Deutsche Film- und Fernsehgeschichte 1978

...und ein wenig Zeitgeschichte

 

 

  

    

    

In der Bundesrepublik werden 57 Spielfilme und in der DDR 17 DEFA-Spielfilme gedreht. 

  

Z 19. Januar -  Der letzte in Deutschland gefertigte VW-Käfer läuft in Emden vom Band.

  

Z 2. Februar - Verteidigungsminister Georg Leber (SPD) erklärt seinen Rücktritt, nachdem mehrere Abhöraktionen des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) bekannt geworden sind. Sein Nachfolger wird Hans Apel.

    

22. Februar bis 5. März - Berlinale - Die Filmfestspiele sind wegen der Überschneidung mit Cannes auf den Winter verlegt worden.

Deutsche Filme im Wettbewerb: Flammende Herzen von Walter Bockmayer, Moritz, lieber Moritz (erfolgreichster Film des Jahres) von Hark Bohm, der Kollektivfilm Deutschland im Herbst, Rheingold von Niklaus Schilling. Deutschland im Herbst erhält zwar keinen Preis, aber eine "Besondere Anerkennung".

Im Forum laufen u.a. Die allseits reduzierte Persönlichkeit von Helke Sander und Das zweite Erwachen der Christa Klages von Margarethe von Trotta.

In einer Werkschau werden 8 Filme von Peter Lilienthal gezeigt.

In der Retrospektive werden deutsche Filme gezeigt, die im Dritten Reich verboten waren.

  

"Deutschland im Herbst" - ein Gemeinschaftsprojekt diverser Regisseure

3. März - In der Bundesrepublik läuft der Film "Deutschland im Herbst" an. Die Gemeinschaftsarbeit von Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Alf Brustellin, Bernhard Sinkel, Katja Rupé, Edgar Reitz und anderen stellt die politische Stimmung im September/Oktober 1977 um die Schleyer-Entführung, die Geiselbefreiung in Mogadischu und den Tod der RAF-Terroristen im Gefängnis Stuttgart-Stammheim dar.

  

Z 27. Februar - Bundesminister Werner Maihofer von der FDP führt auf einer Umweltschutz-Konferenz der Bundesländer das Gütezeichen für umweltverträgliche Produkte ein. Das Zeichen ähnelt dem Umweltschutzzeichen der Vereinten Nationen und zeigt einen blauen Engel, der von einem Eichenkranz umgeben ist.

  

9. April - Einzelne Folgen der Vorschulserie Neues aus Uhlenbusch werden 1978 mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

"Neues aus Uhlenbusch" - die komplette Serie

Die erste Folge lief am 24. Dezember 1977. 

Auszeichnung aus dem Jahr 1978 -  Prix Jeunesse für Neues aus Uhlenbusch
Seit 1964 in zweijährigem Turnus veranstaltet die Stiftung "Prix Jeunesse" den Internationalen Fernsehwettbewerb für Kinder- und Jugendprogramme. Dem Stifterkreis gehören der Freistaat Bayern, die Landeshauptstadt München, der BR, seit 1971 das ZDF und seit 1992 die Bayerische Landeszentrale für neue Medien an. Der Prix Jeunesse hat sich in den über 40 Jahren seines Bestehens zum bedeutendsten internationalen Wettbewerb im Bereich Kinder-TV entwickelt. Die Preise gelten als höchste Auszeichnung auf dem Gebiet des Kinderfernsehens. Der „Oscar des Kinderfernsehens“ zielt auf die Förderung von qualitativ herausragenden Kinder- und Jugendfernsehsendungen, die Belebung des Programmaustausches sowie auf ein tieferes Verständnis zwischen den Völkern. Teilnahmeberechtigt am Wettbewerb sind Fernsehstationen aus aller Welt. Die UNESCO vergibt den Preis schließlich an Filme, die in besonderer Weise zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen. (Quelle: Eikon-Film)

    

30. April - Auftakt zur Ökologie-Reihe "Lebensräume" im ZDF.

  

Z 8. Mai - Reinhold Messner und Peter Habeler besteigen als erste Menschen den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät.

     

1.-25. Juni - Kooperation zwischen ARD und ZDF bei Planung und Durchführung des Programms zur XI. Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien. Die beiden Fernsehgesellschaften wechseln sich täglich in der Übertragung der Spiele und einer Zusammenfassung am darauffolgenden Vormittag ab. Bei der zusätzlichen Berichterstattung erproben beide Teams erstmals die neue Aufnahmetechnik der Elektronischen Berichterstattung (EB) mit sechs mobilen elektronischen Kameras und MAZ-Geräten zur gleichzeitigen Aufzeichnung.

 

Diese Box enthält 6 DVDs mit Filmen von Rainer Erler, u.a. auch "Plutonium"

 

26. Juni - Das ZDF zeigt Rainer Erlers Fernsehspiel Plutonium.

  

30. Juni - Deutscher Filmpreis

Filmband in Gold für Die gläserne Zelle von Geißendörfer. Aus einem deutschen Leben, Das zweite Erwachen der Christa Klages, Der amerikanische Freund, Flammende Herzen, Rheingold und Taugenichts erhalten Filmbänder in Silber. Unter den Preisträgern für Einzelleistungen sind u.a. die Regisseure Fassbinder (Despair), Wenders (Der amerikanische Freund), die Kameraleute Ernst Wild und Michael Ballhaus. Ebenfalls Filmbänder in Gold für Tina Engel (Das zweite Erwachen der Christa Klages), Peter Kern (Flammende Herzen und Hitler - Ein Film aus Deutschland) und Rio Reiser (Johnny West). Deutschland im Herbst wird ebenfalls mit einem Goldband ausgezeichnet für die Filmkonzeption an das Team. Für 'langjähriges und erfolgreiches Wirken im deutschen Film' wird u. a. Douglas Sirk ausgezeichnet. 

