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Ein Unding der Liebe
1980
Filmliste Sohrab Shahid Saless
Inhalt
"Ein Unding der Liebe" ist die Geschichte eines Dickwanstes, eines jungen Mannes, Georg Bleistein, der als Küchenhilfe in einem Supermarkt-Restaurant arbeitet und bei Großmutter und Tante in einem kleinen Haus am Rand einer süddeutschen Kleinstadt lebt. Wegen seiner großschlächtigen Statur - als Ersatz für fehlende Liebe wurde er jahrelang von Tante und Großmutter "gefüttert" - ist er zum Gespött der Arbeitskollegen geworden. Eine Party, die Georg im Haus der Großmutter für seine Arbeitskameraden arrangiert - eigentlich nur für eine junge Kollegin, die als Kassiererin im Supermarkt arbeitet und die er seit längerer Zeit heimlich und glühend verehrt - gerät zu einem Desaster und demütigenden Erlebnis für ihn. Von der Liebe kann einer wie er eben nur träumen - auch von der Liebe seiner Mutter. Von ihr hat er seit der Kindheit nichts gesehen und nichts gehört. Tante und Großmutter behaupten, dass sie als Prostituierte und Trinkerin längst verkommen sei. Der Konflikt zwischen Georg, der Wärme und Liebe sucht, und den beiden Frauen mit ihrer engstirnigen und verlogenen Moral eskaliert und endet damit, dass er des Hauses verwiesen wird. Ohne feste Bleibe ergibt sich Georg mehr und mehr dem Alkohol, bis er auch seinen Arbeitsplatz verliert. Eines Tages, bei einem Einbruch in das Haus der Großmutter, entdeckt Georg Briefe seiner Mutter - vor Jahren geschrieben und ihm nie gezeigt. Diese Briefe sprechen von Liebe, Sorge und Trauer um den Sohn, den die Mutter - erzwungen durch die Lebensumstände - in die Obhut der Verwandten geben musste, die ihr seitdem jeden Kontakt mit ihrem Kind verweigerten. Schlagartig wird Georg bewusst, dass er um die Liebe seiner Mutter betrogen wurde. Zornentbrannt sperrt er Tante und Großmutter ein, erpresst das im Haus befindliche Bargeld von wenigen hundert Mark und macht sich auf die Suche nach seiner Mutter in der fernen großen Stadt.
Inhalt In der Großstadt, in einer schäbigen Hinterhauswohnung, findet Georg Bleistein Elsa, seine Mutter - eine vom Leben zerstörte Frau, krank und alkoholsüchtig, abhängig von einem alten Fast-food-Ladenbesitzer, der sie aushält und sie zugleich als billige Arbeitskraft ausnutzt. Georg möchte seine Mutter aus diesen bedrückenden Verhältnissen befreien und fortan für sie sorgen - doch sie lehnt eine Mutter-Sohn-Beziehung, wie Georg sie ersehnt, ab. So armselig sie auch ihr Dasein fristet, hat sie doch Angst, diese einzige Existenzmöglichkeit durch den Anspruch des Sohnes zu verlieren. Sie verleugnet ihn vor dem 'Freund', verweigert ihm die Aufnahme in die Wohnung und bringt ihn statt dessen bei Sybille, eine befreundeten Hure, unter. Wenn auch auf klägliche Weise, so erfährt Georg doch von dieser Frau zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie menschliche Wärme und Zuneigung. Georg nimmt eine Stelle als Würstchenverkäufer an, in de Hoffnung, so zu Geld zu kommen, um seiner Mutter ein besseres Leben bieten zu können. Der Traum ist schnell zu Ende, als eines Morgens die Würstchenbude aufgebrochen ist, der Besitzer ihn der Tat verdächtigt und ihm fristlos kündigt. Ohne Zukunftshoffnung sieht Georg für sich nur noch eine Möglichkeit: Um das elende Leben seiner Mutter zu rächen, will er ihren Freier töten. Der Versucht misslingt kläglich, kostet ihn das eine Augenlicht und wohl noch mehr. Zu seinem Entsetzen schlägt sich die Mutter auf die Seite des Mannes, von dem sie abhängt, verflucht sie den Sohn, der zu spät in ihr Leben trat und es nun mit seiner Kindesliebe zu zerstören droht. Der letzten Illusion beraubt und ohne Aussicht auf ein lebenswertes Leben, flieht Georg, nun völlig vereinsamt.
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"Ein Unding der Liebe" basiert auf dem 1981 veröffentlichten und von der Kritik hochgelobten zweiten Roman des Epikers und Dramatikers Ludwig Fels. Der Roman, ebenso wie der Fernsehfilm, handelt von den Niederungen des Lebens und entwirft ein düsteres, jedoch keineswegs zynisches, sondern vom Mitleiden geprägtes Bild von der Nachtseite menschlicher Existenz. Obwohl von Natur aus eher sanftmütig, wird dieser Georg Bleistein - nur auf den ersten Blick ein Monstrum - mehr und mehr in die Rolle einer Kreatur gedrängt, die sich nur mit Gewalt zu helfen weiß. Er fühlt, dass er ein erniedrigtes, häßliches Leben hat, aber er gibt lange nicht auf, den für jeden Menschen natürlichen Anspruch auf Liebe und Zuneigung einzufordern. Seine Tragik ist es, dass er durch kaltherzige und lieblose Verwandte um die Liebe der Mutter gebracht wurde zu einer Zeit, da sie noch fähig war, Liebe zu geben. So wird die verzweifelte Suche des Dickwanstes Georg nach Zuneigung, Wärme und Liebe zum Sinnbild menschlicher Existenz.
(Quelle: "SPIEL IM ZDF", Heft 3, März 1988, herausgegeben vom Zweiten Deutschen Fernsehen, Seite 28/29)
Layout: Rosemarie Kuheim - Deutsches Filmhaus Aktualisiert am 16. Oktober 2026
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