Engel aus Eisen 1980
Inhalt Die Geschichte eines jugendlichen Banditen in Berlin zur Zeit der Blockade, der zusammen mit einem ehemaligen Henker die Teilung und die Verwirrung in der Stadt ausnutzt und Raubüberfälle im großen Stil organisiert. Erstlingsfilm, der durch sehr dichte Szenerien, die den Geist jener Zeit widerspiegeln, und durch die Hauptfiguren, in denen sich die Widersprüche und die Verwirrung der Menschen nach dem Krieg besonders deutlich zeigen, beeindruckt. Am Ende zu stilisiert, verliert der Film die Dramatik und das Tempo der authentischen Ausgangsfabel. (Quelle: Filme 1981-84, Handbuch der Katholischen Filmkritik, November 1981)
Berlin 1948, Ausnahmezustand. Die zertrümmerte Stadt wird in Sektoren aufgeteilt, die Bevölkerung hat sich verkrochen. Es ist der heißeste Sommer seit 30 Jahren. Jeder glaubt, morgen bricht ein neuer Krieg aus. Der Beweis: das pausenlose Gedröhn der Flugzeuge. Die Luftbrücke. Berlin 1948, das ist ein Zustand zwischen den Welten. Drei Menschen wollen die Situation für sich nutzen: Völpel - einer, der nach dem Krieg als Henker denen die Köpfe abschlug, die ihn zuvor ins Gefängnis gesteckt hatten, und der jetzt Akten für die Polizei trägt. Werner Gladow, 17 Jahre, der davon träumt, eine Unterwelt-Organisation á la Al Capone aufzubauen. Und Lisa Gabler, Mitglied der Gladwow-Bande, die auf dem Schwarzmarkt Geschäfte macht, um irgendwann eine Karriere als Sängerin anzufangen. Völpel verfolgt Gladow und überredet ihn schließlich, mit ihm zusammen "größere Nummern" zu machen. Er kann die Informationen aus dem Polizeipräsidium beschaffen. Die Polizei ist gelähmt, weil ihr Apparat zwischen Ost und West getrennt ist, während die Bande im Osten operieren kann, ohne im Westen behelligt zu werden. Völpel will raus aus Berlin, und dazu braucht er Geld. Das Ausmaß der Raubüberfälle lässt den Fall Gladow zum sensationellsten Kriminalfall der Nachkriegsjahre werden. Von Plünderungen kleiner Einzelhandelsgeschäfte bis hin zum Überfall auf die Kasse der Berliner Elektrizitätswerke, vom Autodiebstahl bis zur großangelegten Waffenbeschaffung bei einer ganzen Wachmannschaft - es vergehen keine vierzehn Tage, ohne dass die Bande aktiv wird. Aber plötzlich verstummt der Lärm der Flugzeuge über Berlin. Und Völpel weiß: Das bedeutet das Ende. Gladow will es nicht wahrhaben. Er will weitermachen. Als er einen Fluchtwagen besorgt, erschießt er den Chauffeur. Die Polizei holt ihn mit Gewalt aus seinem Keller. (Quelle: Kino - Bundesdeutsche Filme auf der Leinwand 1981 - 82, Verlag Monika Nüchtern, München)
Thomas Brasch, bisher hervorgetreten als Dramatiker, Lyriker und Prosaist, bedient sich mit dem Film eines für ihn neuen Ausdrucksmittels: mittels Bildern wird die Erinnerung an einen Kriminalfall wachgerufen, einen Kriminalfall in Berlin zur Zeit der Luftbrücke, zwischen Mai 1948 und Mai 1949. In dieser Stadt, die zwischen Panik und Gewöhnung, Krieg und Frieden, Vorkrieg und Nachkrieg lebt, der Stadt zwischen den Besatzungsmächten und ihren Kulturen, trifft der 50jährige ehemalige Scharfrichter Gustav Völpel auf den 17jährigen Anführer einer Bande, Werner Gladow. Zwischen Völpel, tätig bei Hinrichtungen in Ost- und West-Berlin, und dem durch den Krieg verwüsteten, kindlich-kalten Al-Capone-Nachahmer entsteht eine für beide Seiten nützliche Mischung aus Freundschaft und berechnender Zusammenarbeit. Die politische Krise befördert ein Paradies der Anarchie, das dauert, bis die Ordnung über die Stadt wieder hereinbricht. (Quelle: Amazon)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: Mai 2010 |