  

Z 26. August - 3. September - Als erster Deutscher nimmt der DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn an einem Weltraumflug teil.

  

Z 16. Oktober - Es sind 1978 drei Päpste im Amt. Nachdem Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini (d.i. Papst Paul VI.) gestorben war, wird Albino Luciani (Papst Johannes Paul I.) zum Papst gewählt, er war nur 33 Tage im Amt, bevor er starb. Dann wurde Kardinal Karol Józef Wojtyła als Johannes Paul II. zum Papst gewählt. Bis zu seinem Tod hatte er über 26 Jahre lang dieses Amt inne. Durch Papst Benedikt XVI. wurde er 2011 selig gesprochen. 

  

27. Oktober - In der Bundesrepublik läuft der Film Zwischengleis von Wolfgang Staudte an. Das Psychodrama einer Selbstmörderin ist sein letzter Kinofilm.

     

8. November - Die ARD zeigt Aus der Ferne sehe ich dieses Land, eine chilenische Emigrantengeschichte von Antonio Skarmeta (Buch) und Christian Ziewer (Regie).

 

  

Aus "HörZu" (Foto mit freundl. Genehmigung von Axel Schneider - www.zuschauerpost.de)

S o n s t i g e s

 

Klaus Emmerich dreht für das Fernsehen Die erste Polka.

 

Ulrich Edel führt Regie bei dem zweiteiligen Fernsehfilm Das Ding.

  

Die ARD zeigt den Volker Schlöndorff-Film Die verlorene Ehre der Katharina Blum und provoziert eine Flut von Zuschauerpost.

  

Werner Schroeter bekommt für Neapolitanische Geschwister den Großen Preis der 9. Internationalen Filmfestspiele von Taormina.

  

Der Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele Kairo geht an Der Hauptdarsteller von Reinhard Hauff.

  

Mit je einem 'Chaplin Schuh' (Deutscher Darstellerpreis) werden dieses Jahr Katja Rupé und Jürgen Prochnow ausgezeichnet.

  

Start der TV-Serie Auf Achse mit Manfred Krug und Rüdiger Kirschstein. Es geht um die zwei befreundeten Trucker Franz Meersdonk (Krug) und Günter Willers (Kirschstein). Die beiden sind nicht nur für die Spedition Mittermann unterwegs (in späteren Folgen hat Meersdonk seine eigene Firma); sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Fernfahrer. Ihre Touren bringen sie in die hintersten Winkel Europas und manchmal auch weiter. Natürlich müssen sie in fremden Ländern ganz unterschiedliche Aufgaben bewältigen und Gefahren meistern. Im Grunde ist Auf Achse also, neben dem Road Movie Aspekt der permanent vorwärtsdrängenden Handlung, eine Abenteuerserie und beide sind dementsprechend moderne Abenteurer. In Verbindung mit dem speziellen, hemdsärmligen Milieu der Brummifahrer und den dröhnenden Trucks, hat man eine wunderbare Ausgangsposition geschaffen auf der sich unterschiedlichste Geschichten entwickeln lassen. Auf Achse ist daher, im Vergleich zu vielen anderen Serien, bemerkenswert abwechslungsreich und unter allen Umständen unterhaltsam. Leider konnte die Fortsetzung der Serie mit Darstellern wie Armin Rohde, Christoph M. Ohrt, Kai Wiesinger und Meret Becker nicht an den Erfolg der ersten Staffel anknüpfen. (Quelle: Amazon

   

Ernst Lubitsch-Preis für Erwin Keusch.

   

Der Film Stroszek von Werner Herzog wird mit dem Preis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

  

 

M U S I K A L I S C H E S  1979

 

  • Die Disco-Welle liegt jetzt voll im Trend, spätestens seitdem John Travolta 1976 in "Saturday Night Fever" getanzt hat, flippen jetzt alle auf der Tanzfläche völlig aus.

  • Boney M. kann einen Hit nach dem anderen verzeichnen.

  • Den ersten Platz - und das gleich mehrere Wochen - belegte Vadder Abraham mit "Das Lied der Schlümpfe" (man mag's kaum glauben, aber "Schnappi" und "Ententanz" haben sich ja auch wochenlang in den Charts gehalten). 

  • Die "neue deutsche Welle" lässt bereits grüßen. Die Hagener Band "Extrabreit" wird gegründet. Die Band verstand sich aber nicht als typische NDW-Band, sondern sah sich mehr als Punk-Band, die vielfach auch kritische Texte vertonte. Dass aber "Extrabreit" so bekannt wurde, war zweifelsfrei der "neuen deutschen Welle" zuzurechnen. Die bekanntesten Songs waren "Flieger, grüß mir die Sonne" (1980) und "Polizisten" (1981).

  • Jean Michel Jarre bringt das Nachfolgealbum von "Oxygen" heraus, es heißt "Equinox".

