Deutsche Film- und Fernsehgeschichte 1963

...und ein wenig Zeitgeschichte

      

  

  

     

  

In der Bundesrepublik werden 58 Spielfilme gedreht, DEFA-Spielfilme: 21.

     

Januar: Heinrich Böll schreibt seinen Roman "Ansichten eines Clowns", der 1975 mit Helmut Griem in der Hauptrolle verfilmt wird.

   

10./13./15./17./18. Januar: ARD-Ausstrahlung des fünfteiligen Francis Durbridge-Krimis Tim Frazer - Der Fall Salinger.

  

1. Februar - Deutsche Kinemathek: In der West-Berliner Akademie der Künste wird die "Deutsche Kinemathek e.V." eröffnet. Ihre Basis ist die Film- und Dokumentensammlung des Regisseurs Gerhard Lamprecht. Als wichtigste Aufgabe wird nicht die Vorführung von Filmen, sondern die Archivierung gesehen.

     

11. Februar: Nach der Sendung vom 11.2.1963 sieht sich "Panorama" der "Gert von Paczensky-Affäre" ausgesetzt: Der Moderator wird als Ulbricht-Sympathisant diffamiert, die "Bild"-Zeitung fordert: "Der Spitzbart muss weg!". Bei "Panorama" wechseln die Leiter und Moderatoren: Es kommen Karl-Heinz Wocker, Rüdiger Proske, Jürgen Neven-du-Mont, Werner Baecker und Eugen Kogon.

  

27. Februar: ARD-Ausstrahlung des Fernsehspiels Besuch am Nachmittag (WDR) von Theodor Schübel in der Regie von Hansgünter Heyme.

 

1. April: Sendebeginn des ZDF. Koordinationsvereinbarungen von ARD und ZDF, um die Konkurrenzsituation in Grenzen zu halten.

  

2. April: Die Fernsehzuschauer sehen zum ersten Mal im ZDF die "Mainzelmännchen", die zwischen den Werbespots gezeigt werden.

  

4. April: ZDF-Ausstrahlungsbeginn der Sendereihe 'Das kleine Fernsehspiel' mit dem Stück Die Unzufriedenen von Prosper Mérimée in der Bearbeitung von Eckart Stein. Mit Eckart Stein entwickelt sich in den nächsten drei Jahrzehnten 'Das kleine Fernsehspiel' zur wichtigsten TV-Werkstatt in Film und Fernsehen.

 

4. April: Beginn der ersten Krimiserie im ZDF: Das Kriminalmuseum.

  

5. April: Erste Sendung des ARD-Auslandsmagazins "Weltspiegel".

 

7. April: Beginn der ZDF-Ratgeber-Reihe Pfarrer Sommerauer antwortet. Die Sendung lief bis 1978, wobei in loser Folge der evangelische Pfarrer Fragen Zuschauerbriefe beantwortete und Rat bei Problemen gab. Es ging dabei nicht nur um Glaubensfragen, sondern auch um Probleme in der Zweierbeziehung, Familie oder Kindererziehung. Sommerauer hatte zeitweise bis zu 6 Millionen Zuschauer und einen unübertroffenen Bekanntheitsgrad beim deutschen Publikum.

(Information aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier)

  

  

10. April: In dem Defa-Film Nackt unter Wölfen von Frank Beyer wird erstmalig in einem deutschen Film das Leben in einem Konzentrationslager thematisiert.

  

Z 21. Juni bis 2. Juli - Berlinale: Kein Preis für Deutschland bei der Berlinale. Die beiden deutschen Beiträge gehen leer aus. Am sechsten Tag des Festivals stattet John F. Kennedy der Stadt einen Besuch ab und stiehlt den angereisten Filmstars die Show.

