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Irm Hermann
Irm Hermann wurde am 4. Oktober 1942 in München geboren.
Nach der Volksschule machte sie eine Ausbildung als Verlagskauffrau und arbeitete als Sekretärin beim ADAC.
"Bei einem Dramatikerwettbewerb hab' ich ihn kennen gelernt", erzählt Irm Hermann über ihre erste Begegnung mit Fassbinder, das war 1966. "Es lief das Stück Nur eine Scheibe Brot und wir sind anschließend in eine Kneipe gegangen". Sie kamen ins Gespräch und Fassbinder bot ihr eine Rolle in einem Kurzfilm an. Der Kurzfilm hieß Das kleine Chaos und war Fassbinders zweiter Kurzfilm überhaupt. Gemeinsam mit Fassbinder und Hanna Schygulla ist sie Gründerin des "action-theaters" (später "antiteater"). Über die berufliche Beziehung hinaus gehört Hermann bald zu Fassbinders engsten Vertrauten. Sie gründet sogar eine Schauspieler-Agentur, um Christof Roser, Hanna Schygulla und Fassbinder nach außen hin zu managen. Doch der Erfolg bleibt aus. Sie reiste von ihrem eigenen Geld mit Rainers Drehbuch Kalter Stahl (Arbeitstitel von Liebe - Kälter als der Tod) unter dem Arm durch die Lande, um bei Fernsehanstalten einen Financier für das Projekt zu gewinnen. Der einzige Erfolg, den sie dabei erringen konnte, war eine kleine Rolle für Fassbinder in einem Bundeswehr-Lehrfilm (Mit Eichenlaub und Feigenblatt von Franz-Josef Spieker).
Irm Hermann und Fassbinder unterhielten so etwas wie eine Hassliebe zueinander, und dieses Verhältnis spiegelte sich auch in den Rollen Irm Hermanns während dieser Zeit wider. Zumeist verkörperte sie die Rolle der unterwürfigen, Handlangerdienste verrichtenden Ehefrau oder Bediensteten, die nur in kleinen Auftritten zur Geltung kommen durfte. "Die Entscheidung war für mich schon sehr schwierig", erzählt Irm Hermann weiter. "Entweder ihn als Mann und die kleinen Rollen, um dabei zu sein, oder die Trennung und woanders mehr erhoffen." Lediglich in dem Film Händler der vier Jahreszeiten, der 1971 entstand, durfte sie die Hauptrolle spielen und wurde dafür prompt mit einem Bundesfilmpreis belohnt. Die Idee zu diesem Film entstand aus Fassbinders Verwandtschaftsverhältnissen heraus, war sein einziger Onkel doch Obsthändler. Irm Hermann spielte in diesem satirischen Denkmal für Fassbinders Verwandtschaft eine mürrische, ständig schlecht gelaunte Ehefrau, die auch mal von ihrem Mann verprügelt wird. Nach dem Tod des Obsthändlers übernimmt der Verkäufer Harry (Klaus Löwitsch) die Stelle ihres Mannes. In ihrem mit Blumen verzierten Kleidern sieht Irm Hermann so richtig schön bieder aus, trägt gelegentlich eine Brille, quält ihren Mann und wird von ihm gequält.
1975 verließ Irm Hermann die Fassbinder-Clique, heiratete den Kinderbuch-Autor Dietmar Roberg und zog von München nach Berlin um. Nach größeren Schwierigkeiten, neue Filmangebote zu bekommen, hat sie sich nach einigen Nebenrollen in Sternsteinhof, Woyzeck, und Endstation Freiheit zur ersten Garnitur hochgearbeitet. In Fünf letzte Tage spielte sie dann die Hauptrolle der Zellengenossin und Buchhalterin im Gestapogefängnis Else Gebel, die ihr gute Kritiken und einen Deutschen Filmpreis einbrachten. "Irgendwann war ich wohl genau der Typ, der dafür gebraucht wurde", schildert sie lakonisch ihren Part. "Adlon hat mich engagiert, ohne mich zu kennen und hat gar nicht gewusst, wer ich bin. Ich habe mich ein bisschen mit der Zeit auseinandergesetzt." Nach einem weiteren Film von Percy Adlon (Die Schaukel) und einem Film von Hans W. Geißendörfer (Ediths Tagebuch) strebt sie vor allem eine langfristige Zusammenarbeit mit Regisseuren an. Zum Theater will sie jedoch nicht zurückkehren und auch die Arbeit hinter der Kamera - sie war Regie-Assistentin bei Wildwechsel und Faustrecht der Freiheit - reizt sie nicht weiter. In den 90er-Jahren spielte sie auch unter der Regie von Christoph Schlingensief (Das deutsche Kettensägenmassaker, Die 120 Tage von Bottrop. (Quelle: Vielen Dank an Siegfried Tesche für die Textauszüge - "Die neuen Stars des deutschen Films", Heyne TB Nr. 78, 1985)
Literatur
Frauen bei Fassbinder. In: Frauen im Film 35/1983
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Layout: Rosemarie Kuheim Bearbeitet: 21.12.2010
Die o.g. Filmliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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