   

A k t u e l l e   H i t s  1978

 

Don't Let Me Be Misunderstood - Santa Esmeralda feat. Leroy Gomez

Mull of Kintyre - The Wings und Paul McCartney

Rivers of Babylon - Boney M.

You're the One That I Want - John Travolta und Olivia Newton-John

Mexican Girl - Smokie

  

     

B A M B I - S i e g e r  1978

 

Schauspielerin Isabelle Adjani, Schauspieler Mario Adorf, Entertainer und Sänger Peter Alexander, Journalist und Buchautor Franz Alt, das Gesangsduo Baccara, Joan Baez, Peter Handke, Schauspielerin Katerina Jacob, Schauspielerin Nastassja Kinski, Schauspielerin Lisa Kreuzer, Journalist Emil Obermann, Heinz Rühmann, Schauspielerin Jutta Speidel, postum Peter Frankenfeld.

Was weiter bei der Verleihung passierte, liest man auf der offiziellen Webseite www.bambi.de.

    

    

Sieger der "Goldenen Kamera" von HörZu 1978

 

Werner Kleinkorres und Heinz Engels für die Verkehrserziehungsreihe "Der 7. Sinn"
Ursela Monn für ihre Rolle in Ein Mann will nach oben
Jim Henson für seine Erfindung der Muppet-Puppen
James Last für die beste Musik im Fernsehen und seine Auftritte in der "Star-Parade"
Peter Märthesheimer und Günther Rohrbach für den Ankauf und die Bearbeitung der Serie "Holocaust"
Julia Migenes für die Sendung "Julias Opernführer"
Papst Johannes Paul II. bekam die Goldene Kamera für "hohes Medienverständnis"
Heinz Rühmann für seine Rolle in "Diener und andere Herren"
Marius Müller-Westernhagen für seine Rolle in Der Gehilfe und Sommernachtstraum
Kameramann Eckhard Dorn und Autor Max H. Rehbein für die Reportage "Lefty - Erinnerungen an einen Toten in Brooklyn"*)

(Quelle: www.goldenekamera.de)

*) Worum geht es in "Lefty": "Für eine Gage von 1000 Dollar und sechs Stahlhelme aus dem Fundus des NDR ließ sich eine New Yorker Jugendbande von einem deutschen Team filmen. Die "Warriors"-Reportage zeigt die kriminelle Gang "Sex Boys" bei Raubzügen, Straßenschlachten, Brandstiftungen und Voodoo im Puertoricaner-Getto von Brooklyn. Während der einmonatigen Drehzeit übernachteten die Filmer Max Rehbein und Jens-Uwe Scheffler in einem Slum-Keller und wurden zum Drogenkonsum genötigt." (Quelle: Information aus "Spiegel")  

  

  

B R A V O - O T T O - Leserwahl 1978

 

Kategorie männliche Filmstars: Gold John Travolta, Silber Bud Spencer, Bronze Pierre Brice

Kategorie weibliche Filmstars: Gold Nastassja Kinski, Silber Olivia Pascal, Bronze Karen Lynn Corney

Kategorie deutsche Filme: Gold Sie nannten ihn Mücke, Silber Popcorn und Himbeereis, Bronze Leidenschaftliche Blümchen

Kategorie Beat-Gruppen: Gold Smokie, Silber Abba, Bronze The Teens

Kategorie Sänger: Gold Leif Garrett, Silber Jürgen Drews, Bronze Shaun Cassidy

Kategorie Sängerinnen: Gold Olivia Newton-John, Silber Amanda Lear, Bronze Suzi Quatro

Kategorie TV-Stars weiblich: Gold Susan Dey, Silber Gillian Blake, Bronze Ingrid Steeger

Kategorie TV-Stars männlich: Gold Paul Michael Glaser, Silber Sascha Hehn, Bronze Richard Hatch

Kategorie Sportler: Gold Hansi Müller, Silber Sepp Maier, Bronze Kevin Keegan

Kategorie Sportlerinnen: Gold Dagmar Lurz, Silber Annegret Richter, Bronze Evi Mittermaier

    

        

L i t e r a t u r  1978

 

"Geschichte des Films ab 1960" von Ulrich Gregor. München: C. Bertelsmann, 576 Seiten. Eine Weltgeschichte des Films. Die Informiertheit des Autors ist beeindruckend. Er setzt mit diesem Buch die Arbeit an der "Geschichte des Films" (1962) allein fort.

   

"Zensur" von Kraft Wetzel / Peter Hagemann. Berlin: Volker Spiess. 167 Seiten. Verbotene deutsche Filme von 1933 bis 1945. Das Buch zur Retrospektive der Berlinale 1978.

  

"Hurra, wir leben noch" - Roman von Johannes Mario Simmel.

 

"Kudenow oder An fremden Wassern weinen" - Roman von Arno Surminski.

 

"Heimatmuseum" - Roman von Siegfried Lenz.

  

Martin Walser veröffentlicht die Novelle Ein fliehendes Pferd, die von Regisseuren wie Peter Beauvais 1985 und Rainer Kaufmann 2007 verfilmt wurde.

  

Das Buch zum Film Die Kinder vom Bahnhof Zoo. Unter dem Titel "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" veröffentlicht die Illustrierte "stern" die Drogen-Geschichte der 16jährigen Christiane F. nach deren Tonbandprotokollen. 