 

23. Juni - Deutscher Filmpreis: Kein Filmband in Gold für einen Spielfilm, aber zwei in Silber für Die endlose Nacht  (Will Tremper) und Das Feuerschiff. Für Dokumentarfilme gehen die Preise u.a. an die Jungfilmer Hans Rolf Strobel, Edgar Reitz, Peter Schamoni. Filmbänder in Gold für ihr 'langjähriges Schaffen' erhalten u. a. Fritz Lang, G. W. Pabst, Josef von Sternberg, Asta Nielsen, Tilla Durieux und Fritz Rasp

   

Beste Nachwuchsdarsteller sind Michael Hinz (Das Feuerschiff), Elfriede Kuzmany (Das schwarz-weiß-rote Himmelbett). Beste darstellerische Leistung: Harald Leipnitz (Die endlose Nacht). Beste Hauptdarstellerin: Elisabeth Bergner (Die endlose Nacht).

  

Wikipedia schreibt zum Film Das Feuerschiff: "Bereits drei Jahre nach der Erstveröffentlichung der Erzählung wurde sie 1963 vom Regisseur Ladislao Vajda unter gleichem Namen zum ersten Mal verfilmt. In den Hauptrollen spielten Dieter Borsche als Steuermann Rethorn, James Robertson Justice als Kapitän Freytag, Michael Hinz als dessen Sohn Fred sowie Helmut Wildt als Caspary. - Unter dem Titel The Lightship wurde ein auf der Erzählung basierender Film 1986 auch in die amerikanischen Kinos gebracht. Die Regie führte Jerzy Skolimowski, die bekanntesten mitwirkenden Schauspieler waren Tom Bower, Klaus Maria Brandauer, William Forsythe und Robert Duvall. - 2007 produzierte der NDR für das Fernsehen unter der Regie von Florian Gärtner eine zeitgenössische Adaption des Stoffes, die 2008 ausgestrahlt wurde. Darin spielt Jan Fedder die Rolle des Kapitäns Freytag, Axel Milberg die des Bandenführers Caspary. Siegfried Lenz selbst erscheint als Angler in einem Cameo-Auftritt. Die Handlung wurde auf dem inzwischen als Museumsschiff eingesetzten Feuerschiff Borkumriff IV in der Nordsee verfilmt."

   

Z 23./24. Juni: Die Übertragung von der Ankunft Präsident Kennedys in Köln-Wahn und die Übertragungen der folgenden Tage seines BRD-Aufenthalts sind die bisher aufwändigsten der ARD. Insgesamt werden für 17 Stunden Live-Sendungen über 400 Ingenieure, Techniker und Kameramänner, 40 elektronische Kameras, 12 Ü-Wagen und ein Hubschrauber eingesetzt.

  

27. Juni: Das ZDF beginnt mit der Reihe "Journalisten fragen - Politiker antworten".

 

23. August: Durch ein Unwetter entstehen auf dem Bavaria-Gelände schwere Schäden. Bavaria-Filmverleih fusioniert mit Columbia-Filmgesellschaft mbH. Der neue Verleih heißt künftig "Columbia-Bavaria-Film Gesellschaft mbH".

  

24. August: Das ZDF nimmt die Reihe "Das aktuelle Sport-Studio" ins Programm. Die Moderatoren sind Wim Thoelke, Rainer Günzler und Harry Valerien.

  

12. Oktober: Start der ARD-Reihe "Der Markt - Wirtschaftsberichte für jedermann".

  

Z 16. Oktober: Ludwig Erhard wird zum neuen Bundeskanzler gewählt, nachdem Konrad Adenauer am 15.10. feierlich verabschiedet wurde.

  

Z 24. Oktober: Die Live-Übertragung von der Bergung der Überlebenden des Grubenunglücks in der Eisenerzgrube von  Lengede-Broistedt: die ganze Fernseh-Nation bangt um das Leben von mehr als 100 verschütteten Bergleuten. (Anmerkung: Im Jahr 2003 wird über eben dieses Ereignis ein überaus erfolgreicher TV-Film mit dem Titel Das Wunder von Lengede gedreht, für den Heino Ferch und Jan Josef Liefers einen Grimme- Preis erhalten haben.) Hier ist die dazugehörige offizielle Filmseite >>>

  

15. November: In Ost-Berlin wird das 'Kino International' mit dem sowjetischen Film Optimistische Tragödie eröffnet. Es wird das Premierenkino der DDR.

  

  

Ohne Datum:

Mit Carl-Heinz Schroth in der Hauptrolle dreht Rainer Erler Orden für die Wunderkinder.

