Chinesisches Roulette 

1976

 

Filmliste Rainer Werner Fassbinder

  

  

     

     

 

Regie

Rainer Werner Fassbinder

Drehbuch

Rainer Werner Fassbinder

Produktion

Albatros / Les Films du Solange, Paris, Michael Fengler

Produktionsleitung

Christian Hohoff

Ausstattung

Peter Müller, Helga Ballhaus, Kurt Raab

Kamera

Michael Ballhaus

Musik

Peer Raben

FSK

ab 16 Jahre

Länge

86 Minuten

Sonstiges

-

Filmbeschreibung

- Filmbesprechung Goethe-Institut

- www.fassbinderfoundation.de

- Weitere Filmbeschreibung bei www.follow-me-now.de mit Filmbildern

Ur-/Erstaufführung

Uraufführung 16.11.76, Paris (Festival)

TV-Ausstrahlung 24.8.1982 / ZDF

Genre

Drama, Beziehung

  

  

Darsteller

Rolle

Margit Carstensen

Ariane

Anna Karina

Irene

Alexander Allerson

Gerhardt

Ulli Lommel

Kolbe

Andrea Schober

Angela

Macha Mèril

Traunitz

Brigitte Mira

Kast

Volker Spengler

Gabriel

Armin Meier

Tankwart

Roland Henschke

Bettler

          

            

Volker Spengler in "Chinesisches Roulette" (Szene 1) - Foto: Einhorn-Film

Szenefoto, im Bild Volker Spengler als Gabriel

(Szenefoto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film

Inhalt

 

Ein wohlhabendes Ehepaar (Alexander Allerson und Margit Carstensen) verabschiedet sich fürs Wochenende, das beide auf Geschäftsreise im Ausland verbringen wollen. Aber auf ihrem gemeinsamen Landsitz treffen sie sich unerwartet wieder, in Begleitung ihrer jeweiligen Liebschaften (Ulli Lommel und Anna Karina). Ihre zwölfjährige körperbehinderte Tochter (Andrea Schober) hat aus Hass über das Doppelspiel ihrer Eltern diese Begegnung arrangiert. Außerdem sind noch die Haushälterin Frau Kast (Brigitte Mira), deren Sohn Gabriel (Volker Spengler) sowie das Kindermädchen Fräulein Traunitz (Macha Méril) anwesend. Man unterhält sich u.a. damit, "Chinesisches Roulette" zu spielen, ein Wahrheitsspiel mit psychischen Revolverkugeln, die schließlich durch richtige Kugeln ersetzt werden.

 

(Quelle: Christian Braad Thomsen: "Rainer Werner Fassbinder - Leben und Werk eines maßlosen Genies", Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Hamburg, 1993, Seiten 162-163, Textübernahme mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

   

  

 

 

 

 

Szene 2 aus "Chinesisches Roulette" - Foto: Einhorn-Film

Szenefoto Chinesisches Roulette, im Bild Anna Karina als Irene

(Szenefoto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film)

 

 

 

 

 

Von ähnlicher Trostlosigkeit (wie Satansbraten) ist Chinesisches Roulette, eine Art humorloses und Un-Bergmansches Sommarnattenes Leende ("Lächeln einer Sommernacht", 1955), worin die an Kinderlähmung leidende Tochter (Andrea Schober) eines wohlhabenden Münchner Paares im Landhaus der Eltern eine heftige Auseinandersetzung zwischen Vater (Alexander Allerson) und Mutter (Margit Carstensen) heraufbeschwört. Beide Eltern sind mit ihren jeweiligen Geliebten (Anna Karina und Ulli Lommel) angereist. Ebenfalls anwesend sind die stumme Gouvernante der Tochter (Macha Méril), die Haushälterin (Brigitte Mira) sowie deren Sohn (Volker Spengler). Die angespannte Atmosphäre aus unterdrücktem Hass, Eifersucht und gegenseitigen Anschuldigungen findet ihre Entsprechung im titelgebenden Partyspiel: Jede Figur muss sich überlegen, welche prominente Position sie während des Naziregimes übernommen hätte, während die übrigen diese erraten müssen. Im entstehenden Durcheinander schießt die Mutter auf die Gouvernante. Unmittelbar danach ist ein zweiter Schuss zu hören, doch in diesem Fall bleibt die Identifizierung von Opfer und Täter der Fantasie des Zuschauers überlassen.

 

Der Film ist eine eiskalte (aber trotzdem eine camp-)Variante des Themas von Whity und lässt sich vielleicht am besten durch den englischen Titel von Fassbinders Aufsatz zu einigen Filmen Chabrols beschreiben: Insects in a glass cage (Der Text wurde für eine von Wolfram Schütte und Peter W. Jansen 1975 herausgegebene Monographie zu Claude Chabrol in der Reihe Film des Hanser Verlages geschrieben.)  Nicht so sardonisch, aber auch weniger arrogant als ein Chabrol-Film, ist Chinesisches Roulette trotz seiner hellen Farben und der präzise gleitenden Kamerabewegungen ein düsterer Film, den man für einen entfernten Verwandten von Buñuels EL ANGEL EXTERMINADOR ("Der Würgeengel", 1962) oder Pasolinis SALO O LE 120 GIORNATE DI SODOMA ("Salò oder Die 120 Tage von Sodom", 1975) halten könnte. Zugleich markiert der Film Fassbinders Anspruch auf einen Platz unter den europäischen auteurs, und die beiden Godard-Schauspielerinnen (Anna Karina, Macha Méril) signalisieren seinen Eintritt ins Geschäft der internationalen Ko-Produktionen.

 

(Quelle: Thomas Elsaesser: "Rainer Werner Fassbinder", Bertz Verlag GbR, Berlin, 2001, Seiten 439-441, Textübernahme mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

  

  

  

 

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

  

   

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 10. Oktober 2020

  

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Die Filmaushangfotos wurden mir freundlicherweise von Einhorn-Film zur Verfügung gestellt.