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Franz Xaver Kroetz Regisseur Drehbuchautor Darsteller Schriftsteller Dramatiker
Geboren
am 25. Februar 1946 in München, aufgewachsen in Simbach (Niederbayern). Ab 1961 Schauspielschule in München, später Max Reinhardt-Seminar Wien, hier durfte er zwei Semester überspringen, um nach weiteren zwei Semestern vorzeitig entlassen zu werden. Dann Arbeit in verschiedenen Berufen, u.a. als Kraftfahrer, Arbeiter in einer Großmarkthalle und als Krankenpfleger. Er war Schauspieler an kleinen Münchner Theatern, wie Fassbinders 'antiteater' oder dem Büchner-Theater, wo 1968 sein Oblomow (nach Iwan Gontscharow) uraufgeführt wurde. 1969 kam er als Schauspieler an die Tegernseer Ludwig-Thomas-Bühne Rottach-Egern, wo im gleichen Jahr sein Stück Hilfe, ich werde geheiratet uraufgeführt wurde. An diesem Theater arbeitete er auch als Regisseur. Seine großen Vorbilder waren die Werke von Marie Luise Fleißer und Ödön von Horváth. Und so schrieb Kroetz auch Dialektstücke über "sozial Unterprivilegierte".
Mit den Einaktern Heimarbeit und Hartnäckig, die an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt werden kam 1971 der Durchbruch. Mit zahlreichen Stücken wie Maria Magdalena, Mensch Meier, Stallerhof oder Wunschkonzert wird Kroetz in den 70er-Jahren zum wichtigsten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker auf den heimischen Bühnen, der von 1972 bis 1980 Mitglied der DKP ist und in dieser Zeit zweimal für die bayerische Landesliste kandidiert. Seine Stücke handeln zumeist von gesellschaftlichen Randfiguren oder von Menschen, die an ihrer sozialen Situation verzweifeln. Neben 50 Dramen schreibt er Hörspiele, Drehbücher und Romane. 1981 wird sein Stück Nicht Fisch, nicht Fleisch am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt und ist wenig später an der Schaubühne in der Inszenierung von Peter Stein und an den Münchner Kammerspielen zu sehen. Zu den diversen Preisen, mit denen er im Lauf seiner Karriere geehrt wird, gehören unter anderem der Bertolt-Brecht-Literturpreis (1995), das Bundesverdienstkreuz (2005) und der Marieluise-Fleißer-Preis (2007).
1992 heiratete Franz-Xaxer Kroetz die Schauspielerin Marie-Theres Relin, Tochter der Schauspiellegende Maria Schell und des Regisseurs Veit Relin. Sie bekamen drei gemeinsame Kinder (Josephine, Magdalena, Ferdinand). Die Ehe wurde 2006 geschieden.
In den 80er Jahren schreibt er die Stücke Furcht und Hoffnung der BRD, Bauern sterben und Der Nusser, das am Bayerischen Staatsschauspiel uraufgeführt wird. Immer öfter arbeitet Kroetz auch selbst als Regisseur. Er inszeniert am Bayerischen Staatsschauspiel Stigma von Felix Mitterer, seine eigene Uraufführung von Oblomow (nach dem Roman von Iwan Gontscharow) und regelmäßig an den Münchner Kammerspielen vorwiegend seine eigenen Stücke wie Der Weihnachtstod (Uraufführung 1985). Nach einem Rückzug vom Theater in den 90er Jahren wieder an den Kammerspielen ein erfolgreiches Comeback mit Der Drang und Das Wunschkonzert, beide mit Sibylle Canonica, Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti mit Jörg Hube und Michael von Au sowie Bauerntheater.
Unauslöschlich bleibt natürlich die Rolle des Klatschreporters Baby Schimmerlos in Helmut Dietls Kir Royal. 2002 trat er in der Tatort-Episode Wolf im Schafspelz als Bauer Stadler auf. Aktuell sieht man Kroetz in Joseph Vilsmaiers Die Geschichte vom Brandner Kaspar. Für diesen Film erhielten Michael Herbig und Franz Xaver Kroetz den Bayerischen Filmpreis für ihre Rollen (Sonderpreis der Jury). Rolle in der Polizeiruf 110-Episode Die Lücke, die der Teufel lässt (2010, Regie: Lars Montag, Drehbuch: Dirk Kämper und Lars Montag). Presseheft zum Download dieser Polizeiruf 110-Episode (www.br-online.de) >>> (Quelle: Einige Passagen aus wikipedia)
Auszeichnungen: 1972 Deutscher Kritikerpreis 1974 Hannoverscher Dramatikerpreis 1976 Mülheimer Dramatikerpreis für Das Nest 1985 Ernst-Hoferichter-Preis 1995 Bertolt-Brecht-Literaturpreis 1996 Oberbayerischer Kulturpreis 1999 Pfeifenraucher des Jahres 2005 Bundesverdienstkreuz 2007 Marieluise-Fleißer-Preis 2008 Bayerischer Filmpreis für Die Geschichte vom Brandner Kaspar
Eine kleine Auswahl von Filmen mit/von Franz-Xaver Kroetz (weitere Filme)
Nachfolgend einige wichtige Theaterarbeiten
Wildwechsel (1971; Uraufführung, Städt. Bühnen Dortmund)
Heimarbeit und Hartnäckig, Regie jeweils Horst Siede, Münchner Kammerspiele, 1971 Inhalt des Stückes "Heimarbeit": Martha und Willy leben in ihrem eigenen Häuschen mehr oder weniger nebeneinander her. Willy verliert durch Sauferei und einem Unfall mit seinem Motorrad seine Arbeit. Seinen langen Krankenhausaufenthalt nutzt seine Martha, die als Putzfrau ihren Teil zur Haushaltskasse beisteuert, zu einem Seitensprung, der nicht folgenlos bleibt. Der Unfall zwingt Willy zur Heimarbeit und so tütet er Blumensamen ein. Nachdem Marthe ihm den Seitensprung und die Schwangerschaft beichtet, stellt Willy auf stur, denn "es ist ja nicht sein Kind", wie er ihr immer wieder zu verstehen gibt. Seine Mutter - so erinnert sich Willy - hat in früherer Zeit mehrere Kinder abgetrieben. Er gibt seiner Frau ja "nur den Ratschlag", wie er sich später bei ihr entschuldigt. Die Abtreibung misslingt, das Kind kommt behindert auf die Welt. Willy tötet das Kind, als Martha ihn wegen seiner unentwegten Demütigungen verlässt. Willy wird nicht belangt für sein Tun und Martha kommt eines Tages wieder zu ihm zurück... und alles ist wieder eitel Sonnenschein.
