Helen Vita

(Helene Vita Elisabeth Reichel)

   

     

   

  

  

  

Chansonette und Schauspielerin

Helen Vita

  

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

  

Geboren am 7. August 1928 in (Hohenschwangau / Oberbayern)

Gestorben am 16. Februar 2001 (Berlin)

  

Helen Vita war die Tochter des Kinokonzertmeisters Anton Reichel und der Cellistin Jelena Pacis. Sie ließ sich drei Jahre lang am Musik-Konservatorium in Genf bei Jacques Feyder und seiner Ehefrau Francoise Rosay ausbilden, da sie durch die Flucht vor den Nazis mit ihren Eltern in die Schweiz geflohen war. So wurde französisch ihre zweite Muttersprache. 1946 ging Helen Vita nach Frankreich und spielte sowohl am Theater (1946/47 am Pariser Théâtre du Vieux-Colombier) als auch erstmals beim Film (1946). 

   

Bereits 1945 debütiert Helen Vita in Thornton Wilders "Unsere kleine Stadt". 1947 war sie am Züricher Schauspielhaus die Eva in der von Bertolt Brecht inszenierten Uraufführung seines Stückes Herr Puntila und sein Knecht Matti. Brecht soll von ihr sehr angetan gewesen sein und wollte sie an seine Ost-Berliner Bühne holen, aber Vita lehnte ab. Es heißt, er soll ihr zu "sehr vom Sozialismus geschwärmt haben". 

    

1950 wechselte Helen Vita an das Cabaret Féderal, im Jahr darauf an das Münchner Kabarett "Die kleine Freiheit". Dort sang sie ihre später sehr bekannten frechen Chansons und frivolen Couplets, womit sie im ganzen Bundesgebiet sehr bekannt wurde. So sorgte Helen Vita Für Schlagzeilen, denn ihre LP "Die allerfrechsten Chansons aus dem alten Frankreich" ließ Nordrhein-Westfalens Arbeits- und Sozialministerium  1966 verbieten und von der Kriminalpolizei aus den Schallplattenläden entfernen. Noch Ende des Jahrzehnts waren die Platten nur unter dem Ladentisch zu erhalten, was sie natürlich um so begehrlicher machte. Zweimal wurde Vita mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 1985 erhielt sie den Deutschen Kleinkunstpreis. 

 

Eine ihrer ersten Filmrollen war 1951 ein Telefonfräulein Lüthi in Leonard Steckels Palast-Hotel. 1953 spielte sie an der Seite von Gustav Frölich und Gert Fröbe in dem Liebesfilm Die kleine Stadt will schlafen gehn, Regie Hans H. König. 1955 und 1956 war sie in Bonjour, Kathrin und Dany, bitte schreiben Sie zu sehen. 1959 war Helen Vita in Am grünen Strand der Spree von Fritz Umgelter zu sehen und Regisseur Imo Moszkowicz setzte sie 1963 in Es war mir ein Vergnügen ein, bei Wolfgang Staudtes Ganovenehre spielte sie an der Seite von Gert Fröbe, Mario Adorf und Karin Baal. Weiterhin wirkte sie in zahlreichen Nebenrollen beim Film mit, vor allem, um ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen. Aber nachdem ihr Körpergewicht deutlich zugenommen hatte, wurde sie meistens mit "halbseidenen" Rollen besetzt (wie Kay Weniger schreibt), beispielsweise als Wirtin einer Kaschemme, sie spielte Puffmütter oder lüsterne Hausfrauen. Aber sie hatte auch  durchaus Rollen bei renommierten Filmemachern und Regisseuren, die vermutlich ihr Talent eher erkannt hatten, so hat sie auch unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder mitgewirkt, der mir ihr Filme wie Lili Marleen, Berlin Alexanderplatz und Satansbraten drehte. Sie soll einmal gesagt haben: "Nie habe ich mich so zu Hause gefühlt wie bei Fassbinder, ich war einfach von ihm angefressen." 

  

Chansonette und Schauspielerin

Helen Vita

  

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

Im Fernsehen war sie zu sehen in Serien wie Pyjama für drei oder Polizeiinspektion 1. Auch für Salto Postale, Bistro Bistro und Matchball stand sie vor der Kamera. 

 

Das Etikett des Frivolen haftete ihr bis zuletzt an. So waren freche Lieder auch in letzten Programm "Die Alte singt ja immer noch" zu hören. Große Erfolge feierte sie bis zuletzt auch zusammen mit ihren Freundinnen Evelyn Künneke und Brigitte Mira mit dem Tourneeprogramm "Drei alte Schachteln". Und mit der Berliner Diseuse Gisela May hieß ihr Programm "Wenn die beste Freundin...".

  

Helen Vita war seit 1956 mit dem 1997 verstorbenen Schweizer Komponisten Walter Baumgartner verheiratet. Aus dieser Verbindung gingen die Söhne Dominik und Patrick hervor.

  

Nach Angaben ihres Managers und Pianisten Frank Golischewski ist Helen Vita am 16. Februar 2001 im Alter von 72 Jahren in einem Berliner Krankenhaus an den Folgen ihrer Krebserkrankung gestorben.

  

Im Jahre 2000 hatte sie noch zwei renommierte Preise entgegennehmen können: Bundesverdienstkreuz I. Klasse und die Goldene Kamera von HörZu für ihr Lebenswerk.

        

    

Eine kleine Auswahl von Filmen mit Helen Vita

  

Titel

Jahr Regie

08/15 (Rolle: Lore Schulz)

Null-acht-fünfzehn war für die deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges ein geflügeltes Wort, bei dessen Verwendung jeder wusste, was damit gemeint war: ständig wiederkehrende Routinehandlungen, Typen, Ereignisse, Schikanen und Quälereien, die man nicht hinterfragte, weil sie zum Alltag gehörten. Und genau darum geht es in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Hans Hellmut Kirst unter der Regie von Paul May. Kirst, während des gesamten Dritten Reiches Berufssoldat, verarbeitete in seiner Romantrilogie seine Erlebnisse beim "Barras" und landete damit zu Beginn der 1950er-Jahre einen sensationellen Erfolg. Es entwickelte sich jedoch auch eine kontroverse Diskussion, weil viele ehemalige Landser den Stoff als 1:1-Dokumentation ihrer Erfahrungen ansahen, eine konservative Opposition aus den Kreisen ehemaliger Wehrmachtsoffiziere ihn hingegen als Angriff auf ihren "Stand" empfand. Eine Diskussion, in die sich sogar der damalige Bundesminister Franz Josef Strauß einschaltete. Entsprechend groß war das Interesse der deutschen Filmwirtschaft an einem Drehbuch zu 08/15, dessen Umsetzung dann in den Jahren 1954-1956 als Trilogie mit großem Erfolg in deutschen Lichtspielhäusern aufgeführt wurde. (Quelle: Amazon)

1954/55 Paul May

Kirschen in Nachbars Garten (Rolle: Rita, Dienstmädchen)

1956 Erich Engels

Das Mädchen Rosemarie (Rolle: Eveline)

1958 Rolf Thiele

Es war mir ein Vergnügen (Rolle: Lotte Menzel-Schröder)

1963 Imo Moszkowicz

Die Feuerzangenbowle (Rolle: Frau Windscheid)

Heinrich Spoerls Roman der Geschichte vom Privatdozenten Pfeiffer, der die Streiche der Pennälerzeit nachholt, wurde mehrfach verfilmt, wobei Helmut Käutner hier kein glückliches Händchen damit hatte, denn diese Verfilmung hatte nichts vom "Original" mit Heinz Rühmann, da konnte sich Walter Giller noch so sehr anstrengen.

1970 Helmut Käutner

Jürgen Rolands St. Pauli-Report (Rolle: Hanni, Prostituierte)

1971 Jürgen Roland

Satansbraten (Rolle: Luise Kranz)

1975 Rainer Werner Fassbinder

Der Alte (Blütenträume) 

1977 Alfred Vohrer

Berlin Alexanderplatz (Rolle: Fränze)

1979 Rainer Werner Fassbinder

Happy Birthday, Türke! (Rolle: Frau Löff)

1991 Doris Dörrie

Tapetenwechsel

Über Nacht bricht das Unglück über die 26jährige Studentin Mona herein. Die Wohnung wird ihr wegen Eigenbedarfs gekündigt, worauf ihr Freund keine Zeit verliert und zu einer Kollegin mit Eigentumswohnung zieht. Doch Mona lässt sich nicht unterkriegen, noch nicht! Es kann doch nicht so schwer sein, in drei Monaten eine neue Bleibe zu finden! Denkt sie. Denn bald macht sie die Bekanntschaft mit den nächtlichen Schlachten um die Zeitung vom nächsten Tag, lernt die Technik, Inserate mit Bestrechungsgeldern aufzugeben, trifft auf Makler, die alles außer Wohnungen im Kopf haben und und und... Erst als sie in den sprichwörtlichen Hundehaufen tritt, wendet sich Monas Schicksal wieder... (Quelle: Odeonfilm)

DarstellerRolf Zacher, August Zirner, Claudia Dermamels, Iris Berben, Helen Vita

1984 Gabriela Zerhau

Traumstadt (Rolle: Prinzess)

Der Film Traumstadt entstand nach dem Roman Die andere Seite von Alfred Kubin.

Ein Münchner Künstlerehepaar folgt einer geheimnisvollen Einladung und erlebt in einer utopischen, von der modernen Zivilisation verschonten Stadt seinen ersehnten Traum von der totalen Freiheit. Jede und jeder darf nach seinen Wünschen und Fähigkeiten leben, was jedoch zum totalen Sittenverfall und schliesslich zum Zusammenbruch des utopischen Reichs führt und in eine mörderische Serie von Libertinage, Perversionen und Gewalt mündet. Der Mann besteht dieses Abenteuer, seiner Frau bekommt es schlecht … (Quelle: www.xenix.ch)

Darsteller: Per Oscarsson, Rosemarie Fendel, Eva Maria Meineke, Alexander May, Helen Vita, Heinrich Schweiger, Herbert Bötticher, Ronnie Lee Williams, Louis Waldon, Martin Stepanek.

1973 Johannes Schaaf

   

   

     

  

 

  

  

 

  

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 16. Oktober 2017

 

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Ich bedanke mich bei Herrn Dr. Kay Weniger, der mir erlaubt hat, aus "Das große Personenlexikons des Film" Textstellen zu übernehmen.