Heiner Carow

Regisseur, Drehbuchautor

  

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Matthias Freihof (li.) und Heiner Carow bei

Dreharbeiten zum Film "Coming Out"

 

Foto: DEFA/Günter Linke

(mit freundl. Erlaubnis des Schauspielers Matthias Freihof)

  

  

Geboren 19. September 1929 in Rostock.

Gestorben 31. Januar 1997 in Berlin.

 

Bereits während seiner Schulzeit wirkte Heiner Carow in einem Jugendtheater mit. Abitur in Rostock. Im Alter von 21 Jahren besuchte er die Regieklasse des Nachwuchsstudios der DEFA in Ost-Berlin. Danach war er Requisiteur im DEFA-Studio für populär-wissenschaftliche Filme.

  

Seine späteren Lehrer waren Gerhard Klein und Slatan Dudow. 1952 drehte er seinen Debütfilm: Bauern erfüllen den Plan (über die Schweinemast) und arbeitete anschließend im DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme. Mit dem  Kameramann Helmut Bergmann drehte er weitere Kurzfilme. 1956 wechselte er in das DEFA-Studio für Spielfilme. Dort verfasste er auch Drehbücher und führte Regie. Carow wurde Mitglied der DEFA-Gruppe "Berlin". Mit den Autoren Wera und Claus Küchenmeister entstand 1958 der Jugendfilm, der den Antifaschismus thematisiert: Sie nannten ihn Amigo 

  

1965 und 1966 dreht Heiner Carow Jeder hat seine Geschichte und den wunderschönen Film Die Reise nach Sundevit, der die Geschichte eines Jungen, Sohn eines Leuchtturmwärters, der endlich aus der Einsamkeit herauskommt und Ferien in eine Gruppe mit seinesgleichen machen darf, erzählt. 1968 entsteht der Film Die Russen kommen. Die Geschichte eines Hitlerjungen, der dazu angestiftet wird, einen gleichaltrigen Russen, der der Zwangsarbeit entfliehen konnte, zu jagen und aufzuspüren. Der Film wird von der DDR-Führung nicht zugelassen, er wurde als Provokation angesehen und verschwand erst einmal für 20 Jahre im Giftschrank. 1987 erst wird eine kaum noch zu reparierende Kopie restauriert und herausgegeben. 

 

Ikarus, 1975 gedreht, ist einer seiner gelungensten Kinderfilme: Mathias, 8 Jahre alt, träumt davon, Pilot zu werden und dass seine geschiedenen Eltern wieder zusammenkommen. Als sein Vater nicht zu seinem Geburtstag kommt, begibt er sich allein auf Abenteuer und kommt zu der Erkenntnis, dass Ikarus nicht abgestürzt ist, weil er nicht auf seinen Vater hörte, sondern weil der ihn vergessen hat.  

  

Anfang der 70er Jahre legte Heiner Carow seinen erfolgreichsten Film vor. Nach dem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf entsteht Die Legende von Paul und Paula (1973) (>>> dazu eine Rezension der Filmzentrale). Erzählt wird die Geschichte der alleinerziehenden Verkäuferin Paula, die sich in den beruflich erfolgreichen Paul verliebt. Dem Regisseur gelingt ein unterhaltsamer, komisch wie tragischer Film, der soziale Wirklichkeit und poetischen Traum gekonnt miteinander verbindet. Schauspielerisch überzeugen Angelica Domröse und Winfried Glatzeder. In der Presse der DDR kommt es zu heftigen Diskussionen um den Film, drei Millionen Besucher sind begeistert. Der Film gilt als der erfolgreichste der DEFA-Geschichte.  

"Die Verfilmung von Grimmelshausens Simplicissimus, des von Franz Fühmann adaptierten Romans aus dem Dreißigjährigen Krieg, sollte der große historische Spiegel von all dem werden, das der DEFA-Regisseur auf direktere Weise nicht sagen mochte. Es wäre zuviel zu behaupten, dass die Funktionäre den Film verhindern wollten. Er interessierte sie einfach nicht, weil die Rettung der Ideologie, und da gab es genug zu tun, für sie immer höher stand als die Darstellung des einzelnen, in die Wellentäler der Geschichte geworfenen Menschen." (Quelle: Zitiert aus tagesspiegel.de - Hans-Jörg Rother, 01.09.99)

   

Ein Publikumserfolg wurde auch Bis dass der Tod euch scheidet (1977/78), der dramatisch die Entwicklung einer jungen Ehe zeigt, in der eine Verkäuferin auf die Brutalität ihres Mannes nur mit einem Mordversuch reagieren kann. Großartig hier Katrin Saß.

   

Mit dem Film Coming Out brach Heiner Carow mit einem in der DDR bestehenden Tabu: Homosexualität. Es geht um die Geschichte eines Lehrers, der mit seiner bisher sicheren Welt als Lehrer bricht und sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. Premiere des Films ist der Tag des Mauerfalls am 9. November 1989. Für diesen Film wird Heiner Carow der Silberne Bär verliehen.

  

Carow war ab 1977 im Präsidium des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR und 1982-1991 Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR. 1996 kurzzeitig Direktor der Abteilung Film und Medienkünste Berlin (West).