  

Der Roman "Die Wand" von Marlen Haushofer erscheint. Der Roman wird 2010 von Julian Roman Pölsler mit Martina Gedeck verfilmt (siehe hier) und soll Ende 2011 in die Kinos kommen.

 

Der seit 1963 für die Zuschauer alljährlich zu sehende Sketch "Dinner for one" in der Regie von Heinz Dunkhase wird in Hamburg aufgezeichnet. Seit Generationen lachen die Leute also über Miss Sophie und Butler James.

 

Deutscher Kritikerpreis für den Regisseur Franz Peter Wirth.

  

  

S o n s t i g e s

Erste Regiearbeiten von Johannes Schaaf, Uwe Brandner, Roger Fritz, Roland Klick, Ottokar Runze und der erste deutsche Kurzfilm von Vlado Kristl.

Ernst-Lubitsch-Preis an Rolf Thiele und Thomas Fritsch in Das schwarz-weiß-rote Himmelbett.

Preis der deutschen Filmkritik an Will Tremper für Die endlose Nacht.

  

  

B a m b i - S i e g e r

Der Schatz im Silbersee (geschäftlich erfolgreichster Film).

Die endlose Nacht (künstlerisch wertvollster Film).

Liselotte Pulver und Heinz Rühmann (beliebteste Stars).  

Was weiter 1963 bei der Verleihung passierte, lies man auf der offiziellen Webseite www.bambi.de

  

  

B R A V O - O T T O - Leserwahl

Kategorie Sänger: Gold Freddy Quinn, Silber Gus Backus, Bronze Rex Gildo

Kategorie Sängerinnen: Gold Connie Francis, Silber Caterina Valente, Bronze Conny Froboess

Kategorie männliche Filmstars: Gold Rock Hudson, Silber O.W. Fischer, Bronze Anthony Perkins

Kategorie weibliche Filmstars: Gold Sophia Loren, Silber Ruth Leuwerik, Bronze Liselotte Pulver

TV-Stars weiblich: Gold Inge Meysel, Silber Margot Trooger, Bronze Cordula Trantow

TV-Stars männlich: Gold Edward Byrnes, Silber Robert Fuller, Bronze Lou van Burg

 

  

L i t e r a t u r:

Hundejahre von Günter Grass

Der geteilte Himmel von Christa Wolf

 

  

E i n i g e   F i l m e   d e s   J a h r e s

 

Machorka Muff

(Kurzfilm, Regie: Jean Marie Straub)

Eine Satire (oder das Dokument einer Satire) als Kommentar zur Remilitarisierung der Bundesrepublik. Ein Nazi-Oberst (Erich von Machorka-Muff) wird reaktiviert, kommt nach Bonn, wird zum General befördert und hält eine Rede bei der Grundsteinlegung zur >Akademie für militärische Erinnerungen<. Straubs erster Film enthält in Bildern, in der Montage und Darstellung schon alle Elemente seiner künftigen, materialisierten Ästhetik. Nach der Erzählung «Hauptstädtisches Journal» von Heinrich Böll (1958).

  

Das schwarz-weiß-rote Himmelbett

(Regie: Rolf Thiele)

Der um 1900 geborene Jean, Sohn des Gerichtspräsidenten Friedrich de Wehrt, verliert noch im Babyalter seine leibliche Mutter. Seine Stiefmutter kümmert sich in erster Linie um seine Halbschwestern und so wächst er unter der Obhut des Kindermädchens Cornelia auf, dessen weibliche Vorzüge ihm schon bald bewusst werden und denen sich auch der Vater nicht entziehen kann. Als er die Schauspielerin Germaine kennen und lieben lernt, ist ihm Tante Arabelle sogar mit einigen Goldstücken bei deren Eroberung behilflich. Als Gegenleistung hat er ihr, als Medizin gegen ihre dauernde Langeweile, ausführlich von seinem Erwachsenwerden zu berichten. Er muss aber bald erfahren, dass sich Geheimrat Rochberg als Gönner von Germaine betätigt und bald seine Rechte geltend macht. Da kommt Germaines Kammermädchen als neue Medizin gegen Tante Arabelles Langeweile gerade recht.

Darsteller: Daliah Lavi, Martin Held, Thomas Fritsch u.a.