Männersache (72; UA, Staatstheater Darmstadt)
Oberösterreich (72; UA, Hamburg)
Stallerhof (72; UA, Dt. Schauspielhaus Hamburg)
Globales Interesse (72; Bayer. Staatsschauspiel München) Dolomitenstadt Lienz (72; Kammerspiele Bochum) Herzliche Grüße aus Grado (73) Weitere Aussichten ... (73; Fernsehspiel) Maria Magdalena (74; UA, Heidelberg) Das Nest (75; UA, München) Reise ins Glück (75; UA, Zürich) Sterntaler (77; UA, Braunschweig) Agnes Bernauer (77; UA Leipziger Theater) Mensch Meier (78; UA, Düsseldorf) Der stramme Max (80; UA, Recklinghausen) Nicht Fisch, nicht Fleisch (81; UA, Düsseldorf) Furcht und Hoffnung der BRD (84; UA, Bochum) Bauern sterben (85; UA, München) Der Weihnachtstod (86) Der Nusser (86; UA, München) Zeitweh (88) Oblomow (89; UA, München) Bauerntheater (91; UA, Köln)
Der Drang (94; UA, München) - Ein Gespräch - Hilde und Otto sind Besitzer einer Friedhofsgärtnerei. Sie nehmen Fritz, Hildes Bruder, bei sich auf, der wegen Exhibitionismus im Gefängnis saß. Seine bloße Anwesenheit bringt aber Unruhe in den Betrieb: Ottos verborgene Sexualphantasien kommen an die Oberfläche. Aber seine Frau Hilde will oder kann sie nicht befriedigen. Otto konzentriert sich somit ganz auf die junge Angestellte der Gärtnerei, Mitzi, die sich aber eher für Fritz interessiert, der ihre Fantasie anregt. Fritz will aber von alldem nichts wissen. Nach einem Ausflug in den Biergarten fällt Otto schließlich über Mitzi her. Es entsteht ein heilloses Durcheinander, das letztlich darin gipfelt, dass Hilde versucht, Mitzi umzubringen. Damit der Familienfrieden wieder hergestellt wird, wird Mitzi verstoßen, Fritz fährt mit dem Fahrrad davon. Es kehrt wieder Ruhe ein. (rk)
Ich bin das Volk (94; UA, Wuppertal) Der Dichter als Schwein (96; UA, Düsseldorf) Das Ende der Paarung (2000; UA, Berlin) Die Trauerwütigen (2001)
Buchveröffentlichungen (eine Auswahl) Drei Stücke (71) Vier Stücke (72) Gesammelte Stücke (75) Drei neue Stücke (76, 79) Weitere Aussichten (76) Chiemgauer Geschichten (77) Der Mondscheinknecht (82) Frühe Prosa. Frühe Stücke (83) Nicaragua-Tagebuch (85) Sämtliche Stücke (87; 3 Bde.) Stücke I-IV (89; 4 Bde.) Brasilien-Peru-Aufzeichnungen (91) Heimat
Welt. Gedichte eines Lebendigen (96).
Fremde Links auf dieser Seite: www.filmportal.de (Film Die Geschichte vom Brandner Kaspar) www.filmportal.de (Film Der Leibwächter) www.zeit.de (Dossier) www.theaterimhausderkunst.de (über Sibylle Canonica) http://wissen.spiegel.de (über das Theaterstück "Der Drang") http://wissen.spiegel.de (über das Theaterstück "Nicht Fisch nicht Fleisch") http://wissen.spiegel.de (Über das Theaterstück "Bauern sterben") www.dieterwunderlich.de (Biografie Marie-Luise Fleißer) www.taz.de (Polizeiruf 110 - Die Lücke, die der Teufel lässt) www.br-online.de (pdf-Datei: Presseheft Polizeiruf 110 - Die Lücke, die der Teufel lässt)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 2. Juni 2011 |