Der aufrechte Gang 

1976

 

Filmliste Christian Ziewer

 

  

 

Regie

Christian Ziewer

Drehbuch

Christian Ziewer

Produktion

WDR / Basisfilm

Kamera

Ulli Heiser

Musik

Erhard Grosskopf

FSK

ab 6 Jahre

Länge

121 Minuten

Filmbesprechung

Filmportal

Ur-/Erstaufführung

19.07.1977 TV

Genre

Politischer Film, Arbeiterfilm

  

  

  

Darsteller

Rolle

Claus Eberth

Dieter Wittkowski

Antje Hagen

Hanna Wittkowski

Wolfgang Liere

Georg Pioch

Walter Prüssing

Opa Wittkowski

Rainer Pigulla

Werner

Matthias Ebert

Andi

Martina Henning

Gabi

Heinz Giese

Horst Pinnow

Rudi Unger

Randolf Kronberg

   

    

     

Inhalt

  

Der Film verfolgt die Ursachen des Scheiterns in einem Arbeitskampf bis in die Privatsphäre; in einem Streik gerät ein unpolitischer Reparaturschlosser, Handwerkersohn, so zwischen die Fronten, dass er seine Lage erkennt und beginnt, sich aufzulehnen: "Ziewers bislang differenziertester Film. Seine Erkundung bundesdeutscher Wirklichkeit... ist von schmerzlicher Ehrlichkeit und entschlägt sich aller agitatorischen Überhöhungen. Hier entwickelt sich ein Genre, das Aufklärung mit Unterhaltung verbindet, ohne eines dem anderen zu opfern" (Heinz Kluncker, Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt). (Quelle: TV-Lexikon von Egon Netenjakob, Fischer Cinema TB Nr. 11947, Frankfurt 1994)  

 

 

Christian Ziewers dritter Spielfilm schildert die privaten Konflikte einer westfälischen Arbeiterfamilie vor dem Hintergrund eines viertägigen Streiks an der Arbeitsstätte des Vaters. Überraschend bei Ziewer: Der Streik ist tatsächlich kaum mehr als bloßer Hintergrund für eine glaubwürdig dargestellte menschliche Krise. Dieter Wittkowski wird in seinem vermeintlich aufrechten Gang zum Stolpern gebracht: Seine Frau will gegen seinen Willen ganztägig arbeiten; die Presse stellt ihn fälschlicherweise als Streikgegner hin; die Lohnforderungen scheitern. Höhepunkt von Wittkowskis Krise und zugleich des Films ist die Geburtstagsfeier seines Vaters im Haus seiner Eltern, wo er aber auch zugleich lernt, wieder auf die Beine zu kommen: Der Schlüssel zum aufrechten Gang ist die aufrichtige Selbstverwirklichung.

(Quelle: Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film 1960 - 1980, Goldmann Verlag München, 1981)

  

  

Der aufrechte Gang schildert vier Tage aus dem Leben des Dieter Wittkowski (Claus Eberth), der aus seinem gewohnten Alltag gedrängt wird und plötzlich seine Identität und seine Moral in Frage gestellt sieht. Zugleich erzählt der Film von Dieters Frau Hanna (Antje Hagen) und von ihrem Versuch, ihre Beziehung zu Dieter zu verändern. Anfangs erscheinen die Ereignisse, mit denen Dieter und Hanna konfrontiert werden, als Zwischenfälle, die aus dem normalen Ehealltag herausgehalten werden können: Da ist Hannas Wunsch, die Konditoreifiliale als Leiterin zu übernehmen, und da ist die Arbeitsniederlegung, der Dieter abwartend und passiv gegenübersteht. Doch der Konflikt zwischen den beiden spitzt sich zu, als Hanna gegenüber Dieter auf ihren Forderungen beharrt. Außerdem wird der Druck der Umwelt immer stärker: Sowohl in ihrer nächsten Verwandtschaft als auch im Betrieb - vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise -wird bedingungslose Anpassung von Dieter und Hanna verlangt. Ihr Versuch, Einsamkeit und Angst zurückzudrängen, scheitert. Übrig bleiben gegenseitige Vorwürfe und Rechtfertigungen. Da begreifen sie, wie sich ihre Wünsche nach Lebensglück verzerrt haben, und sie beginnen, die alltägliche Unterordnung in Frage zu stellen.

