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Rainer Werner Fassbinder
Regie, Regie-Assistenz, Darsteller, Drehbuchautor, Drehbuch-Mitarbeit, Mitwirkung, Sprecher, Vorlage, Kamera, Ausstattung, Kostüme, Schnitt, Musik, Liedtexte, Produzent, Co-Produzent, Herstellungsleitung, Produktionsleitung
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Geboren:
31. Mai. 1945 in Bad Wörishofen Gestorben:
10. Juni 1982 in München Sohn
eines Arztes (Dr. Helmuth Fassbinder) und einer Übersetzerin und späteren
Schauspielerin (Liselotte, geb. Pempeit), besuchte
Schule und Gymnasium in München. 1951 - 1955 besuchte er die Rudolf-Steiner-Schule. Von 1955 bis 1961 Humanistisches Gymnasium bzw. Realschule in München, Augsburg und wieder München. Verzichtete auf das Abitur und lebte zwei Jahre als Zimmervermieter in Köln, wo er von 1961 - 1963 bei dem Vater lebt. Ab Herbst 1963 absolvierte er eine Schauspielausbildung, zuerst bei Intendant Kraus, dann bei Fridl Leonhard. 1966 fiel er bei der Aufnahmeprüfung zur Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin durch. Leider
ist sein erster
Kurzfilm, der im Sommer 1966 (8 mm) gedreht wurde, This Night,
leider verschollen. 1967
kam er zum "action-theater"
in die
Münchener Müllerstraße,
wo er spielte und inszenierte, Stücke bearbeitete und schließlich selber
schrieb. Nach
dem Zusammenbruch dieser Gruppe im Mai 1968 gründete er mit einigen der Mitglieder,
darunter Peer Raben, Hanna Schygulla und
Kurt Raab, das "antiteater". Der erste eigene Spielfilm der Gruppe Liebe - kälter als der Tod entstand 1969, der im Juni bei den Berliner Filmfestspielen uraufgeführt wurde. Mit dem zweiten Film im gleichen Jahr Katzelmacher kam der Durchbruch, der auch gleich Preise einbrachte (Preis der Filmkritik, Preis der Deutschen Akademie für darstellende Künste, Bundesfilmpreis). Mit 2 bis 3 Filmen pro Jahr gehörte Fassbinder bald zu einem der prominentesten Vertreter des Neuen Deutschen Films.
1971
mit anderen Regisseuren zusammen Gründung des "Filmverlags der
Autoren", den er jedoch Mitte 1977 wieder verließ.
In der Spielzeit 1974/75 übernahm Fassbinder die Leitung des "Theaters am Turm" (TaT) in Frankfurt/Main, schied aber im Juni 1975 wieder dort aus. Wegen angeblicher antisemitischer Tendenzen machte Fassbinder mit dem Theaterstück Der Müll, die Stadt und der Tod im Frühjahr 1976 Furore, so dass die Veröffentlichung vom Suhrkamp-Verlag zurückgezogen wurde. Die Verfilmung dieses Stücks unter der Regie von Daniel Schmid (Schatten der Engel) wurde ebenfalls von konservativen Kritikern als "links-faschistisch" verurteilt, kam aber 1976 in die Kinos. Anmerkung: Lt. Fassbinder-Foundation wurde das Stück nicht in Deutschland aufgeführt (von einer Amateur-Aufführung in Bochum 1979 und einer einzigen Aufführung vor der Presse am 4. November 1985 im Schauspiel Frankfurt abgesehen; Regie: Dietrich Hilsdorf). Erste Aufführungen 1987 in New York (R: Nick Fracaro) und in Kopenhagen, Dänemark (R: Klaus Hoffmeyer). Weitere Inszenierungen seit 1987: New York (zwei), Kopenhagen (drei), Italien (drei), Schweden (vier), Ungarn, Los Angeles, Rotterdam, Tel Aviv, Den Haag (R: Johan Doesburg), Paris (R: Pierre Maillet).
