1983
Inhalt
Folge Bruno
Kruska, etwa 15 Jahre alt und jüngster Sohn eines armen Pachtbauern aus den
Masuren, kommt ins Ruhrgebiet, den "goldenen Westen", wie es damals genannt wurde. Angelockt durch den Ruf, hier schnelles Geld zu verdienen, will
er Bergmann werden. Bruno, der sich frühmorgens dem Zug der Bergleute zur Zeche
angeschlossen hat in der naiven Meinung, gleich einfahren zu können, wird zurückgehalten
und als Leseband gestellt. Hier lernt er Pauline Boetzkes kennen, die mit ihm,
weil er nichts zu essen hat, in der Pause ihr karges Frühstück teilt. Bruno
ist Schlepper über Tage geworden. Er schiebt die Kohlewagen vom Schacht über
die Hängebank zum Leseband. Er erlebt den Arbeitsdruck und die Schikanen, die
die Grubenbeamten, die Steiger, Reviersteiger und der Betriebsführer auf die
Bergarbeiter ausüben. Eines Tages wird Walter, der Schlepper aus Friedrich
Boetzkes Kameradschaft, unter Tage schwer verletzt. Bruno übernimmt den
freigewordenen Arbeitsplatz und darf zu ersten Mal einfahren. Der
Aufbau vom Flöz Morgensonne, den der
alte Friedrich Boetzkes als ortsältester Hauer zusammen mit Otto als Hauer,
seinem Sohn Karl als Hilfshauer und Bruno als Schlepper vornimmt, wird immer
schwieriger, erfordert einen verstärkten Ausbau. Steiger Bärwald, den sie den
"Kohlefresser" nennen, weigert sich, für die Mehrarbeit das
"Gedinge", den Gemeinschaftslohn, der nach dem während der Schicht
abgebauten Kohleraum berechnet wird, zu erhöhen. In
der Wirtschaft findet währenddessen unter Karls Leitung eine Versammlung der
sozialdemokratischen Bergarbeiter statt, die sie - wegen der Sozialistengesetze
- als Gesangverein getarnt haben. Karl ist gegen vereinzelte Streiks für mehr
Lohn. Ihre Ziele gehen weiter, sie wollen mehr Gerechtigkeit, die
Achtstundenschicht und später einmal die Mehrheit der Arbeiter im Reichstag
erreichen. Am
Morgen versucht Otto, mit einigen Kumpeln, vor dem Zechentor die einfahrenden
Arbeiter aufzuhalten, um ihre Forderung nach mehr Lohn durchzusetzen. Karl will
aus den von ihm genannten Gründen trotzdem einfahren, der alte Boetzkes aus
starrer Loyalität, Bruno schließt sich ihnen zögernd an. Beim
Ausbau des Flözes werden Bruno und der alte Friedrich vom hereinstürzenden
Berg verschüttet. In dem engen, niedrigen Raum der Eingeschlossenen erlischt
aus Sauerstoffmangel die Grubenlampe. Bruno bekommt Angst, will nicht lebendig
begraben sein, will nicht sterben. Der Alte versucht, ihn zu beruhigen. Bruno
gesteht ihm, dass er seine Tochter Pauline liebt. Friedrich
und Bruno werden gerettet. Am Abend bei einem Fest auf dem kleinen Hof hinter
Boetzkes Haus tanzt Pauline mit allen, nur nicht mit Bruno.
Folge 2 - Kampf ums Überleben (1889): Bruno
lebt mit Erna und ihren beiden kleinen Söhnen zusammen. Pauline hat sich mit
Herbert dem Zug der streikenden Arbeiter angeschlossen, auch Walter, der
verletzte Schlepper, der sich wieder erholt hat, aber noch nicht einfahren kann. Auf
dem Weg zur Zeche begegnet der Reviersteiger dem Zug, man gibt seiner Kutsche
nur widerwillig den Weg frei, Steine werden nach ihm geworden, er wird am Kopf
verletzt. Käthe, die am Brunnen Wasser holen will, sieht, wie sich der
Reviersteiger das Blut vom Kopf wäscht. Sie geht zu ihm, ist ihm behilflich. Karl
und Friedrich zählen am nächsten Morgen zu den wenigen, die einfahren wollen.
