Michael Gwisdek

  

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Michael Gwisdek mit seiner Lebensgefährtin Gabriela Lehmann bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises am 25.04.2008 in Berlin

 

Foto: Christian Behring

Geboren am 14. Januar 1942 in Berlin.

Gestorben am 22. September 2020.

 

 

Gwisdek machte eine

Michael Gwisdek in einer Szene aus Der Tangospieler, Regie: Roland Gräf, 1990.

 © Mit freundlicher Erlaubnis der DEFA-Stiftung/Foto Christa Köfer - Quelle: RBB

Ausbildung als Dekorateur und arbeitete kurze Zeit in diesem Beruf. In den folgenden Jahren verdiente er sein Geld in eher unkünstlerischen Berufen und beschloss im Alter von 23 Jahren, sich als Schauspieler ausbilden zu lassen. Nach zweimaliger Aufnahmeablehnung machte er seine Ausbildung bis 1968 an der Staatlichen Schauspielschule in Berlin. Dann erhielt er ein Bühnenengagement in Chemnitz. 1973 holt ihn Benno Besson an die Volksbühne Berlin. Dort spielt er 1974 die Titelrolle in Thomas Langhoffs-Inszenierung "Schlötel oder Was soll's". Weitere Rollen hat er in "Wie es euch gefällt" (1975), "Was ihr wollt" (1981), "Hamlet" (1977). Ab 1983 spielt er im festen Ensemble des Deutschen Theaters, hier in Stücken wie "Bunbury" nach Oscar Wilde, "Die Fliegen" nach Sartre. In der Uraufführung von Heiner Müllers "Der Bau" (1980) spielte er den Donat, in Müllers Inszenierung seiner "Macbeth"-Bearbeitung (1982) verkörperte Gwisdek einen der drei Macbeths.

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis in die 1970er-Jahre musste sich Gwisdek beim Film nur mit Nebenrollen unterschiedlichster Art zufriedengeben, weil seine Arbeit für das DDR-Fernsehen eindeutig Vorrang gegenüber seiner Kinotätigkeit hatte. Im Defa-Western Spur des Falken hatte er 1968 eine kleine Nebenrolle. Eine große Chance bekam er in dem 1975 gedrehten Kinofilm Mann gegen Mann bei Kurt Maetzig; hier glänzte er in der Rolle des Kriegsheimkehrers Michael Mär. Danach spielt er zusammen mit Winfried Glatzeder in dem Film Zünd an, es kommt die Feuerwehr, Regie: Rainer Simon (1979). 1982 gibt ihm der Regisseur Ulrich Weiß in seinem Spielfilm Dein unbekannter Bruder die Rolle des Conférenciers Walter. Dieser ist in einer Widerstandsgruppe gegen die Nationalsozialisten aktiv, bis sich herausstellt, dass er ein Nazi-Spitzel ist und zum Verräter wird. Auch mit der Titelrolle des Films Olle Henry über einen Profiboxer, der Schwierigkeiten hat, nach dem Krieg weiterzuboxen. Mir ist Michael Gwisdek erstmals 1989  aufgefallen mit seiner Rolle als schwuler Barkeeper in Heiner Carows Film Coming Out.

Zum Foto oben rechts: 1991 entstand die Literaturverfilmung Der Tangospieler mit Michael Gwisdek, Corinna Harfouch und Hermann Beyer. Vorlage ist der Roman von Christoph Hein. Inhalt: Im Namen des Volkes verurteilt - 21 Monate Gefängnis für alle Beteiligten eines angeblich staatsverleumderischen Studentenkabaretts. Dr. Dallow (Gwisdek), ehemals Oberassistent der Historischen Fakultät, aus Gefälligkeit eingesprungen für den erkrankten Tangospieler, wird im März 1968 aus dem Gefängnis entlassen. Von nun an, hat er sich geschworen, wird er die Finger von Politik und Piano lassen. Regie und Drehbuch: Roland Gräf.