Fassbinders Pläne, die Romane Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond von Gerhard Zwerenz und Soll und Haben von Gustav Freytag zu verfilmen, scheiterten, weil auch hier angenommen wurde, dass antisemitische Vorurteile bestätigt oder hervorgerufen werden könnten. Der Intendant des WDR verweigerte diesen Vorhaben seine Zustimmung. Seine
Vorliebe galt dem Hollywood-Melodram, auch wenn er Mitte der 70er Jahre seinen
Plan aufgab, nach Hollywood zu gehen, so ist der Einfluss dieser Filme,
besonders der seines Vorbildes Douglas
Sirk in den späteren Filmen
unverkennbar. Im Gegensatz zu frühren Filmen wie Fontane
Effi
Briest oder Angst
essen Seele auf hatte er
mit den Filmen Lola,
Die
Ehe der Maria Braun und Lili
Marleen bei dem breiten Publikum Erfolg. Seine 13teilige Serie Berlin
Alexanderplatz nach dem gleichnamigen Buch von Alfred Döblin
gehört zu
den Höhepunkten der Fernsehgeschichte.
Sein allerletztes Projekt, Ich bin das Glück dieser Erde, das er im Juli 1982 realisieren wollte, kam nicht mehr zustande. Er
starb am 10. Juni 1982 in München an einer Überdosis Kokain. (Auszüge aus: Rainer Werner Fassbinder, herausgegeben von Peter W. Jansen und Wolfram Schütte, Fischer Cinema Taschenbusch, Nr. 11318, Frankfurt 1992.)
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Gratulanten zum 60. Geburtstag Zeitschrift filmdienst.de Filmstiftung NRW präsentiert vom 3. + 6.7. ein Special Bei Filmportal ist Fassbinder die "Person der Woche" Die Filmzeitschrift filmdenken.de schreibt ein umfangreiches Essay Günter Rohrbach schreibt in "Die Welt" über Rainer Werner Fassbinder und die Journalistin Veronika Rall
Wichtig - Gefunden am 26. August 2005 >>> Die Kulturstiftung des Bundes fördert das Restaurierungsprojekt mit 450.000 Euro!!!
Neue Informationen über dieses Projekt bei BAVARIA FILM >>> (PDF-Datei)
Auszeichnungen und Sonstiges:
1966:
Für seinem Film Nur
eine Scheibe Brot
- Dialog über einen Auschwitzfilm - erhält Fassbinder den dritten
Preis bei einem Dramenwettbewerb der
Jungen Akademie München. 1969: Sein erster Spielfilm Liebe - kälter als der Tod ist zwar nominiert für den >Goldenen Bären<, bleibt aber noch weithin unbeachtet. Dagegen erhält seine zweite Regiearbeit bei der Verfilmung des Gastarbeiter-Melodramas Katzelmacher den >Preis der deutschen Filmkritik<, den FIPRESCI-Preis und den >Evangelischen Filmpreis<.
1970:
Filmband in Gold für Herstellung und Gestaltung von Katzelmacher. 1971:
Filmband in Gold für Warum
läuft Herr R. Amok?.
1974: Ob man es nun glaubt oder nicht, aber R. W. Fassbinder tritt in Hans Rosenthals DALLI DALLI auf. 1978: Beteiligung an der Gemeinschaftsproduktion von neun
Regisseuren Deutschland im Herbst.
Der Film behandelt die kritische Zeit um die Entführung und Ermordung
Hanns-Martin Schleyers (1915-1977) im Jahre 1977. Außerdem läuft Fassbinders
Film In einem Jahr mit 13 Monden
an, der die Tragödie eines Mannes schildert, der sich aus Liebe in eine Frau
umwandeln lässt und trotz seines Einsatzes scheitert. 1979:
Ein
internationaler Erfolg wird die Verfilmung einer melodramatischen Erzählung aus
dem Deutschland der Nachkriegszeit unter dem Titel Die
Ehe der Maria Braun. Der Film wird mit dem deutschen >Filmband in Silber<
und dem >Großen Preis der Filmtage von Orleans< ausgezeichnet.