Karl, weil er die Entscheidung der Gewerkschaft abwarten will, Friedrich, um
seine Arbeit
zu Ende zu bringen. Sie werden nicht eingelassen. Der alte Direktor Sturz will
mit dem Streikkommitee reden. Sein Neffe, der Reviersteiger Rewandowski, ist
dagegen, er will hart bleiben. In einer Depesche fürchtet der Kaiser eine gefährliche
Ausweitung sozialdemokratischer Ideen. Rewandowski aber bleibt unnachgiebig. Herbert
Boetzkes, der junge Berginvalide, wird von Steiger Bärwald versehentlich auf
dem Zechenhof erschossen. Bruno ist als erster bei dem Sterbenden. Er sieht
Hasserfüllt zu Bärwald hoch: "Das kriegst du wieder!", sagt er
leise. Der
Streik wird abgebrochen, die Bergarbeiter sind ausgehungert, ein Teil der Männer
vom Streikommitee ist verhaftet worden. Folge 3 - Im Blindschacht (1889 - 1890): Käthe
Boetzkes arbeitet zweimal in der Woche als Putzfrau in der Villa von Direktor
Sturz Rewandowski kommt morgens verschwitzt und angeregt vom Ausritt zurück.
Oben, im kleinen Gesellschaftsraum, sieht er Käthe bei ihrer Arbeit auf dem
Boden knien. Er nähert sich ihr direkt und sie lässt es geschehen, wehrt sich
nicht. Der Kaplan besucht Bruno und Erna, um sich von ihnen zu verabschieden.
Wegen seiner Unterstützung der streikenden Arbeiter und aufrührerischer Reden
wird er aufs Land versetzt. Steiger
Bärwald überrascht Bruno dabei, als er durch den Blindschacht steigen will. Bärwald
macht ihn darauf aufmerksam, dass das verboten ist. Er brüllt ihn an, er soll
seine Mütze abnehmen, wenn er mit ihm rede. Bruno erwidert, vor einem Mörder
zieht er seine Mütze nicht. Bruno treibt Bärwald langsam vor sich her, dicht
hinter ihm befindet sich die ungesicherte Öffnung des Blindschachts. Rewandowski
und Sylvia von Kampen feiern ihre Verlobung. Während Käthe in der Villa Sturz
das Geschirr spült, hört sie aus dem Speisezimmer das Lachen der Gäste, aus
dem das der jungen Frau herauszuhören ist. Unbemerkt geht Käthe mit einer
Spiritusflasche nach oben in den kleinen Salon, wo sie Rewandowski zu Willen
gewesen ist, und zündet die Chaiselongue und die Fenstervorhänge an. Folge 4 - Bruno und Pauline (1893): Bruno
kehrt nach zweijähriger Dienstzeit in die Siedlung zurück. Pauline und Erna
waschen am Brunnen Wäsche, als er die Straße entlang kommt. Bruno ist endgültig
ein Mann, Pauline eine junge Frau geworden, was sie beide betroffen und verlegen
macht. Sie gehen zu Pauline nach Hause. Der alte Boetzkes bietet Bruno an, in
seinem Haus zu wohnen, er brauche nur sein Essen und Trinken zu bezahlen. Als
Pauline mit Bruno allein ist, sieht sie ihn an: "Ich hab' auf dich
gewartet", sagt sie. Bruno
besucht Erna. Sie will gerade in die Kirche gehen. Sie gesteht ihm, dass sie ein
Kind hatte, das gleich nach der Geburt starb. "Aber es hatte Ottos
Augen", sagt sie uns lässt ihn stehen. Bruno
und Pauline wollen heiraten. Pauline ist katholisch und Bruno ist evangelisch
und sie werden sich nicht einig, in welcher Konfession sie sich trauen lassen
wollen, und beschließen, zum Kaplan zu fahren, um seinen Rat zu holen. Von
berittenen Gendarmen flankiert, rollt eine Reihe Kutschen an ihnen vorüber. In
der ersten Kutsche sitzt Rewandowski und neben ihm Sylvia von Kampen im
Brautkleid. Käthe flüstert Pauline zu: "Sie ist schön". Folge 5 - Die Grube brennt (1899): Wie
es der alte Friedrich vorausgesehen hat, herrscht im Flöz schlagendes Wetter.
