Brigitte Mira

 

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Brigitte Mira bei Filmportal

  

    

  

  

Brigitte Mira und Harald Juhnke in "Ein lasterhaftes Pärchen" (Foto: Ziegler-Film)

Zwei unvergessene Schauspieler:

Brigitte Mira und Harald Juhnke

 

©Ziegler-Film

Brigitte Mira wurde am 20. April 1910 in Hamburg als Tochter des aus Russland eingewanderten Pianisten Siegfried Mira geboren.

Sie starb am 8. März 2005. Ein Nachruf ist im SPIEGEL zu lesen.

  

Statt Musikpädagogin zu werden, wie es ihre Eltern wünschten, wandte sie sich lieber einer Gesangs- und Ballettausbildung zu. Ihr erstes Engagement erhielt die Elevin bereits Ende der 20er Jahre in Köln, wo sie u.a. die Rolle der Esmeralda in Smetanas "Die verkaufte Braut" spielte. Als Soubrette spielte sie 1930 in der deutschen Erstaufführung von Franz Léhars Operette "Giuditta". Im Alter von 16 Jahren erhielt sie ein Engagement als Sängerin am Stadttheater Bremerhaven sowie in den 30er-Jahren an den Städtischen Bühnen in Graz, am Kieler Stadttheater und am Mellini-Theater in Hannover. Eine neue künstlerische Heimat fand Brigitte Mira 1942 in Berlin. Dort spielte sie am Rose-Theater und am Theater am Schiffbauerdamm. Als Schauspielerin entdeckte sie der Regisseur Eugen York, der mit ihr 1943 ausgerechnet eine propagandistische Kurzfilmserie drehte (Liese und Miese), die als Vorprogramm zu den Wochenschauen lief. Dabei war die "Liese" die 'Gute', die im Sinne der Nazi-Propaganda alles richtig machte. Dagegen machte die "Miese" alles falsch, hörte Feindsender und hortete Lebensmittel. Die Darstellungskunst von Brigitte Mira sorgte jedoch dafür, dass "Miese" beim Publikum mehr Anklang fand als "Liese" - gespielt von Gisela Schlüter, sodass das Propagandaministerium die Serie als kontraproduktiv bald wieder absetzte. (Kursivschrift: Wikipedia)

  

Von Walter Felsenstein wurde sie als Soubrette an die Komische Oper in Ost-Berlin verpflichtet. Zeitweise gehörte sie auch bei Willi Schaeffers dem "Kabarett der Komiker" und den Berliner "Insulanern" an. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm sie wieder Bühnenrollen: am Hebbel-Theater 1945 in der Operette " Pariser Leben", an der Komischen Oper in Ostberlin 1947 in " Die Fledermaus", beide inszeniert von Walter Felsenstein. Hier ist Brigitte Mira zu sehen mit ihrem unvergleichlichem Vilja-Song aus "Die lustige Witwe" von Franz Lehar, gesungen 1996 in der "Bar jeder Vernunft".

 

Ihr Spielfilmdebüt gab Brigitte Mira 1948 in Berliner Ballade (Regie: Robert A. Stemmle). In den 1950er-Jahren war die Schauspielerin aber vorwiegend in Volksstücken und Musicals zu sehen und gab Gastspiele mit der Kabaretttruppe "Die fröhlichen Spötter". Außerdem wirkte sie zunehmend in Spielfilmen mit, in denen sie häufig komische Nebenrollen übernahm, beispielsweise in ...und abends in die Scala (1958), Wehe, wenn sie losgelassen (1958), Du bist wunderbar und Schlag auf Schlag (beide 1959). 
  

Im folgenden Jahrzehnt spielte die Mira sowohl in diversen Operetten und Musicals mit, wurde aber auch regelmäßig als "Soubrette vom Dienst" für Unterhaltungssendungen des Fernsehens verpflichtet. Erste Erfahrungen im Charakterfach machte sie in einer Bühneninszenierung von Thornton Wilders Die Heiratsvermittlerin (1967), in einer TV-Version von Die Marquise von Arcis (bereits 1961) und in Mrs. Cheneys Ende (1965, Regie: Erik Ode).