Neben seiner eigenen Filmarbeit war der Regisseur auch an anderen Projekten beteiligt. Er wurde als künstlerischer Berater tätig bei Pugowitza (1980) von Jürgen Brauer; bei Regie-Kollegen trat er auch als Darsteller auf. Am Theater in Rostock inszenierte er Stücke von Rolf Hochhuth und Rainer Kerndl. Für das Fernsehen arbeitete der Regisseur ebenfalls, aber erst in den 90er-Jahren vorrangig für das Fernsehen. Er drehte Teile von TV-Serien, unter anderem Großstadtrevier und Kanzlei Bürger.  

 

Seit 1954 war Heiner Carow mit der Schnittmeisterin Evelyn Carow verheiratet, das Paar hatte zwei Kinder.

 

Sein Tod kam überraschend am 31. Januar 1997.

(Quelle: Kleinere Textauszüge aus der Webseite www.filmtage-merseburg.de)

   

 

Auszeichnungen:

1959 und 1967 Heinrich-Greif-Preis

1980 Nationalpreis

1988 für Die Russen kommen mit dem Regiepreis beim 5. Nationalen Spielfilmfestival der DDR

1989 mit dem Deutschen Kritikerpreis

1990 für den Film Coming Out mit dem Silbernen Bären auf der Berlinale 1990

1990 Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste

1990 Regiepreis auf dem Nationalen Spielfilmfestival der DDR

  

 

NEU - NEU - NEU  vom 7. November 2012:

Die in Berlin ansässige DEFA-Stiftung verleiht ab 2013 während der Berlinale, die vom 7. - 17. Februar stattfindet, den neu geschaffenen Heiner-Carow-Preis. Ausgezeichnet wird ein deutscher Spiel-, Dokumentar- oder Essayfilm aus der Sektion Panorama. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Über die Vergabe entscheidet eine dreiköpfige Jury. Mit dem Preis erinnert die DEFA-Stiftung an den Filmregisseur Heiner Carow (1929-1997), der in den Babelsberger DEFA-Studios unter anderem Filme wie Sie nannten ihn Amigo (1959), Die Russen kommen (1968), Die Legende von Paul und Paula (1973), Ikarus (1976), Bis dass der Tod Euch scheidet (1979) und Coming out (1989) inszenierte. Für Coming Out erhielt er im Februar 1990 den Silbernen Bären im Berlinale-Wettbewerb. (Quelle: DEFA-Stiftung)

  

 

  

Die Trauerfeier für Heiner Carow im Studio Babelsberg

(Quelle: Berlin Zeitung online, 22.02.1997, Ralf Schenk - mit seiner freundl. Erlaubnis)

  

  

"Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt, sagt die Welt, dass er zu früh geht" - vielleicht ist das Lied aus der Legende von Paul und Paula der berührendste Song gewesen, der je in einem DEFA-Film zu hören war. Gestern Vormittag erklang er noch einmal, im Saal des Babelsberger Studiokinos, während der Trauerfeier für Heiner Carow.

Gekommen waren Freunde und Kollegen, Schauspielerinnen und Schauspieler, Autoren, Kameraleute, Regisseure, Schnittmeisterinnen. Angelica Domröse, die legendäre Paula, fasste zusammen, was viele fühlten: Trauer ist die Fortsetzung von Liebe. Kräftig sei Carow gewesen, jungenhaft, eine Eigenschaft, die jenes produktives Chaos bedingte, in dem er seine Filme drehte. Ulrich Plenzdorf erinnerte an gemeinsame Projekte, gedrehte und ungedrehte: Was hätten wir nicht alles unternehmen sollen, um unsere verhinderten Stoffe doch durchzuboxen, schreien, in den Hungerstreik treten?

Ein Babelsberger Rechtsanwalt, Nachbar und Freund der Familie, versuchte die Borniertheit zu beschreiben, mit der die Obrigkeit in Carow’sche Stoffe eingriff. Er selbst hatte als Gutachter mit dazu beigetragen, den Schwulenfilm Coming Out möglich zu machen. Thomas Heise schließlich sprach stellvertretend für die Schüler und jüngeren Wegbegleiter Heiner Carows - in der Filmgeschichte der DDR fast eine verlorene Generation.

Und dann redete noch Volker Schlöndorff, dem Carow zuletzt in einer Haltung begegnet war, die ihm, dem neuen Studioboss, signalisierte, was viele ehemalige DEFA-Leute empfanden: Dass er als eine Art Gouverneur angesehen wird. Nach 1991 war es Heiner Carow jedenfalls nicht gelungen, in seinem ehemaligen Studio einen Film zu inszenieren. Auch nicht den fertig entworfenen Simplicissimus, der nicht mehr gekostet hätte als Schlöndorffs eigenes Prestigeprojekt Der Unhold.

Zum Schluss öffnete sich der Vorhang noch einmal für Carow selbst. In einem Fernsehinterview hatte er, wenige Monate vor seinem Tod, über sein Verständnis des Filmemachens gesprochen, über die Suche nach Geschichten über das Leben, für viele Zuschauer. Seine letzten Worte damals: "Ja, es brennt immer noch".

 

 

  

  

  

  

  

  

  

  

 

 

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 10. August 2017

  

Diese Kurzbiografie kann nur Stichpunkte aus dem Leben des Künstlers enthalten und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, deshalb sind hier Links angebracht, die weitere Hinweise geben.

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