    

Astrid Lindgren erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

    

       

E i n i g e   K i n o-  u n d  F e r n s e h f i l m e   d e s   J a h r e s  1978

     

Die allseits reduzierte Persönlichkeit

(R, DA: Helke Sander)

  

Das zweite Erwachen der Christa Klages

(R, DA: Margarethe von Trotta)

  

Deutschland im Herbst

(Kollektivfilm)

  

Messer im Kopf

(R: Reinhard Hauff)

  

Das Versteck

(R: Frank Beyer, DA: Beyer und Jurek Becker)

Die Uraufführung findet unauffällig und unangekündigt in Ost-Berlin statt, zwei Jahre nach Fertigstellung des Films, zwei Jahre nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann. Der Hauptdarsteller Manfred Krug hat inzwischen die DDR verlassen, der Autor Jurek Becker ist im Westen auf Arbeitsurlaub. Auch Beyers Film handelt von Trennung: ob eine Scheidung reparabel ist. Natürlich nicht.

Darsteller: Manfred Krug, Jutta Hoffmann

    

Servus Bayern

(R, DA: Herbert Achternbusch)

  

Flammende Herzen

(R, DA: Walter Bockmayer und Rolf Bührmann)

    

Rheingold

(R, DA: Niklaus Schilling)

Trainmovie über die Frau eines Diplomaten, die einen Zugkellner liebt und dann, als ihr Mann ihre Untreue rächt, im Zug langsam verblutet, ohne ein Wort darüber zu verlieren.

Darsteller: Rüdiger Kirschstein, Gunther Malzacher, Elke Haltaufderheide, Alice Treff

    

Neapolitanische Geschwister

(R, DA: Werner Schroeter)

Regno di Napoli: Deutsch-italienische Co-Produktion. Aus dem Leben der italienischen Stadt von 1944 - 1977. 

  

Zwischengleis

(R: Wolfgang Staudte)

An einem Wintertag des Jahres 1961 nimmt sich die 31jährige Anna Eichmayr in München das Leben. Auf der Suche nach den Ursachen für diesen Suizid führt der Film ins Jahr 1945, erzählt von der panischen Flucht aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, vom Tod des kleinen Bruders, von der Ankunft in Bayern, der Liebe zu einem amerikanischen Besatzungsoffizier. Doch dann heiratet Anna, voller Sehnsucht nach Geborgenheit und finanzieller Sicherheit, einen spießigen deutschen Beamten. Die neunjährige Ehe wird immer mehr zum Martyrium...

In seinem letzten Kinofilm kehrte Wolfgang Staudte noch einmal in die Zeit und zum Themenkanon seiner berühmtesten Werke wie Die Mörder sind unter uns, Rotation, Rosen für den Staatsanwalt, Kirmes oder Herrenpartie zurück: die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, die deutsche Schuld, die Verstrickung des Einzelnen in die Netze der Geschichte. „Es war für mich wichtig, statt der wirklichen Ruinen die inneren Ruinenlandschaften zu zeigen“, erklärte der Regisseur nach der Premiere. Zwischengleis lief während der Berlinale und auf anderen internationalen Filmfestivals, so in Moskau und Montreal. Dennoch erreichte er im Kino nur wenige Zuschauer. Zwischengleis wurde zu einer der großen unbekannten Arbeiten Staudtes. (Quelle: DHM, Zeughaus-Kino)

Darsteller: Pola Kinski, Mel Ferrer, Martin Lütge, Volkert Kraeft u.a.

  

Albert - Warum?

(R, DA: Josef Rödl)

  

In einem Jahr mit 13 Monden

(R, DA: Rainer Werner Fassbinder)

  

Zwischen zwei Kriegen

(R, DA: Harun Farocki)

  

Despair

(R, DA: Rainer Werner Fassbinder)

  

Aus der Ferne sehe ich dieses Land

(R, DA: Christian Ziewer)

     

  

G e b u r t s t a g e  1978

 

01.01.  Nina Bott, deutsche Schauspielerin

20.02.  Julia Jentsch, deutsche Schauspielerin

26.02.  Tom Beck, deutscher Schauspieler und Sänger

13.06.  Natalie Alison, österreichische Schauspielerin (TV-Serie Sturm der Liebe)

16.06.  Daniel Brühl, deutscher Schauspieler

25.07.  Lisa Maria Potthoff, deutsche Schauspielerin

10.08.  Oliver Alexander Reinhard Petszokat (Oli P.), deutscher Schauspieler, Sänger, Moderator

15.10.  Katharina Wackernagel, deutsche Schauspielerin

12.11.  Alexandra Maria Lara, deutsche Schauspielerin

  

     

G e s t o r b e n  1978

 

18. März - Franz Josef Spieker, Regisseur, Autor, *1933

Dreimal hat er (mit abnehmendem Erfolg) fürs junge deutsche Kino Komödien gemacht: Wilder Reiter GmbH, Mit Eichenlaub und Feigenblatt, Kuckucksei im Gangsterbett. "Spiekers Filme lagen immer etwas quer zu den eingeübten Erwartungen, weil in ihnen, entlarvend und vielfach gebrochen, Realitäts- und Kinoerfahrung aufeinander prallten." (schreibt Peter Buchka, Süddeutsche Zeitung, 22.3.78).

Franz Josef Spieker ist beim Baden auf Bali ertrunken.

