Das Beil von Wandsbek 1983
Filmliste von Heinrich Breloer
Inhalt
1937
in Haifa, Palästina. Dem Schriftsteller Arnold Zweig fällt die Notiz einer
Exilzeitung in die Hände: Selbstmord eines Henkers. Altona. Diese
kurze Meldung berichtet von einem Schlachter und SS-Mann, der in finanziellen
Schwierigkeiten ist. Für ein Blutgeld von 2000 Mark richtet er vier Kommunisten
mit dem Handbeil hin, weil der Scharfrichter erkrankt ist. Bald gehen Gerüchte
um und keiner kauft mehr in seinem Laden. Am Schluss bringen der Schlachter und
seine Frau sich um. Arnold
Zweig entwickelt diese Fabel zu einem Schlüsselroman über das Hamburg der 30er
Jahre. Viele Hamburger Juden, die sich im Exil von Haifa als Kolonie angesiedelt
hatten, versorgten Zweig mit Details über Personen, Schauplätze und Stimmungen
der Hansestadt. Zweig setzte diese Details in Beziehung zu seiner Hauptfigur,
dem Schlachtermeister Teetjen. Er ist treuer Nationalsozialist, der immer noch
an die Versprechungen seines Führers glaubt. Das Beil von Wandsbek wird so zur Parabel für das Schicksal des
deutschen Kleinbürgers, der sich mit Hilfe des Nationalsozialismus retten will
und dabei zugrund geht. Dennoch ist die Figur des Schlachtermeisters Teetjen -
ein Handwerker mit Sehnsucht, wie Zweig ihn 1955 retrospektiv
charakterisiert - nicht das abscheuliche Stereotyp des Nazi-Schlächters.
Vielmehr versetzt sich der Jude Zweig in die Figur des Henkers, um das Geheimnis
der Verführbarkeit eines Menschen auszuforschen. Dieses Interesse spitzt die
Verfilmung des Romans (in den Spielszenen) zu, indem die Widersprüche der Figur
Teetjen (vor dem Hintergrund der eher grellen / kolportagehaften Fabel)
ausformuliert werden. Diese Frage wird auch weitergegeben an Menschen, die den
Roman zum erstenmal lesen - Hamburger Bürger, der Reeder Erik Blumenfeld,
Albert Speer, viele andere. In einer gefilmten Recherche bekommt die Stadt
Hamburg einen Roman zurückgegeben, deren heimlicher Protagonist sie ist.
Fremde Links: www.adk.de (über Hildegard Schmahl) www.hr-online.de (über Barbara Nüsse) www.filmmuseum-hamburg.de (über Edgar Hoppe) www.steffi-line.de (über Gisela Trowe) www.cms.goethe.de (Filmbeschreibung) www.agentur-gotha.de (über Roland Schäfer)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 06/2010 |