  

Nackt unter Wölfen

Regie: Frank Beyer

Ein Kind gerät kurz vor Kriegsende im KZ Buchenwald zwischen Henker und Opfer; es wird zu einem Symbol für die Solidarität der Lagerinsassen. Der erste deutsche Film über das Innenleben eines Konzentrationslagers hat - trotz seines emotionalen Kerns - eine nüchterne Authentizität.

Darsteller: Erwin Geschonneck, Armin Mueller-Stahl, Fred Delmare u.a.

  

Winnetou (I)

Regie: Harald Reinl

  

Karbid und Sauerampfer

Regie: Frank Beyer

   

Die endlose Nacht

Regie: Will Tremper

Geschäftsleute, Schauspieler, Farmer aus Kenia und Stewardessen der KLM in der Wartehalle bei Nebel über Berlin: Soziodramen auf dem Flughafen Tempelhof. Die endlose Nacht heißt der Film, der 1963 in Schwarzweiß und Ultrascope zeigte, was passiert, wenn nichts passiert. Menschen im Wartesaal: ein Melodram. Ein Krimi. Und - natürlich - eine Komödie.

Zu sehen waren da ein paar Stars des bisherigen und ein paar Helden des künftigen deutschen Films: Karin Hübner, Bruce Low, Wolfgang Neuss, aber auch Mario Adorf und - als Starlet in ihrer allerersten Filmrolle - die junge Hannelore Elsner. Deutsche Short Cuts aus der Ludwig Erhard-Ära, durch die schon ein Hauch von Nouvelle Vague wehte. Tremper war Autorenfilmer, als es den Begriff noch gar nicht gab. Er drehte schnell - Die endlose Nacht in 44 Tagen -, arbeitete ohne festes Drehbuch, improvisierte die Texte und blieb mit der Kamera immer dicht dran an der Gegenwart. Mit den Rebellen des Oberhausener Manifests hatte er trotzdem nichts am Hut, und die nicht mit ihm. Tremper inszenierte nur fünf Filme, Die endlose Nacht blieb sein bester. (Quelle: www.esther-ofarim.de)

       

Heimweh nach St. Pauli

Regie: Werner Klingler

Hein Steinemann (Freddy Quinn), früher Matrose mit zehn Dollar Wochenheuer, hat unter dem Pseudonym Jimmy Jones sein Glück in Amerika gemacht. Als bekannter Schlagersänger ist er von unzähligen Fans umjubelt. Als er in Las Vegas seinen alten Freund Bob zufällig wiedertrifft, bekommt Jimmy Heimweh nach St. Pauli, er beschließt seine Verpflichtung sausen zu lassen und macht sich auf den Weg in die Heimat. (Quelle: Amazon)

    

  

Einige D E F A-Filme des Jahres 1963

An französischen Kaminen - Regie: Kurt Maetzig

Beschreibung eines Sommers - Regie: Ralf Kirsten

Sonntagsfahrer - Regie: Gerhard Klein

  

Geheimarchiv an der Elbe - Regie: Kurt Jung-Ahlsen

Vor Ende des Zweiten Weltkriegs verhandelt SS-Gruppenführer Upitz mit dem amerikanischen Geheimdienst, dem er als Versicherung das Geheimarchiv der SS mit einer kompletten Kartei des Gestapo-Agentennetzes in Europa übergeben will. Auch der sowjetische Abwehrdienst ist über das in einem Felsverlies an der Elbe liegende Archiv informiert. Der sowjetische Major Kerimow und der deutsche Herbert Lange springen über Deutschland ab. Lange wird verhaftet, Kerimow gelangt zu Widerstandskämpfern, die das Archiv ausfindig machen. Kerimow transportiert die Akten in die Sowjetunion. Spannende Mischung aus Literaturverfilmung, Kriegs- und Abenteuerfilm vor zeitgeschichtlichem Hintergrund. Eine der für die DDR typischen DEFA-Produktionen mit antifaschistischer Tendenz. Nach dem Spionageroman von Alexander Namibow.