 

 

  

Eine kurze Foto-Pause während der Drehs zum Tatort Schiffe versenken. Regisseur Florian Baymeyer inmitten seiner Darsteller: v.l.n.r. Gustav Peter Wöhler, Michael Gwisdek, Regisseur Baxmeyer, Sabine Postel und Carsten Norgaard.
© Radio Bremen, honorarfrei




Mit dem Film Treffen in Travers gab Gwisdek sein Regiedebüt, wobei Corinna Harfouch und Hermann Beyer jeweils bei Spielfilmfestivel in der DDR (übrigens das letzte!) Hauptpreise erhielten, außerdem läuft dieser Film auch beim Filmfest in Cannes. 

 

 

Der Filmemacher Hark Bohm konnte den Schauspieler Gwisdek für einige Kinorollen sogar in den Westen holen, er setzte ihn ein in  Keine Zeit für Tränen - Der Fall Bachmeier (1984), Der kleine Staatsanwalt (1987) und Yasemin (1987/88). 1990 mimte Gwisdek in Bohms Herzlich willkommen einen Hausmeister. 1991 bekam er für seine Rolle in Roland Gräfs Der Tangospieler den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller. Da sich Michael Gwisdek über Rollenangebote nicht beklagen konnte und diese reichlich kamen, beschloss er 1991, als freier Schauspieler zu arbeiten.

  

 

Michael Gwisdek, hier 2009 bei den Berliner Filmfestspielen

Fotograf: Thore Siebrands/Siebbi/Wikipedia-User

Die Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert

1994 führt er Regie in dem Streifen Abschied von Agnes, hier ist er Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller. Dieser Film läuft auf der Berlinale außer Konkurrenz. In der Beziehungskomödie Das Mambospiel führt er ebenfalls Regie, schrieb das Drehbuch und schnitt den Film auch selbst, der im Wettbewerb der Berlinale 1996 zu sehen ist. Großen Eindruck machte M. Gwisdek auf mich mit seiner Rolle in dem 1999 von Oskar Roehler gedrehten Film Die Unberührbare mit einer ebenfalls grandiosen Hannelore Elsner. Für den Film Nachtgestalten von Andreas Dresen bekommt er den Ernst-Lubitsch-Preis und den Silbernen Bären auf der Berlinale als "Bester Darsteller". Sein komisches Talent bewies er als Direktor Klapprath in der Kinokomödie Good bye Lenin. Inzwischen ist Michael Gwisdek auch in TV-Serien zu sehen,  wie z.B. in Der letzte Zeuge, Bella Block, Edel & Starck, Tatort.

   

 

 

 

 

 

 

 

1985 heiratete er seine Schauspieler-Kollegin Corinna Harfouch, mit der er zwei Söhne hat. Das Paar ist seit 2007 geschieden. Heirat mit seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Schriftstellerin Gabriela Lehmann, jetzt Gabriela Gwisdek.

  

Beim 31. Filmfestival Max Ophüls Preis, das vom 18. bis 24. Januar 2010 in Saarbrücken stattfindet, wird Michael Gwisdek eine eigene Filmreihe gewidmet. Als einer der bekanntesten und renommiertesten deutschen Schauspieler präsentiert er selbst eine Reihe ausgewählter Filme, die für seinen Werdegang wichtig waren.

 

 

Bei einer Drehpause zu Das schweigende Klassenzimmer: v.l.n.r: Miriam Düssel, Leonard Scheicher, Regisseur Lars Kraume, Lena Klenke, Tom Gramenz, Michael Gwisdek (im Bademantel) und Isaiah Michalski 

Quelle: ZDF / Fotografin: Julia Terjung

 

 

Zwei meiner Lieblingsfilme mit Michael Gwisdek sind Zoltan Spirandellis Vaya con dios (>>> Trailer) (2002) mit einem noch ganz jungen Daniel Brühl und Boxhagener Platz von Matti Geschonneck (2010). 2015 sah man den Mimen als Chef vom Verfassungsschutz in der Neonazi-Satire Heil von Dietrich Brüggemann und 2016 als DDR-Agenten in Pension an der Seite von Henry Hübchen und Winfried Glatzeder in Robert Thalheims Komödie Kundschafter des Friedens.

