Kaddisch nach einem Lebenden 1969
Inhalt Peri,
ein Mann mittleren Alters, geht durch die Straßen von Tel Aviv. Er kommt von
der Arbeit, geht nach Hause, und als er sich unterwegs für den Schabbat einen
Fisch kauft, fällt ihm plötzlich Bach ein - jener Bach, mit dem er vor vielen
Jahren in Deutschland im KZ war. Wo ist er, gibt es ihn noch? Peri hatte ihn
fast vergessen, den komischen, linkischen Bach, der sich nicht anpassen konnte
und nicht anpassen wollte, Bach, den Unglücksraben. In
einem Café trifft Peri den alten Gurfinkel wieder, auch ein Leidensgenosse aus
der schrecklichen Zeit. Gurfinkel, Neueinwanderer in Israel, versucht gerade,
sich in Tel Aviv ein Geschäft aufzubauen. Halb widerstrebend lässt er sich von
Peri in die gemeinsamen Erinnerungen und die Frage nach Bach hineinziehen. Aber
niemand weiß Genaues über Bach. Ein vager Hinweis führt zu einem außerhalb
der Stadt gelegenen Irrenhaus. Aber auch diese Fahrt, die Peri mit Gurfinkel
unternimmt, ist vergebens. Überdeutlich dagegen ist der Bach der Erinnerung,
des Lagers: Der singende, träumende, Steine schleppende, geschlagene,
getretene, verlachte, halsstarrige Bach, der fast alles falsch machte - oder
richtig? Alles richtig? Bach hat überlebt. An einer Straßenecke in Tel Aviv
ist er zu gewissen Zeiten zuverlässig zu finden. Sanft und töricht wie eh und
je steht er da, ein Ölkännchen in der Hand, um den vorbeikommenden jungen Müttern
den Kinderwagen zu ölen.
Fremde Links: www.bayerischesstaatsschauspiel.de (über Rudolf Wessely)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 06/2010 |