Es war die letzte Kinoarbeit von Regisseur und Drehbuchautor Kurt Jung-Alsen (1915-1976), der eine Nebenrolle übernahm. Er inszenierte erfolgreiche Mehrteiler (Schatten über Notre Dame, 1966) und Fernsehfilme. Als Upitz ist der populäre Schauspieler Günther Simon (1925-1972) zu sehen. Er verkörperte Ernst Thälmann 1954/55 (Zweiteiler) und 1964. (Quelle: Amazon)

   

Weitere Filme der DEFA von 1963 >>>

 

  

Schlager des Jahres 1963

Junge, komm bald wieder - Freddy Quinn

Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut - Billy Mo

Wini Wini - Tahiti-Tamourés

Schuld war nur der Bossa Nova - Manuela

Ich will 'nen Cowboy als Mann - Gitte

Geh'n sie aus vom Stadtpark die Laternen - Gitte und Rex Gildo

Rote Lippen soll man küssen - Cliff Richard

Buona Notte - Rocco Granata

Kiss me quick - Elvis Presley

Wenn erst der Abend kommt - Peter Alexander

Für Gabi tu ich alles - Gerd Böttcher

Devil in Disguise - Elvis Presley

Sukiyaki - Blue Diamonds

  

          

G e b o r e n

15.01. Katrin Weber, Sängerin und Kabarettistin

23.02. Andrea Sawatzki, Schauspielerin

05.03. Thomas Hermanns, Moderator und Comedian

03.06. Anica Dobra, Schauspielerin

04.07. Ute Lemper, Tänzerin und Schauspielerin

16.07. Nina Petri, Schauspielerin

16.08. Andreas Dresen, Regisseur und Drehbuchautor

18.08. Heino Ferch, Schauspieler

29.08. Karl Markovics, österreichischer Schauspieler

13.10. Anne Bennent, schweizerische Schauspielerin

01.11. Katja Riemann, Schauspielerin

14.11. Anno Saul, Regisseur und Schauspieler

19.12. Til Schweiger, Schauspieler, Regisseur und Produzent

   

  

G e s t o r b e n

12. Mai: Ernst Marischka

Regisseur und Drehbuchautor, geb. 2. Januar 1893

Ernst Marischka war auf Komödien und lt. Wikipedia "operettenselige Stoffe" spezialisiert. Sein bekanntester Film ist die Sissi-Trilogie aus den Jahren 1955 - 1958 mit Romy Schneider. 1958 gelang ihm ein beachtenswerter Erfolg mit der Verfilmung von Franz Werfels Der veruntreute Himmel.

Ernst Marischka gehörte einer Wiener Künstlerdynastie an, als deren Gründervater sein Bruder Hubert gesehen wird, da auch dessen Söhne Franz und Georg im Filmgeschäft tätig waren, ebenfalls als Regisseure und Drehbuchautoren, Georg Marischka auch als Schauspieler. 

  

 

12. Juli: Slatan Dudow

Regisseur. Lernte bei Lang, Pabst und Eisenstein, Debütfilm Kuhle Wampe.

Der am 30. Januar 1903 als Sohn eines Eisenbahners in Bulgarien geborene Slatan Dudow kam 1922 als Werkstudent nach Berlin. 1932 drehte er den ersten proletarisch-revolutionären Film Deutschlands, Kuhle Wampe. Nach Emigrantenjahren in Frankreich und der Schweiz kam er 1946 nach Berlin zurück und arbeitete als Regisseur bei der DEFA. Acht Filme hinterließ Dudow, als er im Juli 1963 bei einem tragischen Autounfall ums Leben kam. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören Unser täglich Brot, Der Hauptmann von Köln, Verwirrung der Liebe und Frauenschicksale. Seinen neunten und letzten Film Christine konnte er, der einen besonderen Hang zur Frauenproblematik hatte, nicht mehr vollenden.

  

   

5. August: Annie Rosar

Österreichische Schauspielerin, geb. 17. Mai 1888

  

  

11. September: Richard Oswald

Regisseur und Drehbuchautor, geb. 05.11.1888

1911-1929 ca. 100 Stummfilme, u.a. Der Hund von Baskerville, Hoffmanns Erzählungen, Das Bildnis des Dorian Gray; ab 1930 Tonfilme, u.a. Die Blume von Hawaii, Gräfin Mariza. Richard Oswald war mit der Schauspielerin Käte Waldeck verheiratet.