  

Brigitte Mira

 

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

Im Rahmen der Fallada-Revue Kleiner Mann - was nun?, die Peter Zadek 1972 am Bochumer Schauspielhaus inszeniert hatte wurde sie als Charakterinterpretin entdeckt. Hier lernte sie auch Rainer Werner Fassbinder kennen. Meistens wird der Name Brigitte Mira ja mit beliebten Fernsehserien verbunden, aber durch Fassbinder bekam sie ihre erste große Charakterrolle als alternde Putzfrau Emmi, die den marokkanischen jüngeren Gastarbeiter Ali kennenlernt und ihn entgegen aller Unkenrufe heiratet. Mit dieser Rolle in dem Film Angst essen Seele auf wurde Brigitte Mira, mittlerweile 63 Jahre alt, erstmals als Künstlerin wirklich gefordert. Was auch belohnt wurde, denn für Angst essen Seele auf wurde sie 1974 mit dem "Filmband in Gold" ausgezeichnet.

Weitere Filme mit Fassbinder folgten, wie z.B. Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel (1975), ein politisches Melodram, eine in die Gegenwart transportiertes Mutter Krausens Fahrt ins Glück (1929, Regie: Piel Juzi), "wo Mira eine von persönlichen Schicksalsschlägen getroffene, von den Medien und diversen politischen Richtungen manipulierte "proletarische Frau" verkörpert, die sich bis zuletzt pragmatischen Optimismus und den Glauben an das Gute im Nächsten erhält." *) (Kursivschrift zitiert aus Reclams deutsches Filmlexikon, 1984, von Herbert Holba, Günter Knorr und Peter Spiegel) oder die Döblin-Verfilmung Berlin Alexanderplatz (1980). Die Schauspielerin blieb zwar weiterhin primär dem leichtgewichtigen Fach treu, spielte aber auch zwischendurch ernsthafte Charakterparts, vor allem in Filmen anderer Jungfilmer aus der Fassbinder-Entourage.

   

Brigitte Mira unterschreibt bei einer Autogrammstunde zum Film "Angst essen Seele auf"

 

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

 

Brigitte Mira war fünfmal verheiratet, 1940 heiratete sie den Schauspieler Peter Schütte, eine zweite Ehe mit dem Intendanten Paul Cornelius folgte. Danach war sie mit den Reporter Reinhold Tabatt verheiratet, aus deren Beziehung zwei Söhne stammen. Die vierte Ehe mit einem Ingenieur wurde ebenfalls geschieden. Im Jahre 1974 heiratete Mira den Regisseur Frank Guerente, mit dem sie 25 Jahre lang verheiratet war bis zu seinem Tod im Jahr 1983. Danach war Brigitte Mira gezwungen, sich wieder neu zu orientieren. Aber nach einer gewissen Zeit war sie dann  wieder auf den Bildschirmen zu sehen, in Filmen wie Der Tod kommt durch die Tür (1983) und Im Schatten der Angst oder Serien wie Unternehmen Köpenick (1986). Besonderen Anklang beim Publikum fand ihr Mitwirken in der immer wieder verlängerten Serie Drei Damen vom Grill  (ab 1978). 1988 erschienen unter dem Titel "Brigitte Mira - Kleine Frau - was nun?" die Memoiren der Schauspielerin und Kabarettistin. Trotz ihrer zahlreichen Arbeiten für Film und Fernsehen kehrte die Mira auch in den letzen Jahren immer wieder zu ihrer ersten Liebe - der Theaterbühne - zurück. Hervorzuheben ist auch das Programm, welches "die Mira" mit Helen Vita und Evelyn Künnecke auf die Beine gestellt hat unter dem vielsagenden Programmtitel Drei alte Schachteln, hier gab's Lustiges bis Frivoles auf die Ohren.

 

Letztmalig war sie in Douglas Wolfsbergers Dokumentarfilm War'n Sie schon mal in mich verliebt? zu sehen, der am 9. August 2005 in Locarno seine Uraufführung erlebte. In diesem Film geht es um die Lebensgeschichte des Schauspielers und Operettensängers Max Hansen. Bei Wikipedia ist zu diesem Film zu lesen: "Der Titel zitiert ein Chanson gleichen Namens aus der Feder von Max Hansen. Neben Rundfunkarchivfunden, Filmausschnitten und Forschern wie dem Kabarett-Historiker Volker Kühn kommen Zeitzeugen und Nachfolger zu Wort, zum Beispiel auch die Schauspielerin Brigitte Mira. Der Film erhielt u.a. das FBW-Prädikat „Besonders wertvoll“.