  

  

25. März - Hanna Ralph, Schauspielerin

    

  

Brigitte Horney und Ewald Balser in dem 1939 gedrehten Film "Befreite Hände" - Foto: Murnau-Stiftung

Brigitte Horney und Ewald Balser in dem 1939 gedrehten Film "Befreite Hände"

Regie: Hans Schweikart

©Murnau-Stiftung

17. April - Ewald Balser, Schauspieler, *5. Oktober 1898 in Wuppertal

Balser machte eine Ausbildung als Goldschmied, erlernte das Handwerk des Gravierens und Ziselierens und nahm nebenbei Schauspielunterricht.  eigentlich den Beruf des Goldschmieds bzw. machte eine Lehre als Ziseleur und Graveur, besuchte dann eine Kunstgewerbeschule (bis 1916). Nebenbei nahm er Schauspielunterricht. Dann Soldatenzeit. Nach dem Krieg versuchte er, in Berlin als Goldschmied Fuß zu fassen. Dies gelang nicht und so ging er wieder in seine Heimatstadt Wuppertal. Dort erhielt er 1920 recht schnell sein erstes Engagement am dortigen Stadttheater. In den Jahren 1920 - 1923 erhielt er erste größere Rollen. Wechsel nach Basel. Von dort ging er an die Düsseldorfer Bühnen, wo er vier Jahre blieb. Kam 1928 an das Wiener Burgtheater wo er vor allem Heldenrollen verkörperte. Dann machte Balser einen Abstecher an die Kammerspiele nach München, um 1931 wieder an der Wiener Bug zu spielen. Danach in den Jahren 1933 bis 1944 immer wieder im Wechsel an die Berliner Volksbühne und an das Deutsche Theater. Von Anbeginn seiner Theatertätigkeit kannte und spielte er fast alle großen, tragischen Rollen, die die Theaterwelt zu bieten hatte. Helden wie Faust, Karl Moor, Othello, König Lear, Peer Gynt, Götz von Berlichingen. 1935 drehte er seinen ersten Film Jana das Mädchen aus dem Böhmerwald. Recht spät hatte sich Balser um Filmrollen gekümmert, aber auch hier spielte er fast immer große Persönlichkeiten wie den weltbekannten Mediziner in Sauerbruch - Das war mein Leben, Nachtschwester Ingeborg und Arzt ohne Gewissen (1959, Regie: Falk Harnack). Einige weitere Filme aus seinem Filmschaffen: Die Frau am Scheidewege (1938), Umwege zum Glück (1939), Befreite Hände (1939, Regie: Hans Schweikart), Der dunkle Tag (1942), Ein glücklicher Mensch (1943, Regie: Paul Verhoeven), Kinder, Mütter und ein General (1954), Es geschah am hellichten Tag (1958).

1963 wurde Ewald Balser Ehrenmitglied des Burgtheaters. 1967 Verleihung des Grillparzer-Ringes, 1968 erhielt er die Kainz-Medaille. Ewald Balser starb an seinem Krebsleiden in Wien. Sein Grab befindet sich in Wien auf dem Friedhof Neustift am Walde.

Weitere Filme mit Ewald Balser sind in der IMDb-Website gelistet.

(Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 1, S. 235-236 - mit Erlaubnis des Autors)

 

  

  

13. Juni - Roald Koller, Regisseur, Drehbuchautor, *1944

Film: Johnny West.

Roald Koller war der Lebensgefährte der Schauspielerin Kristina van Eyck. Er nimmt sich in München das Leben.

  

  

Theo Lingen in "Rosen in Tirol", 1940 - Foto: Murnau-Stiftung

Theo Lingen als Adjutant Leberle in "Rosen in Tirol", Regie: Geza von Bolvary, 1940

 

©Murnau-Stiftung

10. November - Theo Lingen, Schauspieler, *1903

Er heißt eigentlich Franz Theodor Schmitz. In seiner jahrelangen Schauspielerkarriere spielte er oft Rollen, die weit unter seinem Niveau lagen, wie Diener, Lehrer, Lakaien, die etwas trotteligen Menschen eben. Sein Vater war ein Justizrat aus Hannover. Im Alter von 18 Jahren stand er bereits auf der Bühne. Nach seiner Schauspielausbildung, sein Lehrer war Friedrich Holthaus, debütierte Lingen 1921 an der Boulevardbühne Schauburg in seiner Geburtsstadt. 

Zu Beginn seiner Karriere hat Lingen Bühnenengagements in Hannover und Halberstadt. Am Residenztheater Hannover spielt er u.a. den "Ferdinand" in "Kabale und Liebe" (1922) von Friedrich Schiller (1759-1805) sowie den "Ritter" in "Elga" (1922) von Gerhart Hauptmann. In dieser Zeit legt er sich den Künstlernamen "Lingen" zu, nach der Geburtsstadt seines Vaters. In den Jahren 1924 - 1929 spielt er am Stadttheater Münster erstmals komische Rollen, z.B. den John Worthing in "Bunbury" von Oscar Wilde. Mit diesem Stück debütiert er auch als Theaterregisseur. Dann kommt ein Engagement am Neuen Theater in Frankfurt/Main. Hier tritt Lingen anfänglich in kleinen Rollen auf und muss nebenbei als Conférencier bei Modenschauen arbeiten. 

1928 heiratet er Marianne Brecht, geb. Zoff, die zuvor mit Bertolt Brecht verheiratet war. Aus dieser Ehe geht eine gemeinsame Tochter, Ursula Lingen, hervor.