  

   

Regisseur, Darsteller und Produzent Harry Piel - Foto: Filmmuseum Düsseldorf (Vielen Dank an Herrn Thein!)

Harry Piel

©Filmmuseum Düsseldorf

  

27. März: Harry Piel (Weitere Bilder)

Produzent, Regisseur, Darsteller, geb. 1892

Er wurde am 12. Juli 1892 in Düsseldorf-Benrath geboren. Nach der Mittleren Reife  diente er sieben Monate auf einem Segelschulschiff als Kadett, wurde aber wegen eines Herzfehlers entlassen. Nach einer kaufmännischen Lehre und Arbeit in einer Maschinenfabrik, - nebenbei erlernte er mehrere Fremdsprachen - wollte er 1911 in Paris Kunstflieger werden. Nach Kontakten zur Filmfirma Gaumont schrieb er ein Drehbuch und gründete 1912 mit Hilfe seines Patenonkels die Kunst-Film-Verlags-Gesellschaft, die aber nach drei Filmen pleite war. Aber als Stummfilmregisseur anderer Filmgesellschaften hatte er Erfolg und wurde berühmt-berüchtigt für seine ungewöhnlichen Sensationen. Er schuf mehr als hundert Filme, wenn man die Tonfilme einbezieht. Sein Vorbild war der amerikanische Filmschauspieler Douglas Fairbanks. Als Sensationsdarsteller, der niemals ein Double benötigte, wurde er bald populär. 1927 entstand sein 75. Film, er hieß Was ist los im Zirkus Beely? Als sein eigener Regisseur baute er in seine Abenteuerfilme Tiernummern ein. Da er sehr gut mit Tieren umzugehen verstand, übernahm er selbst die Dressuren. In siebzehn Tonfilmen war er Schauspieler und Regisseur in einem, u.a. im ersten, Er oder ich (1930), in Das Schiff ohne Hafen (1932) und Sein bester Freund (1937). 1927 hatte er Schauspielerin Dary Holm (1897-1960) geheiratet, die auch in einigen seiner Filme die weibliche Hauptrolle spielte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er nicht mehr Fuß fassen, nur zwei Filme drehte er noch - er war nicht mehr gefragt. Harry Piel starb verbittert am 27. März 1963 in München. (Quelle: Textpassagen aus www.kinosessel.de)

     

  

Filmszene mit Gisela Uhlen und Gustaf Gründgens - Foto: Murnau-Stiftung

Gisela Uhlen und Gustaf Gründgens 

in "Tanz auf dem Vulkan" aus dem Jahre 1938

Regie: Hans Steinhoff

©Murnau-Stiftung

  

  

7. Oktober: Gustaf Gründgens (Weitere Bilder)

Regisseur, Schauspieler, Intendant, geb. 1899

  

Deutscher (Film-) Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter, zwischen 1923 und 1928 bei den Hamburger Kammerspielen tätig, arbeitete während dieser Zeit u.a. mit der Tochter von Frank Wedekind, Pamela, sowie mit Klaus und Erika Mann zusammen (war mit Erika Mann von 1925-28 verheiratet).

Gründgens gab noch während des Ersten Weltkrieges 1918 sein Debüt als Schauspieler in einem Soldatentheater. Nach seiner Entlassung aus der Armee nahm er Unterricht, u.a. bei Louise Dumont, und erhielt anschließend Engagements in der Provinz. Nach Stationen in seiner Heimatstadt Düsseldorf sowie in Halberstadt und Kiel kam er 1922 erstmals nach Berlin.