Sie dürfen keine Kohle hauen, weil selbst ein Funke beim Schlag der Picke auf
den Berg zu einer Explosion führen könnte. Rewandowski
und sein Schwiegervater haben die Zeche und das Stahlwerk zur "Hernsteiner
Stahl und Kohle AG" zusammengeschlossen. Vor geladenen hohen Gästen hält
Rewandowski eine Rede. Er wird von der Nachricht unterbrochen, dass sich auf der
Morgensonne eine Schlagwetterexplosion ereignet hat. Auf
dem mit Fackeln beleuchteten Hof warten die Frauen der Kumpel, zwischen ihnen
Friedel und die schwangere Pauline. Friedrich
Boetzkes wird fast unverletzt unter einem dicken, alten Bergmann geboren, der
tot über ihm liegt und ihn vor dem nachstürzenden Berg geschützt ist. Willi
taumelt verletzt durch die mit giftigen Nachschwaden gefüllte Strecke zu den
Stallungen der Grubenpferde. Es gelingt ihm noch, die Seile zu durchschneiden.
Er sieht die Pferde in panischem Schrecken durch die Straße davon galoppieren. Dann bricht er zusammen und stirbt. Pauline
bekommt Wehen. Sie wird in das Büro des Betriebsführers gebracht, wo man mit
einer Decken einen Teil des Raumes für die Geburt abtrennt. Es wird ein Sohn. Silvester
der Jahrhundertwende. In der Siedlung öffnen sich die Türen, die Kumpel treten
mit ihren Frauen und Kindern in die frostklare Nacht hinaus. Die Männer tragen
noch Pflaster und Verbände von ihren Verletzungen. Friedrich fragt, was das
neue Jahrhundert bringen wird: Krieg und Hunger? Folge 6 - Die Kandidaten (1912): Rewandowski
hat sich als parteiloser Kandidat seines Bezirks für die Reichstagswahl
aufstellen lassen, damit will er die Wahl von Karl Boetzkes verhindern, der
inzwischen als hauptamtlicher Funktionär im selben Bezirk für die
Sozialdemokraten kandidiert. Max,
Bruno Sohn, beobachtet, wie sein kranker Großvater, der alte Friedrich Boetzkes,
trotz der Kälte nur mit dem Hemd und Hose bekleidet, die Schlackehalde
hinaufklettert. Max ruft ihn, der Alte sagt, er solle ihn in Ruhe lassen, wirft
Schlackebrocken nach ihm. "Ich hoffe, dass Karl nie vergisst, dass er mal
Bergmann war, auch wenn er nach Berlin in'n Reichstag kommt." sagte er, fällt
nach hinten über und stirbt. Rewandowski
steht unter dem Druck, die Wahl zu gewinnen. Er hofft, den Roten im Revier einen
Denkzettel zu verpassen und zwischen die Arbeiter und die Gewerkschaft einen
Riegel schieben zu können. Auf
der Vogelwiese hat Karl währenddessen seine auffällig wenigen Getreuen
versammelt. Am Abend vor der Wahl besucht Karl mit einem hohen Parteifunktionär
aus Berlin ein Etablissement. Widerwillig lässt Karl die "Show" über
sich ergehen, bis er zwischen den Mädchen, die sich anschließend den Freiern
anbieten, seine Schwester Friedel erkennt. Sie gesteht ihm unter Tränen, dass
sie ihren Eltern erzählt hat, sie arbeite als Hausmädchen bei einer reichen
Madame. Aber sie hat hier gut verdient und damit Käthe und ihren kranken Vater
unterstützt. Karl
gewinnt die Wahl. Die Sozialdemokraten werden stärkste Fraktion im Reichstag. Folge 7 - Dreißig Pfennig mehr (1912): In
einem Wanderkino bewundern die Männer und Frauen der Siedlung, wie Karl
Boetzkes zwischen anderen Abgeordneten die Treppe zum Reichstag hinaufschreitet.