 

 

Regisseur Lars Kraume realisierte 2017 das historische Drama Das schweigende Klassenzimmer. Inhalt: Als die Abiturklasse der Oberschule Storkow 1956 im Unterricht spontan eine Schweigeminute zu Ehren der Opfer des Ungarnaufstandes abhält, gerät sie in die politischen Mühlen der DDR. Die Jugendlichen sollen die Rädelsführer benennen oder sie fliegen von der Schule. Gegen alle Widerstände hält die Klasse zusammen und flieht schließlich gemeinsam in den Westen. Die im Jahr 1956 in der noch jungen DDR angesiedelte Geschichte über jugendliche Rebellion, Zivilcourage und Solidarität basiert auf dem gleichnamigen Tatsachenbericht von Dietrich Garstka. Lars Kraume schrieb auch das Drehbuch. Darsteller: Leonard Scheicher, Tom Gramenz, Lena Klenke, Isaiah Michalski, Burghart Klaußner, Jonas Dassler, Michael Gwisdek, Ronald Zehrfeld, Jördis Triebel und Florian Lukas konnte ein außergewöhnliches Ensemble versammelt werden.

(Quelle: Akzente Film- und Fernsehproduktion)

   

Auszeichnungen

1991 Deutscher Filmpreis in Gold für Der Tangospieler
1999 Silberner Bär an der 49. Berlinale als bester Darsteller für
Nachtgestalten
2000 Ernst Lubitsch-Preis der Berliner Filmjournalisten

2008 Deutscher Fernsehpreis als bester Schauspieler in einer Nebenrolle für Das Wunder von Berlin

(Quelle: Einige Informationen auf dieser Seite entnommen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf,  S. 455 - mit Erlaubnis des Autors)

 

 

 

        

Eine kleine Auswahl von Filmen mit Michael Gwisdek

  

Titel

Jahr Regie

Olle Henry (Rolle: Henry Wolters)

 

1982

Ulrich Weiß

Hälfte des Lebens (Rolle: Jakob Gontard)

 

1984

Herrmann Zschoche

Sansibar oder der letzte Grund (Rolle: Heinrich Knudsen)

Wicki gelang eine faszinierende Verfilmung des gleichnamigen Romans von Alfred Wicki Andersch, für die er mit dem Adolf Grimme Preis in Gold ausgezeichnet wurde.

Darsteller: Peter Kremer, Cornelia Schmaus, Gisela Stein, Michael Gwisdek, Elisabeth Endriss, Peter Sodann, Ulrich Mühe.

 

1987

Bernhard Wicki

Yasemin (Rolle: Vater Eggers)

 

1987

Hark Bohm

Die Spur des Bernsteinzimmers (Rolle: Costello)

 

1991

Roland Gräf

Abschied von Agnes  (Rolle: Heiner)

1993 in Ostberlin. Heiner fühlt sich einsam. Seit dem Tod seiner Frau Agnes ist das Diktiergerät der einzige Zuhörer des frühpensionierten Wissenschaftlers. Überraschend bekommt er Gesellschaft. Der von der Presse gejagte Ex-Stasi-Major Stefan sucht Unterschlupf bei ihm. Der Fremde scheint hervorragend über Heiner informiert zu sein - er kennt auch die Details, über die eigentlich nur seine Ehefrau Bescheid wissen kann. Mit der Zeit wird die Lage für beide unerträglich. Nach einer Erzählung von Hans Löffler. Bundesfilmpreis 1994. (rk)

Darsteller: Michael Gwisdek, Sylvester Groth, Heide Kipp

 