Gustaf Gründgens - Foto: Deutsches Bundesarchiv

Gustaf Gründgens in der Titelrolle des "Hamlet", Staatl. Schauspielhaus Berlin am 21. Januar 1936, Regie: Lothar Müthel

©Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-S01144 - CC-BY-SA

  

  

In den 30er-Jahren hatte sich Gründgens auch intensiv der Filmarbeit verschrieben. Er spielte aalglatte Edelganoven mit Manieren und und gefühlskalte Herren aus der Hautevolee. Die Figur, mit der Gründgens Anfang 1931 schlagartig berühmt wurde, gab ihm Fritz Lang. Mit dem Schränker, dem Boss der Berliner Unterwelt in dem Kriminalklassiker M - Eine Stadt sucht einen Mörder gab Gründgens ein starkes Porträt eines gefühllosen, berechnenden Managers des Verbrechens, der über einen verängstigten, mädchenmordenden Triebtäter zu Gericht sitzen lässt. Seine berühmteste Filmrolle nach 1933 wurde die des Schauspielers Debureau, der in Hans Steinhoffs Tanz auf dem Vulkan, einer  Mischung aus Spielfilm, Historienfilm und Revuefilm, das ancien régime*) Charles X. lächerlich macht, Spottverse auf den französischen König dichtet und Freiheit für das Volk fordert. Das von ihm schwungvoll zackig gesungene Lied Die Nacht ist nicht allein zu schlafen da wurde Ende der 30er-Jahre ein regelrechter Gassenhauer. Von 1928 - 1932 gehörte er dem Ensemble des Deutschen Theaters Berlin an, dessen Intendant er 1934 wurde. Die Nationalsozialisten protegierten Gründgens, allen voran Reichsmarschall Göring. 1934 wurde Gründgens dann zum Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses und ab 1937 bis Kriegsende Generalintendant aller preußischen Staatstheater. Obwohl er zur Prominenz des 3. Reiches gute Kontakte pflegte, konnte sich Gründgens von propagandistischen Filmstoffen weitgehend fernhalten. Leider gehörte zu den Ausnahmen der Film Ohm Krüger, in dem Gründgens den über Leichen gehenden englischen Politiker Lord Chamberlain verkörperte. Wegen seiner Karriere während des 3. Reiches galt Gründgens als sehr umstritten (Klaus Mann hat Gründgens' Verhalten in dieser Zeit 1936 in seinem Roman Mephisto, der mit Klaus Maria Brandauer verfilmt wurde, verarbeitet).

  

DER "Faust" - glänzend: Will Quadflieg und Gustaf Gründgens Der Gassenhauer im Film: "Die Nacht ist nicht allein zum schlafen da" in TANZ AUF DEM VULKAN Überragende schauspielerische Leistungen von Fritz Kortner und Gustaf Gründgens: Frankreich während der Revolution. Im Streit um die Frage, was mit König Louis XVI. geschehen soll, setzen sich die radikalen Kräfte um Danton und Marat durch. Nach der Hinrichtung des Königs kommt es zu einer Verhaftungswelle und zu Massenhinrichtungen. Als Danton sich bei einer Gefängnisinspektion in die Adelige Louise Gély verliebt, macht er sich für seinen Gegenspieler Robespierre angreifbar. (Amazon)

Darüber hinaus erhielt der Schauspieler-Regisseur zahlreiche weitere Ehrungen wie die Ernennung zum Staatsschauspieler und zum preußischen Staatsrat. Einerseits erwarb sich Gründgens den Ruf des klassischen opportunistischen Aufsteigers, nutzte aber andererseits sein Amt dazu, bedrängten Kollegen zu helfen. 

Seine Paraderolle wurde der Mephisto im "Faust", den er seit 1932 immer wieder gespielt hatte, weitere Glanzrollen hatte er mit "Hamlet" 1936 und 1949, dem Riccaut in "Minna von Barnhelm", dem Prinzen in "Emilia Galotti" (1937), dem St. Just in "Dantons Tod" (1939), dem "Fiesko" (1940) und bis 1947 mit vielen anderen Theaterfiguren. 

Gründgens' Karriere nahm wegen seiner Nähe zum NS-Regime, bei Kriegsende nur kurzzeitig Schaden. Nach mehrmonatiger Internierung durch sowjetische Stellen ging Gründgens zunächst ans Deutsche Theater und nahm 1947 das Angebot an, die Generalintendanz der Düsseldorfer Bühne zu übernehmen. Seine Theaterkarriere beendete er 1963 in Hamburg, wo er seit 1955 nicht nur die Generalintendanz des Deutschen Schauspielhauses innehatte, sondern auch gefeierte Inszenierungen (u.a. wieder "Faust") aufführte.