(Quelle: Basis-Filmverleih)
   

 

Dieter Wittkowski freut sich auf das Wochenende, als er am Freitagmorgen in der stillen Wohnung sitzt und die Gratulationskarte für das 40jährige Meisterjubiläum des Vaters schreibt. Dass er noch nicht im neuen Wagen mit Hanna und den Kindern bei ihm vorfahren kann, ärgert ihn. Aber nächste Woche, wenn im Betrieb der leidige Streik um eine Teuerungszulage zu Ende sein wird, ist der Wagen fällig. Auch wird er nicht mehr mit Hanna darüber diskutieren müssen, ob sie als Geschäftsführerin die neue Filiale der Konditorei übernehmen soll. Denn recht ist das Dieter nicht. Die Halbtagsarbeit in der Konditorei ist genug, findet er.

Am nächsten Tag ist Dieter als Reparaturschlosser zum Notdienst eingeteilt. Obwohl er während des Streiks nur für die Überwachung der Anlagen da ist,  beugt er sich dem Meister und beginnt, auch Maschinenteile zu reparieren. Da kommt wie zufällig der Betriebsleiter hinzu in Begleitung eines Journalisten, der Dieter zu seinen Ansichten über den Streik befragt und von ihm Fotos macht.

Am Nachmittag zu Hause hört Dieter im Radio, die Werksleitung habe die Verhandlungen abgebrochen und bereits gegebene Zusagen wieder zurückgenommen; auch die Gewerkschaft distanziere sich jetzt eindeutig von dem Streik. Als Hanna das hört, gibt sie dem Streik keine Chance mehr und ist entschlossen, die Konditoreifiliale zu übernehmen.

Dieter hält es zu Hause nicht mehr aus, es treibt ihn zum Werkstor. Dort steht sein Freund Georg Streikposten. Doch der hat anderen im Kopf als Dieters Sorgen zu Hause, spricht von Durchhalten, von der Kraft der Solidarität und will Dieter überreden, aktiv beim Streik mitzumachen. Dieter lehnt ab, er müsse zu einer wichtigen Familienfeier.

Am nächsten Morgen während der Bahnfahrt zur Jubiläumsfeier sieht Dieter ein Foto von sich in der Zeitung; in dem nebenstehenden Artikel ist der Sinn dessen, was er zu dem Journalisten gesagt hat, ins Gegenteil verkehrt. Als ihn bei der Feier die Verwandten geradezu beglückwünschen zu diesen Ansichten, so wie sie in der Zeitung wiedergegeben sind, und niemand seine Einwände hören will, ist er zutiefst verletzt. Nach einem heftigen Streit mit dem Jubilar verlässt er fluchtartig die Feier.

Er fährt zum Werk und verlangt von den Betriebsräten eine Richtigstellung des Zeitungsartikels. Aber niemand hat Zeit für seine Sorgen, Streikbrecher sind ins Werk gelangt und versuchen, die Produktion wieder aufzunehmen.

Spät kommt Dieter nach Hause. Am nächsten Morgen werde er Streikposten stehen. "Denkst Du, ich lass alles mit mir machen!" sagt er zu Hanna. Als sie sieht, was die Entscheidung für ihn bedeutet, sagt sie: "Ich geh morgen früh zum Werkstor!" 

Der nächste Morgen: Aus Angst vor Entlassung und vor weiteren Lohneinbußen sind viele Kollegen bereit, die Arbeit wieder aufzunehmen. Als der Betriebsleiter einzelne Streikposten aufschreiben lässt, wächst die Mutlosigkeit. Georg hält Dieter zurück, als er sich in einem verzweifelten Akt des Widerstands als Streikposten zu erkennen geben will.

Dann marschiert Bereitschaftspolizei auf. - Das ist das Ende.

Doch es ist, als habe Hanna, die stumm dabeigestanden hatte, gerade daraus Mut geschöpft. Dem in ohnmächtiger Wut versunkenen Dieter hält sie ihre Hoffnung auf Menschen entgegen, die sich immer wieder gegen Unterordnung und ängstliche Anpassung auflehnen.

(Quelle: Fernsehspiele Westdeutscher Rundfunk, Ausgabe Juli - Dezember 1976. Herausgeber: WDR-Pressestelle)

 

 
  

 

 

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 31.08.2016

  

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