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W i r 1982
Regie: Vojtech Jasny Drehbuch: Claus Hubalek (nach dem Roman Wir oder das Ende der Utopie von Jewgenij Samjatin) Produktion: Windrose, Hamburg Musik: Jan Nowak Kamera: Norbert Zinka, Martin Strauß Redaktion: Nikolaus Richter Genre: Fernsehfilm
Inhalt Mit Abscheu betrachtet D-503 seinen Handrücken - unübersehbar zieht sich ein leichter Flor dunkler kleiner Härchen hinauf bis zu den Armen. "Fell" hätte man früher dazu gesagt. Jetzt - gegen ende des klinisch zivilisierten dritten Jahrtausends - wirkt es wie ein "wildes Echo der Affen". Die alte Natur hat nicht irgend jemanden befallen: D-503 ist Erfinder des ersten intergalaktischen Raumschiffes Integral, dessen Probeflug unmittelbar bevorsteht. Er ist ein Exponent jener neuen Klasse Mensch im Einzigen Staat, der glänzend aus dem Chaos des hundertjährigen Krieges hervorgegangen ist. Unter dem Joch des großen Wohltäters huldigt man dem Prinzip der Zahl. Man ist eine Nummer. Man trägt sich aufgestickt über der Brust. Man wohnt in Glas, jenem politischen neuen Rohstoff, der nicht verbirgt und die Gemeinsamkeit weithin sichtbar macht - schlafen, lesen, essen, arbeiten nach Minutenplan. Die Krankheit nimmt rapide zu. D-503 missfällt der vorgeschriebene Partner für den wöchentlichen Geschlechtstag. Bei den täglichen Taylor-Exerzitien auf dem Platz des Gläsernen Würfels hat ihn eine gewisse I-330 gegen alle Vernunft in ihren Bann gezogen. "Bei Ihnen hat sich das gebildet, was man früher eine Seele genannt hat", sagt der Arzt. Fast Marionette an ihren Fäden, verführt sie den Erfinder zu Liebe und Empfindung. Ort dieser frevlerischen Handlungen wird das "Alte Haus", eine Villa aus dem neunzehnten Jahrhundert, die man als abschreckendes Beispiel für individualistischen Bau- und Lebensstil unter einer Glasglocke konserviert hat.
Was bezweckt die exzentrische I-330? Sie ergibt sich verbotenen Stimulanzien - Rauchtabak und giftfarbenem Likör. Auffällig ist ihre Frage nach dem Start des Raumschiffes Integral, dessen Sternenflug die Dimensionen des Einzigen Staates vergrößern wird. Im Tiefkeller des Alten Hauses schließlich folgt D-503 einem gewundenen Gang. Am Ende eine stählerne Tür. Verschlossen. Doch der Spion gibt den Blick nach draußen frei. Man sieht: Für Fossilien gehaltene Menschen im Kostüm des Neunzehnten Jahrhunderts. Sie essen, was und wie sie wollen, trinken, Musik erklingt. In der Luft zwitschern tatsächlich noch Vögel... Als sich die schöne I-330 ohne Zeichen von Abscheu unter das barbarische Gesindel mischt, fällt es D-503 wie Schuppen von den Augen: Sie paktiert mit den Waldmenschen. Rebellion! Der Einzige Staat ist in Gefahr. D-503 sollte handeln, bevor die Krankheit völlig von ihm Besitz ergriffen hat... (Quelle: Das Fernsehspiel im ZDF, Information und Presse/Öffentlichkeitsarbeit, Heft 35, Dezember 1981 bis Februar 1982)
Gegenstand
des Romans von Jewgeni Samjatin ist die düstere Zukunftsvision einer
kollektivistischen, mechanischen Zivilisation, welche die Menschen um des »Glücks«
willen ihrer individuellen Freiheit beraubt. Das allgemeine Glück soll durch
maximale Gleichschaltung der Menschen erreicht werden, da völlige Gleichheit
den Neid als Quelle des Unglücks abschaffe; ein weiteres Hindernis auf dem Weg
zum »hundertprozentigen Glück« ist die irrationale Fantasie der Menschen –
erst ihre Beseitigung werde die Individuen endgültig in restlos glückliche »menschenähnliche
Traktoren« verwandeln. Zuweilen als Pamphlet gegen die sozialistische
Gesellschaft gedeutet, zielt der Roman wesentlich tiefer – es geht um die
Gefahr, die von jedem totalitären System ausgeht.
Fremde Links: www.agentur-huebchen.de (Sabine von Maydell) www.steffi-line.de (Dieter Laser) www.steffi-line.de (Heinz Moog) www.steffi-line.de (Gert Haucke) www.felix-bloch-erben.de (Claus Hubalek)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: August 2010 |