Gründgens verabschiedete sich 1941 für fast 20 Jahre aus dem Filmgeschäft und nahm erst 1960 wieder eine Filmrolle an. Er spielte in Käutners Film Das Glas Wasser die Rolle des Lord Bolingbroke. Ebenfalls 1960 war er noch einmal als Mephisto zu sehen in dem für das Kino aufbereiteten Film mit Will Quadflieg als Dr. Faust, Elisabeth Flickenschildt, Eduard Marks, Uwe Friedrichsen, Heinz Reincke, Friedrich G. Beckhaus, Hans Irle u.a. 

Kurz nach dem Rückzug von seinen Hamburger Ämtern begab sich Gründgens auf Weltreise; er starb unter nie ganz geklärten Umständen in Manila auf den Philippinen. (Quelle: "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf,  S. 420-422 - mit Erlaubnis des Autors)

*) Als Ancien Régime bezeichnet allgemein die Zeit in ganz Europa vor der Französischen Revolution von 1789 bzw. vor den Napoleonischen Kriegen; im speziellen und ursprünglich aber die Regierungsform der herrschenden Bourbonen in Frankreich. Oftmals wird der Begriff mit „Absolutismus“ gleichgesetzt.

  

  

 

   

Von hier aus sind folgende Webseiten zu erreichen:

www.agenturdorismattes.de (Thomas Fritsch)

www.artechock.de (Zum Tod von Vlado Kristl)

www.cinegraph.de (über Richard Oswald)

www.cinegraph.de (Film Hoffmanns Erzählungen)

www.defa.de

www.dieterwunderlich.de (über den Roman "Die Wand")

www.dhm.de/lemo (über Josef von Sternberg)

www.dra.de (über Slatan Dudow und sein Film Christine)

www.filmportal.de (über Gerhard Lamprecht, Film Die endlose Nacht, Will Tremper, Film Das Feuerschiff, Fritz Lang, Rolf Thiele, Film Verwirrung der Liebe, Frauenschicksale, (Film Der Hund von Baskerville), über Gustaf Gründgens, Film Mephisto), Film Machorka Muff, Film Der veruntreute Himmel)

www.filmreporter.de (über Gustaf Grüngens)

www.film-zeit.de (über Slatan Dudow, Sergej M. Eisenstein)

www.fk-thueringen.de (Film Unser täglich Brot)

http://geschonneck.com 

www.katja-riemann.de (HP der Künstlerin)

www.ksta.de (Karin Hübner)

www.krimiserien.heimat.eu (Fernsehspiel Besuch am Nachmittag, Film Tim Frazer - Der Fall Salinger)

www.marlenhaushofer.at 

www.ninapetri.de (HP der Künstlerin)

www.progress-film.de (Film Sonntagsfahrer)

www.progress-film.de (Film Beschreibung eines Sommers)

www.ruehmann-heinz.de (Heinz Rühmann Gedenkseite von Michael Knoke)

www.steffi-line.de (über Harry Valerien, Liselotte Pulver, Harry Piel, Annie Rosar)

http://stummfilme.lima-city.de (Fritz Rasp)

www.tv-nostalgie.de (über Wim Thoelke)

www.tilschweiger.de (HP des Künstlers - im Aufbau)

www.virtual-history.com (Bilder Harry Piel, Bilder Gustaf Gründgens)

wikipedia (über Hansgünther Heyme, Prosper MériméeGeorg Wilhelm Pabst, Film Der Schatz im Silbersee, Freddy Quinn, Frank Wedekind, Pamela Wedekind, Klaus Mann, Erika Mann, Sketch "Dinner for one", Karl Markovics)

  

  

   

  

  

  Einige Filme, die auf dieser Seite erwähnt werden

(...und bei Amazon bestellt werden können)

  

Für Klaus Maria Brandauer eine Paraderolle - MEPHISTO Ein Juwel: KUHLE WAMPE von Slatan Dudow

 

  

 

 

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

  

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet am 21.10.2011

 

Alle Informationen sind nach bestem Wissen gesammelt und aufgeschrieben worden. Sollten sich doch Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um eine E-Mail. Vielen Dank.