Der Filmvorführer muss den Film immer wieder zurückspulen, um die kurze Szene
wieder neu vorzuführen. Friedel arbeitet im Kino als Pausenmädchen, das die
Arbeiter mit obszönen Liedern unterhält. Nach
der Veranstaltung kommt sie in dem Augenblick nach Hause, da die Gendarmerie das
Haus durchsucht, aufgrund eines Hinweises, dass hier eine verbotene Versammlung
abgehalten worden sei. Die Männer konnten rechtzeitig durch den Ausgang zum Hof
fliehen. Bruno weigert sich, vor dem Betriebsführer die Namen der Männer zu
nennen. Der Betriebsführer reagiert darauf mit einer kurzfristigen Kündigung
des Mietshauses. Nachdem
Rewandowski ein weiteres Verhandlungsangebot über 30 Pfennig mehr Lohn von Karl
und seinem Verband abgelehnt hat, wird der Streik ausgerufen. Bruno ebenso wie
Martin und Hannes gehören zu den wenigen Streikbrechern, die mit Polizeischutz
zur Zeche geführt werden. Der
Streik wird jedoch abgebrochen. Im
Morgengrauen warten Männer und Frauen der Siedlung vor Boetzkes Haus, das sie
verbarrikadiert haben, auf die Gendarmen, die das Haus räumen sollen. Aber man
bringt Käthe ein Schreiben von Herrn Rewandowski, dass sie in dem Haus wohnen
bleiben dürfen. Folge 8 - Für Kaiser und Vaterland (1914 - 1918): Auf
der Vogelwiese findet aus Anlass des siebzigjährigen Bestehens der Zeche Siegfried
ein Tauziehen zwischen Grubenbeamten und Kumpeln der Zeche statt. Der Kampf wird
abgebrochen, als ein Kurier Rewandowski die Nachricht von der Mobilmachung
bringt. Nach einem Augenblick ergriffenen Schweigens setzen Jubel und Hurra-Rufe
ein. Neben
einem Bauernhaus in der Nähe der Front steht ein Lastwagen mit der Aufschrift
"Maiers buntes Fronttheater". Im Morgengrauen wankt Friedel aus dem
Haus, gefolgt von einem jungen Offizier. Sie hat einen langen Uniformmantel
umgehängt. Darunter trägt sie nur ein kurzes Röckchen, Seidenstrümpfe und
eine weit ausgeschnittene Bluse. Karl
besucht mit seiner Frau seine Schwester Pauline. Sie versuchen gemeinsam, sie zu
überreden, dass sie bei den Schlepperinnen einen erweiterten Widerstand und
Streikabsichten zu verhindern hilft. Sie stoßen damit bei ihr und auch bei Käthe
aus aggressive Ablehnung. Als sich dann noch herausstellt, dass die Frauen einen
Kriegsgefangenen, Maurice, versteckt halten, steht Karl auf und ruft wütend:
"Verdammt noch mal, hier gehört endlich wieder ein Mann ins Haus!" Weil
Facharbeiter unter Tage gebraucht werden, erreicht Rewandowski, dass einige
Bergleute, unter ihnen Bruno, von der Front in die Heimat zurückbeordert
werden. Bruno
ist zum ersten Mal mit seinem Sohn eingefahren. Als sie vor Ort eine Pause
machen, hören sie, wie "Alarm" an die Wasserrohre geschlagen wird:
Der Kaiser hat abgedankt, der Krieg ist zu Ende! Folge 9 - Fünf Tage und fünf Nächte (1919): Otto
Schabowski kommt mit einem gekaperten Militärlastwagen, zusammen mit ein paar
schlesischen Kumpeln, durch die Siedlung gefahren. Auf dem Hof und der Hängebank
haben sich die Männer und Frauen der Zeche versammelt, auch Erna ist da. Ihre
erste Begegnung nach den vielen Jahren bleibt flüchtig und zurückhaltend. Otto
lässt die Plane auf dem Lastwagen zurückrollen: Er hat Gewehre und Munition,
Kartoffelsäcke, einen Berg Kohlköpfe, geräucherten Schinken geladen. Rewandowski
hat Karl Boetzkes um Verhandlungen gebeten. Sie treffen sich, bewacht von den
Arbeitern, im Betriebsbüro der Zeche. Karl ist als Kandidat für den Reichsrätekongress
in Berlin aufgestellt. Rewandowski schlägt die Anerkennung der Gewerkschaft als
Tarifpartner, die Achtstundenschicht und eine sofortige Lohnerhöhung vor. Karl
soll sich dafür in Berlin für die Räumung der Zeche einsetzen. Als Karl den Männern
und Frauen der Siedlung das Ergebnis stolz verkündet, bekommt er zu hören,
dass das alles überholt ist. Sie wollen die Zechen selbstständig und
gleichberechtigt mit den Unternehmen führen. Jedoch eines Tages wird die Zeche von Militär umstellt. Die beiden Parteien liegen sich nervös abwartend gegenüber, die Gewehre im Anschlag. (Quelle: ARD-Fernsehspiel, Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, Heft: Oktober bis Dezember 1983)
Fremde Links: www.angelika-bartsch.de (HP der Künstlerin) www.walter-renneisen.de (HP des Künstlers) www.vollfilm.com (über Karin Neuhäuser)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 06/2010
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