Eintausend Milliarden 

1974

 

Filmliste Dieter Wedel

 

  

 

Regie

Dieter Wedel

Drehbuch

Dieter Meichsner

Vorlage

-

Produktion

NDR

Kamera

Bernd Eismann

Musik

-

FSK

-

Länge

-

Sonstiges

-

Auszeichnung

-

Ur-/Erstaufführung

-

Genre

Politthriller

  

   

  

Darsteller

Rolle

Martin Benrath

Jakob

Klaus Schwarzkopf

Müller-Mend

Peter Ehrlich

Maahs

Jochen Striebeck

Hinze

Gisela Stein

Frau Jakob

Benno Sterzenbach

Roegner-Franke

Klaus Höhne

Krull

Robert Naegele

Serra

Charles Brauer

Oggesen

Herbert Bötticher (filmportal.de)

Oelze

Knut Hinz

Leiser

Hans-Dieter Jendreyko

Joachim Bliese

von Gahlen

Holger Hagen

Setterle

Peter Schiff

Remmels

Katrin Schaake

Frau Vonhoff

Gert Burkard

Pitschel

Antje Hagen

Käthe Staewen

Mathias Eysen

Meusel

Jürgen Flimm

Junger Vertrauensmann

Günther Strack

1. Herr aus der Industrie

Herbert Steinmetz

2. Herr aus der Industrie

Hans Häckermann

Steffen

Hans-Helmut Dickow

Fettig

Heinz Schimmelpfennig 

Funkel

Horst-Michael Neutze

Vertreter

Gundy Grand

Frau Schachthahn

   

   

     

Inhalt  

 

BENZINPREIS: DAS KARTELLAMT WIRD MASSIV --- BRÜSSEL: BISHER KEINE BEWEISE --- DAS HÄSSLICHE GESICHT DES KOMMUNISMUS UMGESTALTEN --- FUNKTIONSFÄHIGKEIT DER UNTERNEHMEN GEFÄRDET --- WEITERHIN STAGNATION BEIM MASCHINENBAU --- DER BENZINPREIS GEHT WEITER. BONN SPRICHT VON PROVOKATION ---

 

Was hat der Hauptabteilungsleiter Hinze von der Maschinenfabrik "Witter" in Darmstadt beruflich zu tun mit Jakob, dem Spitzenmanager eines multinationalen Mineralölkonzerns in Hamburg? Und mit Maahs, dem Mitglied eines Gewerkschaftsvorstandes? Oder mit Müller-Mend, einem hohen Bonner Ministerialbeamten? Obgleich er sie noch nie getroffen hat und ihnen auch in den vierzehn Tagen, von denen das Spiel erzählt, nicht begegnen wird, hängt seine Existenz von ihren Entscheidungen ab, wie ihre Entscheidungen von dem Funktionieren Hinzes.

 

Hinze hat übergenug zu tun, in diesem Frühjahr 1974 nach dem Abschluss der Tarifrunde in der Metallindustrie, die Folgen der Lohnerhöhung und der ständig steigenden Kosten aufzufangen. Allein die notwendigen Mehraufwendungen für Heizöl, die wegen der Ölpreisexplosion im vergangenen Herbst zu Buche schlagen werden - das lässt sich jetzt schon errechnen - gut ein Drittel des ohnehin knappen Gewinns seiner Firma aufzehren. Und am Ende der beiden Wochen, als er eben wieder einen seiner Sparversuche scheitern sieht, wird er konfrontiert werden mit der Ankündigung einiger Mineralölkonzerne, den Preis von neuem, diesmal den für Benzin, um einen Pfennig pro Liter anzuheben. Verständlich, was Hinze in dem Augenblick empfindet.

 

Jakob hat die Reaktion der vielen Hinzes vorausgesehen. Deshalb war auch sie schon im voraus Gegenstand der tagelangen Diskussionen umd ie Preiserhöhung im Konzern. Jakob war damit befasst. Es gehört zu seinem Tagesgeschäft, obgleich ihn in diesen Tagen Probleme der achtziger Jahre in Atem halten. Gelingt es, die New Yorker Muttergesellschaft zu veranlassen, eine gewaltige Investition in Deutschland vorzunehmen und eine Konversionsanlage hier und nicht bei einer Schwesterfirma im Ausland zu errichten?