1994

Michael Gwisdek

Das Mambospiel (Rolle: Martin)

Darsteller: Jürgen Vogel, Franziska Petri, Henry Hübchen, Uwe Kokisch, Anna Loos, Uli Krohm

 

1997

Michael Gwisdek

Die Bubi Scholz-Story (Rolle: Lado Taubeneck, Manager)

Das Drama ist mit viel Liebe zum Detail ausgestattet und hat einen wunderbaren Soundtrack. Benno Fürmann und Götz George liefern eine großartige Leistung, und die Besetzung stimmt bis in die kleinste Nebenrolle, hier ist besonders Angela Winkler als Ehefrau hervorzuheben. Roland Suso Richter erhielt 1998 für diesen Film den Bayerischen Filmpreis. (rk)

 

1997

Roland Suso Richter

Die Unberührbare (Rolle: Joachim)
Die einst berühmte und geliebte Schriftstellerin Hanna Flanders (Hannelore Elsner) träumt von geistiger und sozialer Utopie in der DDR. Als die Mauer fällt, bricht ihre Traumwelt, in die sie sich zurückgezogen hatte, zusammen. Als sie auch ihre geheuchelte Souveränität nicht mehr aufrecht erhalten kann, bringt sie sich um. (Amazon)

 

1999

Oskar Roehler

Vaya con dios (Rolle: Benno) - (Mein Film-Tipp) -

Weil es der Brandenburger Cantorianer-Abtei an Nachwuchs und Geld fehlt, muss sie geschlossen werden. Die drei verbliebenen Mönche Benno, Tassilo und Arbo (Michael Gwisdek, Matthias Brenner und Daniel Brühl) reisen deshalb in die Toskana, wo das letzte Kloster dieser Art existiert. Auf dem Weg dorthin bleibt jedoch der gemütliche Tassilo am Kochtopf seiner Mutter hängen, während sich der kämpferische Benno mit seinen schärfsten Gegnern, den Jesuiten, anlegt und der blutjunge Arbo dank der attraktiven Fotografin Chiara (Chiara Schoras) mit der Fleischeslust konfrontiert wird. (Quelle: Amazon)

 

Hinweis zum Foto:

VAYA CON DIOS - UND FÜHRE UNS IN VERSUCHUNG.

Die hübsche Chiara (Chiara Schoras) nimmt die Mönche Benno (Michael Gwisdek, re.), Tassilo (Matthias Brenner, Mi.) und Arbo (Daniel Brühl) in ihrem Cabrio mit. - © MDR/Telepool, honorarfrei

 

 

2000

Zoltan Spirandelli

Herr Lehmann (Rolle: Der Trinker)

2002 Leander Haußmann

Kleinruppin forever (Rolle: Erwin Panzer)

2003 Carsten Fiebeler

Polizeiruf 110 - Der Fensterstecher (Rolle: Herr Lohmann)
Ein dreister Einbrecher scheint die Polizei narren zu wollen. In unregelmäßigen Abständen dringt er nachts in fremde Wohnungen ein und erbeutet Geld und Wertgegenstände. Niemand kann ihn dingfest machen. Wer ihn zufällig bemerkt, den versetzt er in einen so tiefen Schrecken, dass er hinterher unfähig ist, ihn genau zu beschreiben - so auch die alleinstehende Sabine Kroll. Nicht jeder ist so resolut wie die Witwe Berlepsch, die ihn kurz entschlossen mit dem Rollo im Küchenfenster einklemmt und festzuhalten versucht. Als die Polizei eintrifft, ist der Täter aber auch diesmal spurlos verschwunden.

 

1976 Hans Knötzsch

Polizeiruf 110 - Eifersucht (Rolle: Jürgen Weigbrecht)

1988 Bernd Böhlich

  

  

 

  

 

  

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Layout: Rosemarie Kuheim
Bearbeitet: 29. Mai 2023

 
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