Theo Lingen und Bruni Löbl, Szene aus "Die Kassette", Regie: Rudolf Noelte, Foto: SWR Media Services

Theo Lingen und Bruni Löbel in Karl Sternheims "Die Kassette", Regie: Rudolf Noelte, 1961

 

©SWR Media Services

Anschließend spielte Lingen an weiteren Provinztheatern in Halberstadt, Münster, Recklinghausen und Frankfurt am Main, bis er 1929 nach Berlin kam. Hauptsächlich ist er als Bühnendarsteller tätig, z.B. im Theater am Schiffbauer Damm, im Staatstheater und im Komödienhaus. Er hat großen Erfolg als "Mackie Messer" in Brechts "Dreigroschenoper" (1929). Daraufhin engagiert Brecht ihn für weitere Stücke, z.B. "Mann ist Mann" (1931) oder "Die Mutter" (1932). 1931 lernt Theo Lingen Gustaf Gründgens kennen, der sein komödiantisches Talent entdeckt. Beide verbindet fortan eine enge künstlerische Freundschaft.

  

Nach der Machtübernahme der Nazis spielt Lingen mit dem Gedanken, ins Exil zu gehen. Da er für sich jedoch kaum Möglichkeiten auf Arbeit im Ausland sieht, bleibt er in Deutschland. In den folgenden Jahren übernimmt er zumeist komische Rollen. Gründgens engagiert ihn und nun ist der Schauspieler Lingen bis 1944 Mitglied am Preußischen Staatstheater. Endgültiger künstlerischer Durchbruch mit einer Reihe von Film-Komödien. Zusammen mit Hans Moser (mit dem er 24! Filme drehte) steht er für Die unruhigen Mädchen (1937), Opernball (1939), Wiener Blut (1942) sowie weiteren Filmen vor der Kamera. Der nuschelnde Moser und Lingen mit seiner prägnanten, näselnden Stimme sind beim Publikum sehr beliebt. Die vielen Angebote übernimmt er auch, um seine Familie zu schützen. Da Lingens Frau "Halbjüdin" ist, kann er nur mit einer Sondergenehmigung von Joseph Goebbels auftreten. Nach dem Debüt als Spielfilmregisseur mit Marguerite: 3 (1939) folgen 18 weitere Filme, z.B. die Operettenverfilmung Frau Luna (1941) oder Hauptsache glücklich (1941) mit Heinz Rühmann. Zudem hat sein eigenes Bühnenstück "Was wird hier gespielt?" (1939) im Berliner Staatstheater Premiere. Ein weiterer Erfolg ist das Stück "Johann" (1942).

Nach dem Krieg beantragt Theo Lingen die österreichischen Staatsbürgerschaft, weil er einen Neuanfang in der deutschen Filmproduktion aufgrund der wirtschaftliche Verhältnisse für schwierig hält. Er wählt Wien als ständigen Hauptwohnsitz. 

Im Privatleben gilt der Schauspieler als öffentlichkeitsscheu, still und ernst, dreht aber eine Vielzahl von Filmkomödien, bei denen er fast zu seiner eigenen Parodie zu werden drohte, wie z.B. Der Theodor im Fußballtor (1950), Die Feuerzangenbowle (1970), Tante Trude aus Buxtehude (1971) und die unsägliche Filmreihe Die Lümmel von der ersten Bank, die von 1967 bis 1972 gedreht wurden.

Theo Lingen starb am 10. November 1978 in einem Wiener Krankenhaus. 

Weitere Filme mit Theo Lingen sind auf der IMDb-Website zu finden.

(Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 5, S. 49-51 - mit Erlaubnis des Autors. Einige Informationen entnommen aus www.dhm.de/lemo)

 

 

   

  

18. März - Valeska Gert, Schauspielerin, * 11. Januar 1892 in Berlin, gestorben in Kampen/Sylt

Weitere Informationen über die Künstlerin >>>

Gertrude Samosch, wie ihr Geburtsname ist, nimmt bereits im Alter von 6 Jahren Tanzunterricht, außerdem bekam sie 16jährig Schauspielunterricht bei Maria Moissi und Alfred Breiderhoff. Sie schließt sich einer Berliner Tanzgruppe an kreierte eigene groteske Tanzeinlagen, die parodistisch und satirisch wirken. Über die Grenzen Berlins hinaus werden ihre kuriosen Tänze in der Kabarettszene bekannt. Als sie 24 Jahre alt ist, nennt sie sich Valeska Gert. Sie trat in dieser Zeit aber nicht nur als Tänzerin auf, sondern auch an regulären Theatern in Revuen. Sie verfasst nebenbei auch Artikel über Mode, Tanz, Theater und Kino für Berliner Tageszeitungen. Gastspielreisen folgten in europäische Metropolen. 