 

Für Maaha wieder, den Gewerkschaftsvorstand, ist der Ölpreis - so sehr die hunderttausende Kollegen, die er vertritt, unmittelbar davon betroffen sind - jedoch nicht die Hauptsorge, als er während eines Wartestopps auf dem Flughafen zufällig JAKOB begegnet. MAAHS liegt am Herzen, JAKOBS Auffassungen abzutasten. Und vielleicht, dass ein Verständigungssignal über die Mitbestimmung, das die zwei austauschen, später weitreichende Folgen haben könnte.

 

Müller-Mend dagegen, den Bonner Beamten, den Jakob aufsucht, betrifft die Frage, ob es widerspruchslos hingenommen werden müsse, dass die Konzerne beim Vergaserkraftstoff (VK) schon wieder einen Pfennig "mitnehmen", unmittelbar und zuständigkeitshalber; denn er hat die Energiepolitik der Bundesrepublik mitzuverantworten. Er ist es freilich gewöhnt, immer wieder in die Schere wirtschaftlicher und politischer Interessen zu geraten. Er weiß - umstellt von den Forderungen nach Energiesicherheit, nach den Unabhängigkeit nationaler und europäischer Energieversorgung, nach Zukunftsplanung und Umweltschutz und den unermesslichen Kosten, die ihre Verwirklichung verursachen werden - dass alle Entscheidungen, die er vorbereiten will, fragwürdig bleiben müssen, weil  a l l e s  ohnehin nicht zugleich realisierbar sein wird. Jeder Verzicht aber, den er empfiehlt, wird einen hohen Preis erfordern.

 

Auf eintausend Milliarden Deutsche Mark beläuft sich der Wert des Produktionspotentials der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1974. (Übrigens: Gleichfalls eintausend Milliarden - allerdings in Dollar - beträgt der Investitionsbedarf der internationalen Mineralölindustrie bis zum Ende der achtziger Jahre.) Produktionspotential, Bruttosozialprodukt, Wachstumsraten, Investitionssteuerungsinstrumente - Begriffe aus der Volks- und Betriebswirtschaft, die uns, obgleich ihre Anwendung uns seit jeher unmittelbar betraf, so lange fremd erschienen, wie die rituellen Formeln von Freimaurerlogen, bis sie in jenem dramatischen Ölherbst 1973 endgültig in die Schlagzeilen gerieten, aus denen sie nicht mehr verschwinden werden.

 

Das Spiel Eintausend Milliarden soll den Code dieser Schlagzeilen knacken und wird an einer Modellsituation, an die wir uns noch erinnern - dies Jahr, vor Ostern, unter düsteren Wirtschaftsprognosen, kurz vor dem Rücktritt des Bundeskanzlers - von dem Verbund der Interessen und Kräfte, den wir "die Wirtschaft" nennen, eine Anschauung vermitteln.

 

In Szenen, dramatischer als ein Krimi, weil die Konsequenzen von Fehlleistungen und Entscheidungen nicht die fiktiven Opfer eines Films, sondern in Wirklichkeit letzten Endes wird alle auszuhalten haben. 

 

Ein Gewerkschaftsführer (inzwischen ist er Mitglied einer Landesregierung - ein Beispiel mehr für die Austauschbarkeit innerhalb des Top-Managements) hat einmal formuliert, dass der mündige Bürger den informierten Bürger voraussetzte.

 

Nicht zuletzt davon handelt der Film: Wie leicht es geschehen kann - und alle Tage geschieht - dass ein Informationsmittel, das Fernsehen, die  e i n e  Information in aller Unschuld unterdrückt, weil es ihre Dringlichkeit nicht erkennt, indem es eine andere Information, die ihm wesentlicher erscheint, verbreitet.

(aus: Programmblatt des Norddeutschen Rundfunks, Hauptabteilung Fernsehspiel, 11/1974)

 


  

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

  

   

   

   

   

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 19. Febr. 2016

  

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