Alfred Weidenmann

Regisseur  Drehbuchautor

  

S e i n e   F i l m e

     

  

 

 

 

  

Regisseur Alfred Weidenmann

 

©Virginia Shue, Hamburg

starfotos@virginia-hamburg.de

 

Geboren am 10. Mai 1916 in Stuttgart

Gestorben 9. Juni 2000 in der Schweiz 

  

Der Sohn eines Stuttgarter Fabrikanten wurde zunächst Fotograf und drehte mit 26 Jahren seinen ersten Film Hände hoch (1942) für die Ufa. Hier wird die vermeintliche Verbrecherjagd in einem HJ-Lager in der Slowakei geschildert. Der Film wurde 1942 beim Filmwettbewerb der europäischen Jugend in Florenz als "bester Jugendspielfilm des Festlandes" mit dem zwielichtigen "Preis des Reichsministers Dr. Goebbels" ausgezeichnet.

Ab 1942 war Weidenmann zudem Leiter und Regisseur der HJ-Filmschau "Junges Europa" und Leiter der Hauptabteilung "Film der Reichsjugendführung".

Vorher drehte er Soldaten von morgen, eine Reportage über verschiedene Ausbildungszweige der Hitlerjugend und Außer Gefahr, eine Reportage über die Kinderlandsverschickung. Zuvor hatte er an der Kunstakademie Malerei und Graphik studiert. Anschließend schrieb er einige Jugendbücher und Erzählungen, auch solche, in denen  Weltanschauungen aus Nazi-Deutschland propagiert wurden. 

 

Der große Durchbruch als Regisseur kam mit dem Film Junge Adler (1944) als weiteres Hohelied auf den arischen, nationalsozialistisch geformten jungen Deutschen, der nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker (später DER "Derrick"-Drehbuchautor) entstand, den Weidenmann bereits in den dreißiger Jahren kennengelernt hatte. Obwohl der Propagandastreifen über die Hitler-Jugend nach Kriegsende von den Alliierten verboten wurde, legte der Film nicht nur den Grundstein der Karrieren von Weidenmann und Reinecker, sondern auch von den Nachwuchsschauspielern Hardy Krüger, Dietmar Schönherr und Gunnar Möller.

   

Die Einberufung zum Militär unterbrach zwischenzeitlich seine Karriere, aber selbst in russischer Gefangenschaft leitete er eine Soldatenbühne. Nach seiner Rückkehr blieb es für Weidenmann weiterhin ein sehr persönliches Anliegen, Ziele und Schwierigkeiten junger Menschen darzustellen. Nach seiner Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft  drehte Weidenmann zunächst Kultur- und Industriefilme, die von der Deutschen Shell finanziert wurden. Für Weg in die Freiheit erhielt er den Bundesfilmpreis. Der Film erzählt von einer Jugendstrafvollzugsanstalt auf der Halbinsel Hanhöfersand. Mit Ich und du (1953) mit  Liselotte Pulver und Hardy Krüger - wieder nach einem Drehbuch von Reinecker - setzte er seine Karriere als Spielfilmregisseur fort. Für Canaris (1954) mit O. E. Hasse erhielt er einen zweiten Bundesfilmpreis. 1955 folgt der ausgezeichnete Kriminalfilm Alibi, der dem Regisseur seinen dritten Bundesfilmpreis einbrachte. Es folgten Titel wie Der Stern von Afrika (1957) mit Joachim Hansen, Scampolo (1958) mit Romy Schneider, Buddenbrooks (1959) nach Thomas Mann, die Konversationskomödie Julia, du bist zauberhaft (1961), Verdammt zur Sünde (1964) nach Henry Jaegers Roman "Die Festung" mit einem umwerfenden Martin Held sowie Maigret und sein größter Fall (1966) mit Heinz Rühmann

 

Quer durch verschiedenste Genres, mit einem guten Draht zu exzellenten Schauspielern, prägte Alfred Weidenmann das deutsche Kinogeschehen in seiner vielseitigen Blütezeit der 50er Jahre. Gemeinsam mit Staudte und Käutner, Siodmak und Harnack, Hoffmann und Wisbar war er mitverantwortlich für das in späteren Jahren kritisierte "Opas Kino", das seine Renaissance längst eröffnet und viele zeitlose Klassiker hervorgebracht hat. 

