Jean Marie Straub

Regisseur  Drehbuchautor

   

Seine Biografie

      

  

  

 

 

 

 

Bräutigam, die Komödiantin und der Zuhälter, Der ... R, DA, 1968

"Auf Einladung von Fassbinder hatte Straub am Münchner Action-Theater eine stark kondensierte Fassung von Ferdinand Bruckners Theaterstück «Krankheit der Jugend» inszeniert. Davon ausgehend entstand ein Kurzfilm mit einigen Szenen, die Straub in und um München drehte und die die Figuren sozusagen ins Freie weiterführten. Es ist ein «Film-Film» mit dokumentarischer Eingangsfahrt, richtiger Verfolgungsjagd und dem einzigen Mord in den Filmen Straub/Huillets. Und der ist ein ungeheurer und zärtlicher Befreiungsakt. --- Es beginnt wie ein Roman von Pavese. Nur noch lyrischer und noch hoffnungsloser (wenn das überhaupt möglich ist). Dann kommt die kleine Inszenierung, und deshalb wollte ich diesen Film wiedersehen, wegen dieser kleinen Inszenierung, die der Inszenierung in meinem Film Le Révélateur gleicht. Jean-Marie Straub war 1968 in München, um diesen Film zu drehen. Ich war in München wegen Le Révélateur, den ich 1968 drehte. Wir filmten dieselbe Szene, eine Darstellung dessen, was es bedeutet, auf einer Bühne zu leben, am anderen Ende eines Zuschauerraums, auf einem kleinen Podium, in Deutschland. Auf dieser Bühne filmt Straub zuerst zwei junge Frauen. Dann tritt Fassbinder auf. Und an dieser Stelle muss ich erwähnen, dass das Wiedersehen mit dem Phantom Fassbinders auf der schwarzweißen Leinwand mir einen Schlag in die Magengrube versetzte. Fassbinder, den ich Anfang der siebziger Jahre in Rotterdam gesehen hatte, der ein Held des Kinos ist, dem es gelang, innerhalb weniger Jahre ein Werk, bestehend aus einer beträchtlichen Anzahl von Filmen, zu schaffen, Fassbinder, der sich während dieser Jahre in eine wahre Filmproduktionsmaschine verwandelte, bis der Tod ihn am Ende seiner Jugend hinwegraffte. Ich kam einfach nicht hinter das Geheimnis von Fassbinders Arbeitstempo. Voilà. Fassbinder ist auf der Leinwand und spielt den Zuhälter der beiden Frauen, danach verlassen wir das kleine Theater. In München, bei Nacht, in Schwarzweiß wird ein Mann von Fassbinder verfolgt, ein Schwarzer, es gelingt ihm zu entkommen." (Viennale-Katalog 2004)

   

 

Chronik der Anna Magdalena Bach, Die ... R, 1967, 94 Minuten

Künstlerportrait über die letzten 27 Jahre Johann Sebastian Bachs mit Betonung auf dessen Arbeit als Musiker. Der Film zeichnet nicht nur ein sehr subjektives, eigenwilliges Bach-Bild, er bietet darüber hinaus das subtile Schicksal einer Frau, die sich ganz dem Leben des genialen Mannes unterordnet.  

"Die Chronik spricht über den täglichen Kampf des Komponisten Bach um seine Arbeit, sein Brot, seine Familie. Menschen bei der Arbeit, beim Singen, beim Nähen. Der Film macht musikalische Materie sichtbar und hörbar, Geschichte spürbar und begreifbar, nicht durch Rekonstruktion, sondern durch Konstruktion, indem er Texte, Körper, Räume in Schwingung versetzt und in Kollision bringt. Die Chronik ist ein materialistischer, mystischer und revolutionärer Film.  Ausgangspunkt für unsere Chronik der Anna Magdalena Bach war die Idee, einen Film zu versuchen, in dem man Musik nicht als Begleitung, auch nicht als Kommentar, sondern als ästhetische Materie benutzt. Ich hatte keine wirklichen Vorbilder. Nur vielleicht als Parallele: was Bresson in Das Tagebuch eines Landpfarrers mit einem literarischen Text gemacht hat. Konkret, könnte man sagen, wollten wir versuchen, Musik auf die Leinwand zu bringen, den Leuten, die ins Kino gehen, einmal Musik zu zeigen. Parallel mit diesem Aspekt ging der Wunsch, eine Liebesgeschichte zu zeigen, wie man sie noch nicht kennt. Eine Frau erzählt von ihrem Mann, den sie geliebt hat, bis zu dessen Tode. Da ist zunächst die Geschichte. Die Frau steht da und kann weiter nichts tun als dazusein für den Mann, den sie liebt, egal, was ihm passiert und welche Schwierigkeiten er hat. Sie erzählt, wieviele Kinder sie gehabt haben sie haben dreizehn Kinder zusammen bekommen , was aus ihnen geworden ist, wieviele gestorben sind und so weiter. Also da ist zunächst ihre Geschichte; dann fixiert ihr Bericht aber auch einen Außenpunkt. Man kann keine Biografie schreiben, keine Kinemato-Biografie, ohne dass man einen Außenpunkt hat, und dieser Außenpunkt ist eben das Bewusstsein der Anna Magdalena." (Viennale-Katalog 2004)
  

     

Geschichtsunterricht ... R, 1972 , Kunstfilm. 90 Min., s/w. 

          
 

Klassenverhältnisse ... R zusammen mit Danièle Huillet, 1983, 26 Minuten, DA: Harun Farocki, Kamera: Ingo Kratisch

Im frühen 20. Jahrhundert wandert der junge Karl in die USA aus. Ein reicher Onkel nimmt ihn unter seine Fittiche. Dennoch scheitert der naive Karl an den ungeschriebenen sozialen Gesetzen, die das Leben in der Fremde bestimmen... Literaturverfilmung. Nach Kafkas Romanfragment "Amerika".

Jean-Marie Straub und Danièle Huillet bei der Arbeit an einem Film nach Franz Kafkas Romanfragment ... 

Darsteller: Christian Heinisch, Mario Adorf, Anne Bold, Harun Farocki, Manfred Blank, Alfred Edel, Laura Betti, Klaus Traube, Libgart Schwarz

      

  

Machorka-Muff ... R, 1962

Der Film entstand nach Heinrich Bölls satirischer Erzählung "Hauptstädtisches Journal" von 1956 als eine "Absage an die Remilitarisierung der BRD".

  

  

Moses und Aaron ... R, 1975, 110 Minuten

Filmoper. Den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und die Auseinandersetzungen zwischen Moses und Aaron um die Verkündigung des einzigen Gottes thematisiert dieses formal strenge Werk der Avantgarde nach einer Oper von Arnold Schönberg.

  

 

Nicht versöhnt oder: Es hilft nur Gewalt, wo Gewalt herrscht

Im Nachkriegsdeutschland der Adenauer-Ära trifft ein Mann Freunde aus dem Krieg wieder; unbequemer Antiverdrän­gungsfilm nach Heinrich Bölls Roman "Billard um halb zehn". Formal außergewöhnlich.

Darsteller: Henning Harmsen, Karlheinz Hargesheimer, Ulrich von Thüna

  

  

  

  

 

 

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Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: August 2011

 

Die o.g. Filmliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit