Die Zärtlichkeit der Wölfe 1973
Inhalt Obwohl
er wegen einiger kleiner Delikte von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde,
lässt
Inspektor Braun Fritz Haarmann wieder frei, um ihn als Spitzel auf dem
Schwarzmarkt der Depressionszeit einzusetzen. Haarmann vernachlässigt darüber
aber keineswegs die eigenen Geschäfte. Er versorgt örtliche Geschäftsleute
mit "Fleisch". Das holt er sich von der Straße – kleine Jungen, die
er verführt, wie ein Vampir aussaugt und anschließend verkauft. Das ständige
Kommen und Gehen von Jungen erregt den Verdacht der Nachbarschaft. Der Polizei
indes ist der Spitzel vorerst wichtiger. Schließlich aber sieht sich Inspektor
Braun unter dem Druck seiner Vorgesetzten genötigt, Haarmann eine Falle zu
stellen, in die dieser auch prompt tappt. Der Kindermörder Haarmann wird
verhaftet und später hingerichtet.
Gelegentlich lässt Fassbinder Mitglieder seiner Stamm-Mannschaft eigene Filme drehen. Ein einziges Mal ist ein Geniestreich dabei herausgekommen: Zärtlichkeit der Wölfe, "an expressionist revial" (Jan Dawson, Sight and Sound), geschrieben und in der Hauptrolle gespielt von Kurt Raab, der schon ein führender Kopf des Münchner Action-Theaters war, als Fassbinder zu dieser Truppe stieß, inszeniert von Ulli Lommel, Familienmitglied seit einer Hauptrolle in Fassbinders Erstling Liebe - kälter als der Tod. Der Haarmann-Film wurde in 24 Drehtagen im Herbst 1972 im Ruhrgebiet gedreht. Fassbinder arbeitete zu dieser Zeit mit seinen Leuten am Bochumer Schaupielhaus. Seine Proben zu Liliom, in dem Lommel und Raab mitspielten, überlappten sich mit den Dreharbeiten des Films. Durch diese
Produktionsumstände ist der Film entscheidend konditioniert worden. Nicht nur mussten viele der Beteiligten vormittags am Theater proben und anschließend drehen, was durchgehend einen Arbeitstag von 15 Stunden und mehr ausmachte, auch die Landschaft und die Zeit, in denen der Film spielt, waren vorgegeben.
Der historische Haarmann wirkte in den 20er Jahren in Hannover, der
Film-Haarmann treibt es in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in der Gegend von
Bochum und Gelsenkirchen. Raab: "Es ging uns ja nicht darum, einen
historischen oder einen dokumentarischen Film über Haarmann zu machen; eine
soziologische Studie darüber, wie Haarmann zum Massenmörder geworden ist,
sowieso nicht. Es sollte ein Kriminalfilm, ein Thriller über einen Massenmörder
sein in einer Zeit, die ihm den Nährboden bot. Das war in den 20er Jahren
gegeben, aber in den Jahren war die Situation ähnlich." "Ein
Dokumentarstück war also nicht beabsichtigt, eher ein böses Kino-Märchen über
ein fast liebenswertes Monster in Menschengestalt. Und das gelingt dank Raabs
intensivem Spiel (er sieht wie der junge Peter Lorre aus) und Lommels Kunst, die
Moritat zwischen Kolportage und Poesie in der Schwebe zu halten." (Der
Spiegel). Mit Glatze spielt Raab den Mörder mit dem Hackebeilchen, weil
Fassbinder ihn veranlasst hatte, seine Haare für Liliom
zu opfern. Aber dem Regisseur
Lommel
passte das gut ins Konzept: "Ich finde
ja, dass ein Mensch erst richtig zu erkennen ist, wenn er keine Haare mehr hat,
weil Haare so viel vertuschen. Eigentlich müsste sich jeder mal, damit die
anderen ihn richtig kennenlernen können, seine Haare abschneiden."
Fritz Haarmann wurde am 15. April 1925 in Hannover enthauptet. Der ehemalige Metzger hatte 24 junge Männer ermordet und ihre Leichen zerstückelt.
Wissenswertes über Fritz Haarmann.
Links fremder Seiten: www.gaystation.de (Filmbeschreibung) http://de.wikipedia.org (über die Gemeinfreiheit eines Fotos) http://archiv.filmplus.de (über Thea Eymèsz)
Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 5. Juli 2009
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von Einhorn-Film zur Verfügung gestellt.
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