Berliner Antigone 1968
Inhalt "Die Angeklagte hat in der Nacht vom 20. zum 21. Mai 1943 den zur Bestattung nicht freizugebenden, sondern gem. Führererlass vom 3. September 1942 der hiesigen Anatomie zu gemeinnütziger Verwertung zu überstellenden Leichnam ihres wegen Wehrkraftzersetzung hingerichteten Bruders aus dem Leichenkeller der Anatomie entwendet und an unbekannter Stelle begraben. Sie hat hierbei unter verschwörerischer Inanspruchnahme fremder Hilfe gehandelt und sich schmählich die Verdunkelung, die Luftschutzmaßnahmen der Universitätsverwaltung und die durch einen feigen Terrorangriff des Feindes entstandene Verwirrung zunutze gemacht." Diese Urteilsbegründung erzählt bereits die Handlung die Handlung des Fernsehspiels BERLINER ANTIGONE, das Leopold Ahlsen nach Rolf Hochhuths zeitgenössischer Paraphrase auf den klassischen Antigone-Stoff schrieb. *****
Das Geschehen des Spiels beginnt in dem Augenblick, in dem Anne, noch das Todesurteil im Ohr, zur Zelle geführt wird, und reicht bis zum Abend vor der Vollstreckung. Dazwischen wird in gedanklichen Impressionen und Partikeln die Vorgeschichte, immer subjektiv von der Angeklagten erlebt, wiedergegeben. Ahlsen arbeitet mit Montagen von Bewusstseins- und Erinnerungsfetzen; er hebt die Kontinuität der Zeit fast völlig auf, verzahnt Vergangenes mit Gegenwärtigem und Zukünftigem. Durch diesen Kunstgriff und den Verzicht, das Geschehen aus dem Blickwinkel des objektiven Beobachters zu zeigen, gelingt ihm eine erstaunliche seelische Demaskierung der weiblichen Hauptfigur.
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Anne Hofmann, die "Berliner Antigone", wurde zum Tode verurteilt, weil sie gegen die Anordnungen der Nazis gehandelt hatte. Mut, Bekenntnis, Hilfsbereitschaft, Ungehorsam und schließlich Sabotage - es gibt vielfältige Motive, die einzelne oder Gruppen in die Opposition geraten ließen oder gar in den Widerstand gegen das nationalsouialistische Regime. Was veranlasste damals einen Menschen, sein leben aufs Spiel zu setzen? "Warum habt ihr Hitler widerstanden?" - unter diesem Titel gehen Guido Knopp und Ralf Piechowiak auf die Suche nach dem anderen Deutschland. Ihre Dokumentation zeigt das ZDF in der Reihe "Von Weimar nach Bonn" am 14. Februar, einen Tag vor diesem Fernsehspiel.
(Quelle: Broschüre "Spiel im ZDF", Heft 2, Februar 1989, ©1989 by Zweites Deutsches Fernsehen, Information und Presse / Öffentlichkeitsarbeit, Mainz)
Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus Aktualisiert am 1. November 2026
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