  
Wie nicht zu vermeiden und nicht anders zu erwarten war, führte der Film Canaris zu Kontroversen - und das nicht nur zur Uraufführungszeit. Canaris galt und gilt, gerade wegen seiner handwerklichen und darstellerischen Sorgfalt sowie der daraus resultierenden großen Beliebtheit, bei '50er-Jahre-Kritikern' als beliebtes Beispiel für eine unehrliche Vergangenheitsbewältigung. Zur Handlung: Admiral Canaris (O. E. Hasse), Chef der deutschen Abwehr, hilft verfolgten Personen, warnt vor einem Krieg und beteiligt sich an einem Komplott gegen Hitler. Seinen Gegner findet er in dem SD-Chef Heydrich (Martin Held), der kein Mittel unversucht lässt, die Abwehr unter seine Kontrolle zu bekommen. Der Krieg bricht aus, Polen und Frankreich werden besiegt, Heydrich triumphiert, aber Canaris weiß, dass letzten Endes Deutschland verlieren wird. Heydrich wird nach Prag abberufen und von tschechischen Patrioten erschossen. Vergeblich warnt Canaris vor einem Krieg mit der Sowjetunion. Um Millionen von Menschenleben zu retten, stimmt er dem Plan eines Sprengstoffattentats gegen Hitler zu. Er hat sich aber schon hinreichend verdächtig gemacht und wird seines Postens enthoben. Das Attentat vom 20. Juli misslingt. Canaris wird verhaftet und hingerichtet.
  

Der Film Alibi (1955) entstand in einer Phase, die hierzulande nicht gerade für eine Hochkonjunktur und riesige Beliebtheit von Kriminalfilmen bekannt ist. Da es Krimis im Deutschland der 1960er-Jahre wesentlich leichter hatten, erfolgreich zu sein, muss es umso erfreulicher gewesen sein, mit Alibi einen journalistisch-spannenden Streifen am Puls der Zeit hervorgebracht zu haben. Auch wenn die Kerngeschichte - der unschuldige, von allen verfolgte und verleumdete Liebhaber Opfer der Intrige kalt berechnender Intelligenz wird, nicht mehr ganz neu war. Hitchcock, der sich aber auch fast zehnmal die Mühe machte, dieses Leitmotiv in seinen Filmen zu wiederholen, hätte die Geschichte natürlich glänzender inszeniert. Doch auch in diesem Film hinterließen vor allem O. E. Hasse, Hardy Krüger und Martin Held einen bleibenden Eindruck und sorgten dafür, dass das Wiedersehen von Alibi Freude macht.

 
In Kitty und die große Welt (1956) sind Romy Schneider, Karlheinz Böhm, O. E. Hasse, Ernst Schröder und Paul Dahlke zu sehen.  Der Film ist ein äußerst gelungenes Remake von Käutners Kitty und die Weltkonferenz (1939).

  

Mit den Buddenbrooks von Thomas Mann verfilmte Weidenmann 1959 ein literarisches Nationalheiligtum. Zudem das Werk eines Autors, dessen Tiefgründig- und Weitschweifigkeit seiner Werke sich den Möglichkeiten wirklich kongenialer Verfilmungen weitgehend entziehen. Dass Weidenmann unter den gegebenen Umständen ein starker, wenn auch nicht historischer oder gar bahnbrechender Gesellschaftsfilm voller wunderbarer Einzelleistungen (allen voran die von Hanns Lothar) gelungen ist, hielt den "Filmkritik"-Historiker Dietrich Kuhlbrodt 1960 nicht von folgender harter Kritik zum ersten Teil ab: "Sehen wir auf der Leinwand den Verfall der Familie Buddenbrook? Nein, aber statt dessen das Privatleben einer gleichnamigen Familie... ein entkeimtes, normiertes und unsorgfältiges Produkt." Zum zweiten Teil schrieb er folgendes: "Auf das Schema der zehn kleinen Negerlein reduzierte der Film den Mann'schen Roman, indem er einerseits geschichtliche Verknüpfungen (der Bau der Hamburg-Lübecker Eisenbahn, der preußisch-österreichische Krieg, der Kampf gegen die Sozialdemokratie) sorgfältig auflöste und andererseits in dem Bemühen, den Kinofreund zu schonen, so weit ging, dass er ihm zuliebe die Zahl der einzeln zu ziehenden Wurzeln von Thomas' Unglückszahn von vier auf drei verminderte. Wenn trotzdem, anders als im ersten Teil, großbürgerliche Atmosphäre entsteht, ist dies nicht zuletzt den Darstellern zu verdanken, abgesehen von Felmys Felmyblick."

 

In Bumerang (1959) brachte Weidenmann, wie schon in Alibi, Hardy Krüger und Martin Held gemeinsam vor die Kamera, diesmal aber in den beiden Hauptrollen. Dies hatte sich schon in Werner Klinglers Banktresor 713 von 1957 bewährt, als die beiden ein ungleiches Brüderpaar spielten. Erzählt wird in Bumerang die Geschichte von Robert Wegner (Krüger), der mit zwei Komplizen, dem kaltschnäuzigen Schränker Georg und dem schwachen Willy, ausführt. Doch eine Frau zwischen zwei Männern, ein dummes Missgeschick und unbegründete Eifersucht, die zu banalem Verrat führt, lassen den Coup platzen. Besondere Brisanz erhält Wegners Flucht durch seine Verbindung zu dem sympathischen Kommissar Stern (Held), dem Wegner im Krieg einmal das Leben gerettet hatte. Sterns Versuch, sich beim von der Vergangenheit eingeholten Wegner wenigstens durch eine Lebensrettung zu revanchieren, scheitert. Faszinierend ist vor allem die psychologisch genau erzählte Geschichte um Wegner, einem Fremden in dieser Welt, einem Außenseiter mit einem unerfüllbaren Traum. Neben dem renommierten Weidenmann-Starpersonal Krüger und Held waren in weiteren Hauptrollen auch Mario Adorf als Georg und Horst Frank als Willy zu sehen. Dazu in Nebenrollen die bewährten Cordula Trantow, Peer Schmidt, Ernst Waldow und Hans Hessling. Als Kriminalfilm der 50er Jahre brauchte Bumerang internationale Vergleiche nicht zu scheuen.