1981: Der Kino-Film Lili Marleen, der auf Lebenserinnerungen der Sängerin Lale Andersen basiert, wird zu einem breiten Publikumserfolg. Im selben Jahr filmt Fassbinder seinen ersten und einzigen Dokumentarfilm: Theater in Trance. Mit der Ausstrahlung des Films Die Sehnsucht der Veronika Voss erlebt er seinen letzten großen Erfolg. Der Film vom Niedergang eines ehemaligen Ufa-Stars erringt bei den 32. Berliner Filmfestspielen den >Goldenen Bären<.
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Wie Rainer Werner Fassbinder Filmemacher wurde: "Ich
habe gelernt, Filme zu machen, indem ich sie gemacht habe. Nur wer Leier spielt,
lernt Leier spielen. Ich hab' halt mal bei einem Film Ton gemacht, mal bei einem
Regieassistenz und hab' bei ein paar Filmen mitgespielt. Regieassistenz hab' ich
gemacht bei einem Herrn Willutzki, der hat einen Film gemacht über
kindergelähmte
Kinder, wie die Sport treiben. Ton hab' ich gemacht bei einem Dokumentarfilm
über uneheliche Mütter in Norditalien, und gespielt hab' ich bei
Bundeswehrfilmen, die für die Bundeswehr produziert werden, um den armen
Soldaten zu zeigen, dass man, wenn man in der Autoreparatur-Werkstatt arbeitet,
auf die Bremskolben kein Öl spritzen darf, weil sonst ein tödlicher Unfall
passieren kann. So hab' ich halt das Filmemachen gelernt. Und dann bin ich sehr
viel ins Kino gegangen, drei Jahre lang jeden Tag zwischen drei- und viermal. In
alle Filme, ich hab' mich da nicht spezialisiert, was man halt so schafft am
Tag, vom Leopold ins Marmorhaus und vom Marmorhaus ins ABC und vom ABC ins
Studio für Filmkunst. Und dann gab's da mal so ein Institut in München, das
Deutsche Institut für Film und Fernsehen, da konnte man so Filmliteratur aus
dem Ausland lesen, die Cahiers und Sight
and Sound, man konnte auch reden und konnte zugucken, wie andere Leute Filme
schneiden. Da gab's einen Schneidetisch, wo ich mir an einem Tag das Schneiden
beigebracht habe." (aus:
Die Filmemacher, 1973, Barbara Bronnen/Corinna Brocher)
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Auszüge aus der Rainer Werner Fassbinder-Foundation NEWSLETTER 2003 Die
RWFF wurde
1986 von Liselotte Eder, der Mutter von Rainer Werner Fassbinder, gegründet und
1992 auf Juliane
Lorenz, der langjährigen Cutterin und Lebensgefährtin von
Rainer Werner Fassbinder, übertragen, die derzeit Geschäftsführerin der
Foundation ist. Das Werk von Rainer Werner Fassbinder umfasst 33 Kino- und Fernsehfilme 4 Fernsehserien (bestehend aus insgesamt 23 Teilen) 4 Videofilme in Spielfilmlänge sowie 30 Theaterstücke.
Als Schauspieler wirkte er sechsmal in einer Hauptrolle und in 12 Filmen anderer Regisseure mit, davon viermal in einer Hauptrolle. Seit ihrer Gründung arbeitet die Fassbinder Stiftung an der Erhaltung dieses Vermächtnisses, indem sie Urheberrechte klärt und wiederherstellt, einbehaltene Forderungen auslöste, Musikrechte ablöst und Filme, wie beispielsweise Warnung vor einer heiligen Nutte, Angst vor der Angst, Acht Stunden sind kein Tag und Welt am Draht rekonstruierte. Darüber hinaus hat sich die Foundation langfristig zum Ziel gesetzt, neue Kopien und Sicherheitsnegative für alle eigenen Produktionen des Produzenten und Regisseurs anzufertigen. 1992
organisierte die Fassbinder-Foundation
am 10. Todestag von Rainer Werner Fassbinder die erste große
Fassbinder-Retrospektive in Deutschland zusammen mit einer umfassenden
Ausstellung von Materialien aus dem Leben und Werk von Rainer Werner Fassbinder.