Sporadisch übernahm Valeska Gert auch Filmrollen, zumeist spielte sie Frauen, die verachtet am Rande der Gesellschaft lebten. Bekannt wurde sie mit ihrer Rolle als Mrs. Peachum in Pabsts Verfilmung des Brecht-Stückes Die Dreigroschenoper

Sergej Eisenstein, bekannter sowjetischer Regisseur, holt sie nach Moskau, um das Agitprop-Theater mit ihr weiter auszubauen. Ab Mitte der 20er Jahre hatte die exaltierte Valeska Gert auch der Arbeit beim Film, 1925 dreht sie Ein Sommernachtstraum, Die freudlose Gasse (mit Greta Garbo), 1927 Alraune und 1929 Tagebuch einer Verlorenen, der Film mit Louise Brooks war seinerzeit ein großer Skandalfilm - Link zu www.filmportal.de.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis konnte die Jüdin Valeska Gert ihre Karriere in Deutschland nicht mehr fortsetzen, da sie als "entartete Künstlerin" galt. Über Paris und London (hier heiratete sie einen englischen Schriftsteller), wo sie ebenfalls Tanzauftritte hatte, kam sie 1938 in die USA. Dort hatte sie große Mühe, in ihrem bisherigen Beruf weiter zu arbeiten. Zeitweise, von 1941 - 44, betrieb sie im New Yorker Künstlerviertel Greenwich Village einen Nachtclub, die "Beggar's Bar", wo sie auch Kabarettvorstellungen gab. 1947 kehrte sie nach Europa zurück, arbeitete zunächst in der Schweiz, 1948 wieder in Berlin. Seit 1950 wohnte sie zumeist in dem Sylter Ort Kampen, wo sie wiederum einen Club namens "Ziegenstall" betrieb. 

1964 war es Federico Fellini, der Valeska Gert für eine kleine, aber prägnante und skurrile Rolle eines Mediums in seinem Meisterwerk Julis und die Geister vor die Kamera holte. 

1970 erhalt Valeska Gert das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.

In den 1970er-Jahren kommt sie bei jungen deutschen Regisseuren gut an, so dass Rainer Werner Fassbinder sie für seine TV-Serie Acht Stunden sind kein Tag (Folge: Franz und Ernst) und Volker Schlöndorff sie in seinem Film Der Fangschuss 1976 einsetzt. Der ist von ihrer Persönlichkeit so fasziniert, dass er beschließt, einen Film über sie zu drehen. Der Film ist eine Hommage an die extravagante Künstlerin mit dem Titel Nur zum Spaß, nur zum Spiel... - Kaleisoskop Vanessa Gert.

Weitere Filme mit Valeska Gert sind in der IMDb-Datenbank gelistet.

(Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 3, S. 239-240 - mit Erlaubnis des Autors.)
  

    

O.E. Hasse (li.) und Peter van Eyck in einer Filmszene - Foto: Murnau-Stiftung

O. E. Hasse (li.) als Robert Fleming und Peter van Eyck als John Lawrence in "Der gläserne Turm" aus dem Jahre 1957, Regie: Harald Braun

 

©Murnau-Stiftung

12. September - O. E. Hasse, Schauspieler, *1903

Grandios gespielt - O.E. Hasse als Admiral Canaris. Biografischer Spielfilm  über den Chef der deutschen Abwehr von 1937 bis zu seiner Verhaftung 1944. Noch heute ist rätselhaft, wie er zugleich Kopf der deutschen Abwehr und das Herz des deutschen Widerstandes sein konnte. (Globus-Film)

Bereits als Kind versuchte er sich am Theaterspiel und trat in seiner Schulzeit in Kolmar / Posen als Laiendarsteller gemeinsam mit seiner Mitschülerin Berta Drews in privaten Kreisen auf. 

Otto Eduard Hasse hatte drei Semester Jura studiert. Seine Ausbildung machte er an der Max Reinhardt-Schule Anfang der 1920er-Jahre. Dort hatte O.E. Hasse einen ersten Kontakt zum Film und wurde als Statist in F. W. Murnaus Der letzte Mann eingesetzt. 1924 erhielt er sein erstes Engagement an den Münchner Kammerspielen. Danach ging er für zwei Jahre nach Breslau und 1929 an das Volkstheater in Berlin. Durchgehend in den 30er-Jahren war Hasse an den Kammerspielen beschäftigt.

Bei Wikipedia ist zu lesen: "Im Frühjahr 1939 wurde Hasse in München wegen Homosexualität gemäß § 175 zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, was nach der damaligen Strafpraxis als ein relativ mildes Urteil galt. Als strafmildernd wurden seine „Unbescholtenheit“, sein Geständnis und seine künstlerischen Leistungen gewertet."

 

1931/32 übernahm er eine kleine Rolle als Makler in Peter Voß, der Millionendieb. So begann die lange währende Karriere des Schauspielers, die ihn bis 1945 immer wieder über Wasser hielt, mal mit kleineren, mal mit größeren Nebenrollen. Mit seiner Doppelrolle in Robert A. Stemmles Berliner Ballade erregte Hasse zum ersten Mal auch im deutschen Film Aufmerksamkeit, obwohl er sich in deutschen Produktionen nicht so recht durchsetzen konnte. Alfred Hitchcock holte ihn nach Amerika zu Dreharbeiten in "I confess" (Ich beichte). An der Seite von Montgomery Clift und Ann Baxter spielt er einen Mörder. Für Anatole Litvaks spielte er in Entscheidung vor Morgengrauen den freundlichen, herzkranken deutschen Oberst von Ecker, der das US-Bild vom gängigen Wehrmachtsverbrecher relativiert. Mit der Titelrolle des Admiral Canaris hatte Hasse 1954 in Alfred Weidenmanns Filmbiographie auch in Deutschland einen großen Erfolg.

