Satansbraten 

1976

 

Filmliste Rainer Werner Fassbinder

 

  

  

Regie

Rainer Werner Fassbinder

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Drehbuch

Rainer Werner Fassbinder

Vorlage

-

Produktion

Albatros / Trio Film

Kamera

Jürgen Jürges (1. Phase), Michael Ballhaus

Musik

Peer Raben

FSK

-

Länge

112 Minuten

Sonstiges

Drehzeit: 29 Tage

Filmbeschreibungen

1. Goethe-Institut

2. filmzentrale.com

3. fassbinderfoundation

Ur-/Erstaufführung

07.10.1976 Filmwoche Mannheim, TV Juni 2001

Genre

Satire

  

Dem Film ist ein Zitat von Antonin Artaud vorangestellt:

"Ce qui différence / les païens de nous / c'est l'origine / de toutes leurs croyances / il y a un terrible effort / pour ne pas penser en hommes, / pour garder le contact / avec la création entière / c'est-à-dire avec la divinité."

    

  

 

Darsteller

Rolle

Kurt Raab

Walter Kranz

Helen Vita

Luise Kranz

Volker Spengler

Ernst Kranz

Ingrid Caven

Lilly

Marquard Bohm

Rolf, ihr Mann

Y Sa Lo

Lana von Meyerbeer

Ulli Lommel

Lauf

Armin Meier

Stricher

Katharina Buchhammer

Irmgard von Witzleben

Vitus Zeplichal

Urs

Dieter Schidor

Willi

Michael Octave

Jünger

Katren Gebelein

Lilly Mutter

Helmut Petigk

Schneider

Brigitte Mira

Walters Mutter

Peter Chatel

Eugen

Hannes Gromball

Taxifahrer

Adrian Hoven

Arzt

Monika Teuber

Dame im Fahrstuhl

    

     

     

Inhalt  

  

Zentrale Figur ist der neurotisch-hysterische, ich-besessene Poet Walter Kranz. Zur Zeit der studentischen Aufstandsbewegung als "Dichter der Revolution" gefeiert, ist Kranz heute ein "Dichter in der Krise", ganz offensichtlich ein ausgebranntes Wrack. Sexuell frustriert, von Geldnöten gebeutelt, lebt Kranz, eingeklemmt in einen Haushalt mit der keifenden Ehefrau und einem debilen insektensammelnden Bruder, in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Als nach langer Zeit der kreativen Verstopfung wieder ein Kunstwerk entsteht, ist es ein Gedicht, das, wie sich herausstellt, wortwörtlich von Stefan George stammt. Als Plagiator beschimpft, schafft sich Kranz in die Wahnvorstellung hinein, George zu sein ­ bis hin zum Weihekult des hehren Künstlertums, zur Idee des Herrenmenschen und zum Versuch praktizierter Homosexualität. Einen Jüngerkreis stellt er aus gemieteten Strichjungen zusammen, und Andrée, eine ältliche Verehrerin, mit deren Ersparnissen er dies alles finanziert, macht er zu einem Bündel masochistischer Unterwerfungslust. Satansbraten ist eine wenig bekannte, überraschende Posse, die sich in rasendem Tempo über falsch verstandenes Künstlerdasein lustig macht. (Quelle: Kino Xenix, Zürich)

  

  Die beiden Filmaushangfotos wurden mit von Einhorn-Film zur Verfügung gestellt

  

  

Margit Carstensens merkwürdigste, dennoch aber eigentümlich starke darstellerische Leistung bei Fassbinder ist ihre Rolle in Satansbraten. Sie spielt eine alte Jungfer, deren Gesicht von Warzen bedeckt ist und die sich masochistisch zu den Füßen des  gescheiterten und frustrierten Schriftstellers Kranz (Kurt Raab) niederlässt. Kranz, der unter dem Pantoffel seiner Ehefrau steht und auch noch einen schwachsinnigen Bruder (Volker Spengler) versorgen muss, erfreute sich während der Studentenbewegung kurzzeitig des Ruhms als "Dichter der Revolution". Das erste Gedicht, das er nach einer lang andauernden Schreibblockade produziert, erweist sich als Plagiat von Stefan Georges Der Albatross. Kranz ist überzeugt, dass er die Reinkarnation Georges ist, und umgibt sich mit homosexuellen Prostituierten, um dessen "Kreis" zu imitieren. Seinen Lebensstil kann Kranz nur finanzieren, indem er bettelt und  stiehlt. Als er von einem seiner Gläubiger zusammengeschlagen wird, entdeckt er die Freuden des Schmerzes. Dies inspiriert ihn zu seinem Bestseller "Der Faschismus wird siegen oder Keine Feier für den toten Hund des Führers".

  

Satansbraten, eine grausame, überdrehte Satire auf den Opportunismus der Kulturindustrie und den Narzissmus der Künstler, schockierte die Kritik durch seine Direktheit, seine schrille Vulgarität und durch die offene Gewalttätigkeit, allesamt Dinge, die einem selbstquälerischen Impuls des Filmemachers zugeschrieben wurden. Beim Wiedersehen erweist sich der Film als besser als sein Ruf, und dies nicht nur, weil er Kurt Raab eine Spitzenleistung abtrotzte. Es ist der seltene Versuch einer Komödie von einem Filmemacher, dem nachgesagt wird, er sei absolut humorlos gewesen, und Satansbraten zeigt Fassbinder, wie er sich selbst amüsiert, ohne dem Publikum oder den Schauspielern die Komik zu verraten. Doch es gibt auch Momente, die eienr surrealen Logik in Stil des späten Luis Buñuel folgen, wie die Szene, in der ein Polizist, der Kranz' mutmaßliche Rolle beim Sexualmord an einer reichen Dame der Gesellschaft untersucht, sich vom Tatverdächtigen zu einem gemeinsamen heißen Fußbad einladen lässt. In anderer Hinsicht erweist sich Satansbraten als Vorstudie zu Eine Reise ins Licht - Despair, weil hier das Thema vom Doppelgänger als historischer Figur eingeführt wird, vielleicht in Erinnerung an Marx' Diktum, dass diejenigen, die nicht aus der Geschichte lernen, verdammt sind, sie zu wiederholen - zunächst als Tragödie, dann als Farce. Als Porträt einer "verrückt" gewordenen Familie erinnert der Film zudem an Whity und Warnung vor einer heiligen Nutte, wo Fassbinder in der Rolle des Herstellungsleiters Sascha sagt: "Das einzige Gefühl, das ich akzeptieren kann, ist Verzweiflung!"

(Quelle: Thomas Elsaesser: "Rainer Werner Fassbinder", Bertz Verlag GbR, Berlin, 2001, Seiten 452-4453, Textübernahme mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

 

 

 

 

Fremde Links:

Goethe-Institut

filmzentrale.com

www.fassbinderfoundation.de 

http://home.hum.uva.nl (HP des Autors Thomas Elsaesser)

 

  

 


  

 

 

   

   

    

   

   

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 07/2010 

Die Fotos wurden mir freundlicherweise von Einhorn-Film zur Verfügung gestellt.