  

Die sympathische Mimin starb im Alter von 94 Jahren und wurde auf dem Luisenfriedhof III in einem Ehrengrab Berlin Westend beerdigt.

  

   

       

Weitere Filme mit Brigitte Mira

  

Titel

Jahr Regie
Du bist wunderbar 1959 Paul Martin

Ich kann nicht länger schweigen

Der Film um den Paragraphen ß 218 verstand sich 1961/62, wenige Jahre vor der Einführung von Kontrazeptiva wie der "Pille", als Diskussionsbeitrag zum Thema und als Plädoyer gegen das Abtreibungsverbot. Die drei geschilderten Fälle stehen für "soziale Indikation" (kinderreich), "ethische Indikation" (Vergewaltigung) und die Gefahren der Kurpfuscherei (Engelmacherin). Fast alle Filme dieser Art blieben im Kino ohne kommerziellen Erfolg. Als Arzt ist der renommierte Schauspieler Charles Regnier zu sehen. (Quelle: Amazon)

1961 Jochen Wiedermann
Im Ballhaus ist Musike 1967 Thomas Engel
Die Zärtlichkeit der Wölfe 1972 Ulli Lommel
Angst essen Seele auf 1973 R. W. Fassbinder
Wie ein Vogel auf dem Draht (Eine Live-Show von RWF für Brigitte Mira >>> YOUTUBE) 1974 R. W. Fassbinder
Jeder für sich und Gott gegen alle 1974 Werner Herzog
1 Berlin Harlem 1974 Lothar Lambert
Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel 1975 R. W. Fassbinder
Jeder stirbt für sich allein 1975 Alfred Vohrer

Die Frau gegenüber

Ein alternder Ehemann wird zum Voyeur und Mörder. Leichtgestrickte Psychokiste.

(Quelle: Lexikon Filme im Fernsehen, Verlag Rasch & Röhring, Hamburg, 1988)

1977 Hans Noever
Derrick (Ein Todesengel) 1979 Alfred Vohrer
Berlin Alexanderplatz 1979 R. W. Fassbinder
Kein Reihenhaus für Robin Hood 1980 Wolf Gremm
Das eine Glück und das andere 1980 Axel Corti
Kamikaze 1989 1982 Wolf Gremm
Einmal Kudamm und zurück 1983 Herbert Ballmann
Ein Fall für zwei (...zum Tode verurteilt)

Hannes Malzer scheint nicht nur auf der Bühne als Darsteller des Othello oder des Danton Tragödien zu durchleben, auch im privaten Bereich des Theaterstars und leichtlebigen Frauenhelden ereignet sich Dramatisches. Die heißkalte Beziehung zu seiner Bühnen- und Lebenspartnerin Paula, die am Ende ihrer Nerven zu sein scheint, der Neid und Hass seiner Kollegen bringen ihn kaum mehr in Bedrängnis. Erst durch Silvia Kosinsky, eine glühende Bewunderin, die zur Vorbereitung einer Seminararbeit über das Regiekonzept seines "Othello" Kontakt zu ihm sucht und findet, gerät Malzer in eine tödliche Verstrickung. Als er sie nach einer Vorstellung mit zu sich nach Hause nimmt und das Gespräch über den aktuellen Bezug der Othello-Inszenierung allzu forsch durch einen Kuss abkürzen will, kommt es zu einem unschönen Zweikampf, an dessen Ende Silvia so unglücklich die Treppe hinunterstürzt, dass sie leblos liegenbleibt. Als Malzer einen Arzt alarmiert und seinem Freund Dr. Renz die Situation vor Ort zeigen will, um alle weiteren Schritte zu überdenken, ist Silvias Körper wie vom Erdboden verschluckt. Matulas Recherchen zum Hintergrund der mysteriösen Angelegenheit werden in Gang gesetzt, weil ein Unbekannter Malzer für das Geschehene offenbar zum Tode verurteilt hat. (Quelle: Odeon Film)

1987 Hartmut Griesmayr
Klippen des Todes 1992 Wolf Gremm
Für mich gab's nur noch Fassbinder 2000 Rosa von Praunheim
Cafe Scandal 1992 Hans Henning Borgelt

  

  

 

 

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 12. Oktober 2017

 

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