Kay Weniger schreibt u.a.: "Zum würdigen Schwanengesang geriet 1974 Hasses ergreifendes Porträt des greisen, durch Verstrickung in Kollaboration mit den deutschen Besatzern in Norwegen desavouierten norwegischen Dichterdenkmals Knut Hamsun in Peter Zadeks Eiszeit, den Hasse beeindruckend als einen ebenso störrisch-verbitterten, wie einsamen und bemitleidenswerten Mann anlegte."
Im Kino war O.E. Hasse die deutsche Stimme von Charles Laughton, Spencer Tracy und Humphrey Bogart. 

Sein Grab befindet sich auf dem Städt. Waldfriedhof Berlin-Dahlem

Weitere Filme mit O. E. Hasse sind auf der IMDb-Website gelistet.

(Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 3, S. 564-566 - mit Erlaubnis des Autors.)
  

  

    

 Lina Carstens in "Das schwarze Schaf" - Foto: Murnau-Stiftung

Lina Carstens mit Heinz Rühmann (re.) und Gernot Duda in "Das schwarze Schaf",

1960, Regie: Helmuth Ashley

 

©Murnau-Stiftung

22. September - Lina Carstens, Schauspielerin, *6. 12. 1892 in Wiesbaden

Debütierte in Filmen von Douglas Sirk (April, April) und bleibt als Lina Braake unvergessen. 

Nach dem Besuch der Höheren Mädchenschule nimmt sie Schauspielunterricht bei Hans Oberländer in Wiesbaden. Ihr erstes Engagement erhält sie 1911 am Hoftheater in Karlsruhe. Weitere Theaterstationen sind Leipzig (an Leipziger Bühnen war sie fast 27 Jahre beschäftigt), Hamburg, München und Berlin. In der Zeit in Leipzig tritt die junge Lina Carstens in dem von Hans Reimann gegründeten politischen Kabarett "Retorte" zusammen mit Joachim Ringelnatz (1883 – 1934) auf. Im Jahre 1946 spielt Lina Carstens im Theater Konstanz als erste Schauspielerin die  Mutter Courage von Bert Brecht nach Kriegsende auf einer deutschen Bühne und weiterhin alle großen Rollen, die für eine Frau ihres Alters geeignet sind wie Frau Henschel in Fuhrmann Henschel, die Melantho in Lysistrata, Marthe Rull in Der zerbrochene Krug (hier 1937 in der Verfilmung von Gustav Ucicky) oder die Mutter Wolffen in Der Biberpelz. "Sie spielt auch im Fernsehen in ihren Rollen handfeste, resolute, patente und manchmal auch derbe Frauenfiguren mit einem Herzen aus Gold" (Kay Weniger). 

Von zwei Stummfilmrollen abgesehen, ist sie seit 1935 regelmäßig in Kinofilmen zu sehen, im Gegensatz zu ihren Theaterauftritten hier fast immer in Nebenrollen. Seit 1958 arbeitet sie als freie Schauspielerin.

Obwohl sie im Film immer berühmte Kollegen um sich hat, spielt sie selbst fast immer Nebenrollen, wie z.B. an der Seite von Fritz Kortner in Der Ruf (Regie: Josef von Baky). So spielt sie in den Pater-Brown-Komödien mit Heinz Rühmann (Das schwarze Schaf, 1960) und in Er kann's nicht lassen (1962) dessen Haushälterin, in Sauerbruch - das war mein Leben spielte sie an der Seite von Ewald Balser in der Chirurgen-Biographie die Oberschwester. Sie ist 1974 die Großmutter in Der Räuber Hotzenplotz von Gustav Ehmck. In Alfred Weidenmanns Der Schimmelreiter spielt Lina Carstens die Trin Jans und im gleichen Jahr die Toni in dem TV-Drama Friedrich Schachmann wird verwaltet an der Seite von Wolfgang Kieling

Aber dem breiten Publikum bekannt wird sie aber durch die Fernsehserie Der Bastian (1973, Regie: Rudolf Jugert) als resolute, aber herzensgute Großmutter von Bastian (Horst Janson), dem ewigen Studenten. Ihren größten Kinoerfolg feiert Lina Carstens 1975 in Bernhard Sinkels Lina Braake mit Fritz Rasp als Partner.

Lina Carstens ist mit Otto Ernst Sutter, einem Schriftsteller, verheiratet, ihr einziges Kind fällt im zweiten Weltkrieg. Am 22. September 1978 stirbt Lina Carstens in einem Münchner Krankenhaus. Sie ist in der Nordsee seebestattet worden. (rk)

(Quelle: Einige Informationen aus "Das große Personenlexikon des Films" von Kay Weniger, Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Band 2, S. 7-8 - mit Erlaubnis des Autors.)

Weitere Filme mit Lina Carstens sind auf der IMDb-Website gelistet. 

   

 

 

 

 

 

    

  

  

  

  

 

 

 

 

 

 

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Layout: Rosemarie Kuheim

Bearbeitet: 20. Februar 2013

 

Ich bitte um Verständnis, dass ich zu den jeweiligen Jahren nur eine Auswahl von Nachrichten treffen konnte.

 Alle Informationen der Film- u. Fernsehchronik sind nach bestem Wissen gesammelt und aufgeschrieben worden,

sollten sich aber doch Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um eine E-Mail. Vielen Dank.

 

Ich bedanke mich bei Herrn Dr. Kay Weniger, der mir erlaubt hat, aus "Das große Personenlexikon des Films" Textstellen zu übernehmen.