Maria Morzeck

1976

 

Filmliste Horst Flick

 

  

  

Regie ................................

Horst Flick

Drehbuch ..........................

Johannes Hendrich

Regie-Assistent ..................

-

Produktion .........................

Ufa Fernsehproduktion

Kamera .............................

Rolf Deppe

Ur-/Erstaufführung

11. Juni 1976

Genre

Fernsehspiel, Drama

      

  

         

Darsteller Rolle

Nora von Collande ...............

Maria

Charles Brauer ....................

Paul Deister

Erna Haffner ...................... Tante Hete
Gerhard Hesse .................... Dieter
Luitgard Im ........................ Frau Deister
Dagmar Biener .................... Edith
Rebecca Völz ..................... Brigitte
Manfred Guttke .................. Ulli
Klaus Sonnenschein ............. Direktor
Günter Kieslich .................... Kleeberg
Rudi Schmitt ...................... Oscar
Ursula Diestel ..................... Effi
Gerhard Schinschke ............. 2. Leutnant
Manfred Günther ................. 1. Leutnant

                

  

Inhalt

Die junge Maria Morzeck lebt am Oranienburger Tor, Ost-Berlin. Kess, heutig, spröde - ist sie unbeschadet der soeben errichteten Mauer wie eh und je "Mutters Beste" (Tucholsky), ewige Berlinerin.

Wegen der Übertragung einer mitgeschnittenen Adenauer-Rede im Betriebsfunk wird Marias Bruder zu vier Jahren Haft verurteilt. Sie darf nicht studieren, wird Servierhelferin im "Treff". Hier lernt sie den verheirateten Paul Deister kennen, den Mann, der als Richter das verhasste Urteil fällte. Er bemüht sich um Maria. Sie weist ihn nicht ab, hofft für ihren Bruder Haftverkürzung zu erwirken...

Obwohl Maria Morzeck keine streng authentische Figur ist, trägt die Zeichnung des deutschen Alltags in der DDR historische Züge. Es ist die Notierung jenes vorsichtigen Optimismus nach dem Mauerbau, da die Kritiker innerhalb des nun geschlossenen Hauses DDR (Havemann, Hacks, Müller u.a.) hofften, offensichtliche Fehler im Staatsaufbau "unter sich" korrigieren und beengenden Dogmatismus abbauen zu können.

(Nicolaus Richter, Redaktion)

  

Der Regisseur über den Stoff:

Noch während der Dreharbeiten zeigte mir ein Journalist seinen Artikel zum Dokumentarspiel "Maria Morzeck". Es war die ausführliche Beschreibung der Exposition: Warum der Bruder Marias zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Die Begegnung des Mädchens mit dem Richter ihres Bruders und ihre komplexen Beziehungen zueinander wurden dann in ein paar Sätzen abgehandelt.

Ich machte darauf aufmerksam, dass er damit die Thematik verlagert habe. Sowohl im Roman als auch in der von Johannes Hendrich erarbeiteten Fernsehfassung liege der Schwerpunkt im Spannungsverhältnis Maria - Richter Deister und ergebe sich vor allem aus den Widersprüchen im Charakter und im Verhalten Deisters. Die Geschichte des Bruders sei der äußere Anlass, der die Story lokalisiert. Mit anderem Ausgangspunkt könne dieser Konflikt in jedem beliebigen Land spielen. Das solle aber keineswegs heißen, dass wir uns um den gegebenen politischen Hintergrund herumdrücken würden. Die Antwort des Journalisten: Das zu schreiben, sei in einem Zeitungsartikel viel zu kompliziert. Vielleicht hatte er sogar recht, denn die meisten Pressebesprechungen schilderten die Geschichte später nicht viel anders.

Dabei war es gerade das "komplizierte" Verhalten der beiden zueinander und vor allem die Figur Paul Deister, die mich an diesem Stoff gereizt hatten. Maria ist das außergewöhnlich sympathische und geradlinige junge Mädchen. Ihre Begegnung mit Deister und ihre Enttäuschung wird sie nicht einfach vergessen können. Aber mit der ihr eigenen Energie, ihrem ausgeprägten Realitätssinn wird sie sich wieder fangen und aus ihrem Leben das Bestmögliche machen. Anders bei Paul Deister, der diese Eigenschaften Marias so bewundert, weil sie ihm selbst fehlen. Einer seine Freunde beschreibt ihn Maria gegenüber so: "Er ist nicht identisch, weder mit sich, noch mit der Sache (die er vertritt). Er ist nicht zu sich selbst gekommen. Er ist unglücklich." "Und weiß er daß?" fragt Maria. "Wenn er das wüsste, müsste er sich umbringen."

Die unterschiedlichen Schattierungen dieses Charakters hat Manfred Bieler in seinem Roman Schicht für Schicht aufgedeckt. Diesen Vorgang weitestmöglich zu übernehmen, erschien mir bestimmend für die Fernsehkonzeption. Bielers Reaktion darauf unmittelbar nach der Sendung: "So wie du das Stück inszeniert hast, müsste es eigentlich "Paul Deister" heißen." ... Bieler war der Meinung, kein anderes Buch für das Fernsehen entwickeln zu können, nachdem er 1964 bereits für die DEFA ein Szenarium geschrieben hatte. Kurt Maetzig, damals einer der prominentesten DDR-Regisseure, hatte die Geschichte verfilmt. Aber eines der Kulturtiefs dort verhinderte, dass sowohl der Film als auch die Romanvorlage Das Kaninchen bin ich in die Öffentlichkeit kamen. 

Sicher, inzwischen ist die Geschichte 13 Jahre alt. Aus dem aktuellen Bezug ist fast schon ein historischer Vorgang geworden. Auch darum hat Manfred Bieler wohl vor einigen Jahren sein "Kaninchen" noch einmal überarbeitet und es dann Maria Morzeck genannt.

Horst Flick

  

(Quelle: Broschüre Das Fernsehspiel im ZDF, Information und Presse/Öffentlichkeitsarbeit, Heft 17, Juni-August 1977)

 

 

 

 

  

  


  

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 20. Mai 2016

  

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