Von mehreren Filmen wurden neue Kopien angefertigt, Warnung vor einer
heiligen Nutte und Lola wurden erneut im Kino ausgewertet,
und Berlin Alexanderplatz
im
Fernsehen landesweit übertragen. Im Anschluss an diese Retrospektive fanden
weltweit Retrospektiven statt, die von den örtlichen Goethe-Instituten
organisiert wurden. 1997 organisierte die Fassbinder-Foundation zusammen mit dem Museum of Modern Art, New York (MoMA) und den örtlichen nordamerikanischen Goethe-Instituten die erste umfassende USA/Kanada-Retrospektive, die zur erfolgreichsten Retrospektive eines europäischen Filmemachers in den Vereinigten Staaten wurde. Für dieses Ereignis fertigte die Fassbinder-Foundation 20 neue mit englischen Untertiteln versehene Kopien an, stellte Negative wieder her und veranstaltete in New York zur Eröffnung der Retrospektive im Januar 1997 eine Sonderveranstaltung im MoMA. Die USA/Canada-Retrospektive endete im Juli 1998 mit über 30 Stationen. 1999 führten das National Theatre in London und das British Film Institute die Retrospektive im Vereinigten Königreich fort. Das Hauptziel der Fassbinder-Foundation für die nächsten Jahre besteht darin, das umfassende Material von und über Rainer Werner Fassbinder, deren diverse Depositen, die die Fassbinder-Foundation zum Teil besitzt oder verwaltet, einzusehen und zu katalogisieren. Es handelt sich um sämtliche handgeschriebenen Materialien von Fassbinder sowie um Produktionsmaterialien, zum Beispiel: Poster, Dias, Verleihunterlagen, Theaterprogramme, Kritiken, Spezialliteratur sowie Originalrequisiten und -kostüme. Die Notwendigkeit einer Katalogisierung wurde aufgrund des weltweit wachsenden Interesses am Werk von Fassbinder seitens Studenten und Wissenschaftlern immer wichtiger.
Im
Dezember 1998 hat die Fassbinder-Foundation
sich an der Gründung der amerikanischen
Schwesterngesellschaft The Fassbinder Foundation (FF Inc.) beteiligt. Diese -
nach den Gesichtspunkten des amerikanischen Stiftungsrecht
gegründete unabhängige gemeinnützige Foundation - bemüht sich mit ihren drei
Direktoren an der Spitze Laurence Kardish (MoMA, Dept. of Film & Video),
Ingrid Schreib-Rothbart (langjährige Mitarbeiterin des Goethe-Institutes, NY)
und Juliane Lorenz (Fassbinder-Foundation) und einem
hochkarätigen Advisory Board von international anerkannten Künstlern,
Filmwissenschaftlern und Journalisten um die Verbreitung und Unterstützung
des Werkes Fassbinders und anderen europäischen
Film-Theater- und Liedautoren in den USA.
Die Fassbinder-Foundation hat auch einen Barpreis gestiftet, den Rainer Werner Fassbinder-Preis, der erstmals 1993 an Derek Jarman ging und 1997 an die Europäische Filmakademie weitergereicht wurde. Der Preis - der nunmehr anlässlich der jährlichen Preisverleihung der Europäischen Filmakademie verliehen wird - trägt den Titel: European Discovery of the Year - Fassbinder Award. Er zeichnet europäische Künstler aus, die den Bereich Kino - im Sinne der Arbeit von Rainer Werner Fassbinder - aus einem eigenwilligen und unabhängigeren Blickwinkel betrachten.
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Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 19.05.2011 |