   
An heiligen Wassern (1960) erzählt die Geschichte der Menschen in einem Alpendorf, dessen Wasserversorgung buchstäblich am seidenen Faden hängt. Holzkanäle in Steilwänden, die regelmäßig Lawinen zum Opfer fallen, müssen unter lebensgefährlichsten Umständen repariert werden. Freiwillige gibt es für diese Arbeit nicht. Deshalb stehen alle Familien des Dorfes oft vor existenziellen Schicksalsentscheidungen: Per Losentscheid, an dem alle Männer teilnehmen müssen, wird ein Opfer dargebracht. Als der reiche Dorfwirt und Gläubiger aller Nachbarn (Gustav Knuth) aus Angst, selbst in die Wand zu müssen, einen Schuldner (Karl John) für die Aufgabe kauft und damit dessen Todessturz verantwortet, gerät das durch Zugereiste und Touristen immer stärker gestörte Dorfleben endgültig aus dem Gleichgewicht. Bis der junge Held (Hansjörg Felmy) sein importiertes Wissen zur Lösung aller Probleme einsetzt...

  
Trotz des kleinen Ärgernisses einer fehlenden einfachen Sachlogik (Warum sind die Arbeiter in der Wand nicht gesichert?) verbreitet dieser beste aller Heimatfilme bis 1960 eine wundervoll romantische Spannungsatmosphäre und wartet mit einem grandiosen Schauspieleraufgebot und zahlreichen Bundesfilmpreisträgern auf. Auffallend die gleichermaßen beeindruckende darstellerische Präsenz der älteren Generation (um Gustav Knuth, Karl John, Gisela von Collande und Walter Ladengast) wie die der jüngeren Generation (um Hansjörg Felmy, Cordula Trantow und Hanns Lothar).
 

In den folgenden Jahren entstanden unverbindliche Lustspiele und leichte Krimi-Kost, z.B. 1965/66 Ich suche einen Mann oder 1966 Maigret und sein größter Fall. Alfred Weidenmanns letzter Kinofilm war 1978 die Theodor-Storm-Verfilmung Der Schimmelreiter mit Gert Fröbe und Lina Carstens. In dieser berühmten Novelle vom Kampf des fortschrittlichen Deichgrafen gegen die konservative Bevölkerung, die schicksalsergeben und abergläubisch im Status-Quo-Denken verharrt, einer Routine-Inszenierung (im besten Sinn) voller stimmungsvoller Landschaftsaufnahmen glänzen neben Fröbe und Carstens auch John Philipp Law und Anita Ekström. Der gesellschaftliche Konflikt der Novelle tritt allerdings etwas hinter die Beschreibung der tragischen Liebesgeschichte zurück.

 
Danach wurde Weidenmann einer der meistbeschäftigten Fernseh-Regisseure Deutschlands und drehte zahlreiche Derrick-, Der Kommissar- und Der Alte- Folgen. Ein schönes Markenzeichen waren auch dort zahlreiche renommierte Schauspieler, die Weidenmann immer wieder für die Realisierung seiner (und Herbert Reineckers) spannenden Krimikost gewinnen konnte.

 
Alfred Weidenmann starb im Jahr 2000 während der Vorbereitungen zu einem weiteren Fernsehfilm. Sein Vermächtnis ist ein Gesamtwerk, das jahrzehntelang Deutschlands Gesellschaft und Weidenmanns Medien spiegelte und dessen Breite und Tiefe in Film und Fernsehen dafür sorgen werden, dass sein Name noch lange ein Begriff bleiben wird.

 
(Quelle:  u.a. Egon Netenjakob: "TV-FILMLEXIKON - Regisseure - Autoren - Dramaturgen", Fischer-Cinema TB-Verlag, Originalausgabe März 1994, Frankfurt/Main - mit Erlaubnis des Autors, Auszüge aus der Website dasfilmarchiv.de, die nicht mehr existiert und aus "Das große Personenlexikon des Films von Kay Weniger, Band 8, Seite 300-301, mit Erlaubnis des Autors).

  

 

Kleine Bemerkung am Rande:

Roberto Blanco wurde übrigens von Alfred Weidenmann entdeckt, der ihn während eines Fluges nach Deutschland kennen lernte und ihm eine kleine Rolle in dem Film Der Stern von Afrika gab.

 

  

    

    

  

  

  

  

  

  

  

Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 22. Jan. 2016

  

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