Mitläufer 1984/85
Inhalt
Mischung
aus Wochenschaufragmenten und Spielfilmszenen, die den Alltag einfacher
Menschen im Dritten Reich porträtieren soll. Der bemerkenswerte Versuch, sich
der Wirklichkeit aufklärerisch zu nähern, überzeugt in der Montage und
Kommentierung, während die Spielfilmszenen nur bedingt die Abhängigkeit der
Menschen vom "alltäglichen Faschismus" verdeutlichen. Insgesamt
jedoch beeindruckend und zur Diskussion anregend. (...
schreibt das Lexikon
des Internationalen Films - CD-ROM) Zehn Episoden zeigen Verhaltensweisen von Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus auf und geben dem Zuschauer die Möglichkeit, eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen.
"Der Brand": Eine Arbeiterfrau ist froh, dass ihr Mann nicht "organisiert" ist. Arzt und Jurist diskutieren, ob sie bald zwischen "braunem" und "rotem" Blinddarm unterscheiden müssen.
"Der Zug der Zeit": Ein Landwirt erklärt, dass es opportun sei, in die Reiter-SA einzutreten. Seine Verlobte versucht ihn davon abzuhalten.
"Der Zinnsoldat": Ein am Boykott jüdischer Geschäfte beteiligter SA-Mann belehrt seine Familie, dass man im Dienst nicht als Mensch handele, sondern seine Pflicht erfülle.
"Nachhilfe-Unterricht": Ein Oberamtsgerichtsrat "erklärt" einem Untergebenen, dass man am 1. Mai mitzumarschieren habe, statt Hausmusik zu treiben.
"Mit der Zeit gehen": Eine Putzfrau wird nach der Reichskristallnacht aufgefordert, nicht mehr bei Juden den Dreck wegzuräumen.
"In der Schlange": Zwei Hausfrauen sprechen über eine Nachbarin, die wegen Abhörens des Feindsenders verschwunden ist bzw. abgeholt wurde.
"Trauer": Eltern formulieren die Todesanzeige für den gefallenen Sohn. Die Frau zweifelt an den gängigen Formulierungen.
"Humor": Ein "Volksgenosse" muntert im Luftschutzkeller die anderen mit Alkohol und Witzen auf und erregt das Missfallen des Luftschutzwartes.
"Der Eisenbahner": Ein Lokführer verdirbt die Weihnachtsstimmung, als er seiner Frau erzählt, dass er KZ-Transporte fährt.
"Der Eid": Zwei blutjunge Soldaten (Schüler) überlegen in den letzten Kriegstagen, was die Vereidigung für sie bedeutet und wie sie sich ihr entziehen können.
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: August 2010
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