

Vorlage

Nach dem Tagebuchbericht von Caroline Muhr

Medizinische Beratung

Dr. med. Heinz Lieser: Medizinaldirektor, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, hat während der Dreharbeiten die Produktion fachmännisch beraten. Er war lange Jahre im Nervenkrankenhaus Haar in leitender Stellung tätig.

Redaktion

Willi Segler

Produktion

Intertel Television / ZDF

Kamera

Petrus Schloemp

Musik

Richard Palmer-James

FSK

-

Länge

110 Minuten

Sonstiges

-

FBW-Bewertung

-

Ur-/Erstaufführung

25.07.1975

Genre

Lief im ZDF unter "Das Originalfernsehspiel"

  

  

  

Darsteller

Rolle

Doris Kunstmann

Caroline

Herbert Bötticher Heinz
Alexander May Dr. Hartmann
Günter Meisner Dr. Müller
Herta Staal Frau Müller
Dany Mann Frau Dahn
Peter Capell Professor Penz
Günter Kaufmann
Karlheinz Peters
Dieter Wagner
Bruno W. Pantel
Helga Anders
Maria v.d. Osten-Sacken
Erika Kunstmann
Henry van Lyck

                  

 

 

Inhalt

Die Krankheit stellt sich schleichend ein. Caroline, Anfang dreißig, mit Heinz nicht unglücklich verheiratet, als Mitarbeiterin einer Zeitungsredaktion in einer ihrer Ausbildung angemessenen Position, kann nachts nicht mehr schlafen. Den beruflichen Anforderungen fühlt sie sich nicht mehr gewachsen. Auf ihre Umwelt, deren Aktivitäten ihr zunehmend sinnentleert erscheinen, reagiert sie mit einer ins Krankhafte gesteigerten Sensibilität. Apathie und eine undefinierbare irrationale Angst ergreifen immer mehr von ihr Besitz, werden zur anhaltenden, qualvollen Seelenlage.

Auch ein Brief, der die Rückkehr jenes Mannes in Aussicht stellt, mit dem sie vor Jahren eine stürmische Liebe verband, vermag sie nicht aus ihrem Stimmungstief zu reißen. Umsonst versucht sie, Bilder aus jener glücklichen Zeit in sich wachzurufen. Ihre Gefühle bleiben stumpf und tot. Mit steigender Unruhe registriert Caroline die Veränderungen ihrer Empfindungen, das Fremdwerden aller Interessen und die wachsende Distanz gegenüber vertrauten Personen. Zunehmend stellt sich ihr die Frage, wer hier normal, wer anormal ist. Ist Heinz normal, der beim Anschauen grausiger Fernsehbilder in aller Seelenruhe sein Essen genießt, ist sie anormal, die alles Leiden dieser Welt körperlich mitempfindet?

  

Der biedere Hausarzt meint, dass Wasser, frische Luft und die Natur Caroline wieder aufmuntern könnten. Er empfiehlt eine Kneipp-Kur. Doch der Sanatoriumsaufenthalt erweist sich als Fehlschlag. Weder Wasser, noch frische Luft, noch die Natur zeigen Wirkung; ebensowenig Bemühungen des Hausarztes, den Symptomen, die Caroline zeigt, mit autogenem Training beizukommen.

  

Caroline versucht, sich im nahegelegenen See das Leben zu nehmen. Der Versuch misslingt. Noch ist der Wille zu leben zu stark. Wieder zu Hause. Caroline fühlt keine Besserung. Die Stunden im Redaktionsbüro werden zur Tortur. Zu Hause ein Mann, der sich einmal forciert höflich gibt, dann wieder resignierend verstummt. - Die zufällig und späte Entdeckung von Briefen, die unwiderlegbar beweisen, dass er vor Jahren betrogen worden ist, lassen seine Stimmung in hilflose Wut umschlagen. Zur Krankheit kommt die Ehekrise hinzu.

  

Ein falsches Medikament, einen Krampf der Gesichtsmuskeln auslösend, erzwingt Einweisung in eine Klinik. Caroline fühlt sich sterbenskrank. Dr. Hartmann, der leitende Arzt, versucht es mit einem "Wahrheitsserum" und mit Psychoanalyse. Seine Diagnose: verdrängte Schuldkomplexe, verursacht durch Ehebruch. Caroline widerspricht entschieden. Die Liebesaffäre ist für sie eine abgeschlossene Sache, aus und vorbei.

Ein schlechtes Gewissen hat sie nicht, hat sie nie gehabt. Tief getroffen und menschlich enttäuscht ist sie nur durch das Verhalten von Heinz, der glaubt, sich rächen zu müssen, indem er für seine Firma drei Wochen ins Ausland reist und sie in ihrem elenden Zustand allein lässt. Entlassung aus der Klinik im Gefühl, nach wie vor krank zu sein. Ins Büro braucht sie nicht mehr: Man hat inzwischen ihre Position anderweitig besetzt. Der Hausarzt hat weiterhin optimistische Zukunftsprognosen parat. Den Versuch, Linderung durch Tiefschlaf zu finden, gibt sie rasch wieder auf: mit seiner "Dornröschen-Erwachen-durch-Küssen-Methode" erweist sich der behandelnde Therapeut als allzu modern. 

  

Heinz bringt Caroline zu Professor Penz ins Krankenhaus. Hier wird sie von Kopf bis Fuß auf ein verstecktes Leiden untersucht. Das Ergebnis ist negativ. Sie ist organisch gesund. Es folgt ein zweiter Selbstmordversuch, der dank der Wachsamkeit einer Schwester misslingt. Dann ist sie kurze Zeit wieder zu Hause.

  

An einem neuen Tiefpunkt angelangt, wird ein weiterer Klinikaufenthalt bei Dr. Hartmann fällig. Diesmal setzt unerwartet der Genesungsprozess ein, ebenso unerklärlich wie der Beginn der Krankheit vor zwei Jahren. Carolines Seelenlage stabilisiert sich, gleichzeitig verschwinden die körperlichen Krankheitssymptome. Auf die Ungeheuerlichkeiten dieser Welt reagiert sie nun wieder ebenso gelassen wie alle "Normalen". Nur das Bewusstsein der Vorläufigkeit ihrer Gesundung ist geblieben. 

  

Der Film Depressionen basiert auf dem gleichnamigen, 1979 veröffentlichten Erlebnisbericht der Caroline Muhr (ein von der Verfasserin aus verständlichen Gründen gewähltes Pseudonym). Zwei Jahre lang hat die Autorin des Berichts den Verlauf ihrer Krankheit aus ihrer subjektiven Sicht in Form von Tagebuchnotizen festgehalten. Entstanden ist dabei das eindrucksvolle Dokument einer in Phasen und Schüben abgelaufenen psychischen Krankheit. Entstanden ist eine Krankengeschichte, die nicht wie üblich aus der Perspektive des behandelnden Arztes, sondern - und dies ausschließlich - aus der Perspektive des Patienten geschrieben wurde.

 

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Juni - August 1975, Heft 9, Seiten 28-32, herausgegeben vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Informations- und Presseabteilung)

  

  

  

 

 

 

 


  

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 19. Dezember 2020

  

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